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Junge Massai-Frau: Zu Hause in zwei Welten

Foto: Claudio Verbano

Junge Massai-Schülerin "Bildung ist das Wichtigste, das es gibt"

Selten schicken Massai-Familien ihre Töchter auf die Schule - die 17-jährige Nemjini hat das Glück, Unterricht besuchen zu dürfen. Sie tut alles dafür, eine gute Schülerin zu sein.

Wenn Nemjini Kisika Bilauti zu Hause ist, steht sie bei Sonnenaufgang auf, hilft ihrer Mutter beim Kochen und Putzen, sie sammelt Holz oder holt Wasser. Als junge Massai-Frau lebt sie in einem typischen Boma-Haus aus getrocknetem Kuhdung, Lehm und Holzpfosten. Doch die meiste Zeit ihres Lebens sieht ganz anders aus: Dann besucht sie die Emboreet Simanjiro Oberschule, lernt viel, um Klassenbeste zu sein, liest oder verbringt Zeit mit ihren Mitschülerinnen.

Der Fotograf Claudio Verbano  hat die junge Frau mehrmals getroffen und sie in ihrem Alltag begleitet - bei ihrer Familie und in der Schule. Er lernte sie über Toima Kiroya kennen, einem bekannten und modern lebenden Massai, der sich sehr für die Bildung der Menschen in der Region Emboreet in Tansania einsetzt. Er gründete auch die Schule, die Nemjini heute besucht.

Die 17-Jährige gehört zu den wenigen weiblichen Massai, die den Unterricht besuchen dürfen. Normalerweise bleibt dieses Privileg nur den Jungen der Familie vorbehalten. Doch bei Nemjini ist es anders: Ihr Vater kam bei einem Unfall ums Leben, und der ältere Bruder Lemali entschied sich dafür, ihn als Oberhaupt zu ersetzen, die Familie zu versorgen und zu verteidigen.

Durch diese besonderen Umstände war der der Weg frei für Nemjini und sie durfte mit sieben Jahren auf eine Schule gehen. Ihre Familie musste dafür ein paar ihrer Tiere verkaufen, um notwendige Dinge wie Bücher kaufen zu können. Kiroya unterstützt die junge Frau finanziell.

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Junge Massai-Frau: Zu Hause in zwei Welten

Foto: Claudio Verbano

Zum ersten Mal in ihrem Leben verließ Nemjini damals die gewohnte Umgebung und lebt seitdem die meiste Zeit im Wohnheim der Schule. Die Emboreet Simanjiro Oberschule genießt einen sehr guten Ruf in Tansania und bietet ihren Schülern viele Möglichkeiten.

Von Anfang an war die junge Frau begeistert vom Unterricht und lernte fleißig, um ihre Familie nicht zu enttäuschen. Sie wurde Klassenbeste in mehreren Fächern, darunter Mathematik, Englisch und Erdkunde. "Bildung ist das Wichtigste, das es gibt", sagt sie. Ihre Freizeit verbringt sie gern mit ihren Klassen- und Zimmerkameradinnen oder macht Sport.

Nemjinis Noten sind so gut, dass ihr nach ihrem Schulabschluss ein staatliches Stipendium in Aussicht gestellt wurde, um damit in der Hauptstadt Dodoma zu studieren. Eines Tages möchte sie Ärztin werden und Menschen in Not helfen - am liebsten in der Region, aus der sie stammt.

Auch wenn sich der Alltag der 17-Jährigen zu Hause komplett von dem im Internat unterscheidet, mag sie beide Welten. Ihrer Mutter berichtet sie regelmäßig vom Unterricht. Da diese selbst nie die Möglichkeit hatte, eine Schule zu besuchen, kann sie sich nicht vorstellen, was dort alles passiert.

Ihr Bruder Lemali ist glücklich mit seinem Leben als Hirte. Es macht ihn aber traurig, dass Nemjini bald weit entfernt zur Universität gehen wird - gleichzeitig freut er sich für sie und ist stolz auf seine kleine Schwester.

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