Schule in Taiwan Rektor tritt wegen Nazi-Parade zurück

Schüler in Nazi-Uniformen, die Hakenkreuzflaggen schwenken: Mit einer eigentümlichen Geburtstagsparade hat eine Schule in Taiwan international für Entrüstung gesorgt. Nun zieht ihr Rektor Konsequenzen.

Schüler der Kuang Fu High School in Hsinchu, Taiwan
DPA/KUANG FU HIGH SCHOOL

Schüler der Kuang Fu High School in Hsinchu, Taiwan


Er ließ zu, dass sich seine Schüler als Nazis verkleideten und zum 62. Geburtstag der Schule mit NS-Flaggen und Panzer aus Pappe übers Schulgelände marschierten. Wegen dieser Aktion, die international Empörung auslöste, ist der Rektor einer taiwanesischen Schule zurückgetreten.

Der Leiter der Kuang Fu High School in der nördlichen Stadt Hsinchu, Cheng Hsiao Ming, entschuldigte sich "bei den Opfern und der Öffentlichkeit" dafür, dass er die Parade vom vergangenen Freitag genehmigt hatte. "Ich werde die Verantwortung übernehmen und zurücktreten", sagte er am Sonntag.

Bilder und Videos der Parade waren im Internet aufgetaucht. Sie zeigen Schüler in Nazi-Uniformen, die Hakenkreuzflaggen und Banner in den Händen halten. Außerdem ist ein Lehrer zu sehen, der in einem selbst gebauten Panzer aus Pappe steht und den Hitlergruß zeigt. Über einen Lautsprecher ist zu hören: "Hier kommt Hitler, grüßt ihn, Studenten, oder der Panzer wird euch zermalmen oder ihr werdet in die Gaskammer gebracht."

Das Deutsche Institut in Taipeh, die diplomatische Vertretung der Bundesrepublik in Taiwan, hatte am Freitag entsetzt auf die Nazi-Parade reagiert. "Mit Erschrecken" habe man das Zurschaustellen von Nazisymbolen und -uniformen zur Kenntnis genommen, hieß es auf der Facebook-Seite der Vertretung. "Es ist bedauerlich, dass den Schülern offenbar nicht bewusst war, dass diese Nazizeichen Menschenverachtung und Unterdrückung symbolisieren."

Das israelische Wirtschafts- und Kulturzentrum in Taipeh sprach von einer "geschmacklosen" und "abscheulichen" Veranstaltung. Es sei bedauernswert und schockierend, dass nur sieben Jahrzehnte nach dem Holocaust eine Schule in Taiwan eine solche Parade abhalte.

Auch das Bildungsministerium in Taiwan entschuldigte sich rasch für den Vorfall und forderte die Schule auf, das Geschichtsbewusstsein ihrer Schüler zu stärken.

Die Geschichte und Symbolik der NS-Zeit wird in asiatischen Ländern nicht selten verherrlicht. So taucht Hitler mitunter in Werbekampagnen auf. Außerdem gab es in den Neunzigerjahren kurzzeitig ein Lokal namens "Nazi Bar" in Taipeh. In Indien nannten vor einigen Jahren zwei Geschäftsleute ihren Klamottenladen "Hitler", was ebenfalls für Entrüstung sorgte.

lov/AFP/AP



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