Taschengeld für Schüler Wie viel Asche in die Tasche?

Das neue Schuljahr ist in vielen Familien der Startschuss für Verhandlungen über mehr Taschengeld. Wie viel soll's denn sein - und ab wann können sich Kinder ruhig etwas dazu verdienen?
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Süßigkeiten, Zeitschriften oder Klamotten - mit ihrem Taschengeld können Kinder kaufen, was sie wollen und so erste Erfahrungen im Umgang mit Geld machen.

Doch in welchem Alter sollten Kinder Taschengeld bekommen - und wie viel? Die wichtigsten Fragen im Überblick.

Ab wann sollten Kinder Taschengeld bekommen?

Mit der Einschulung steigt der Grad an Eigenständigkeit bei vielen Kindern: Sie legen den Schulweg zum ersten Mal ohne die Begleitung der Eltern zurück, müssen Hausaufgaben erledigen und Klassenarbeiten schreiben. Spätestens in dieser Phase sollten Eltern ihren Kindern Taschengeld gewähren - das empfehlen Alexandra Langmeyer und Ursula Winklhofer vom Deutschen Jugendinstitut (DJI) . Bis zum Alter von neun Jahren soll der Betrag wöchentlich ausbezahlt und pro Jahr um etwa 50 Cent bis 1 Euro erhöht werden. Ab zehn Jahren ist dem DJI zufolge eine monatliche Auszahlung sinnvoll.

Wie viel Taschengeld soll ich meinem Kind geben?

In der Regel steigt die Höhe des Taschengelds mit zunehmendem Alter. Neun- bis 14-Jährige bekommen im Schnitt 20,40 Euro Taschengeld im Monat. Das ist das Ergebnis des LBS-Kinderbarometers 2015 .

Das DJI gibt Empfehlungen als Orientierungshilfe heraus. Die Höhe hängt aber nicht nur vom Alter, sondern auch davon ab, wie viel Geld die Eltern haben und was die Kinder von ihrem Taschengeld finanzieren sollen. Die meisten Kinder bekommen Kleidung und Schulsachen von ihren Eltern. "Wenn ein Grundschulkind von den Eltern alles bekommt, können zehn Euro pro Monat schon viel sein", sagt Holger Ziegler, Erziehungswissenschaftler an der Universität Bielefeld. "Umgekehrt können 40 Euro wenig sein, wenn das Kind sonst nichts von den Eltern bezahlt kriegt."

Empfehlungen des Deutschen Jugendinstituts zum Taschengeld

Alter empfohlenes Taschengeld*
unter 6 Jahre 0,50 - 1,00 Euro/Woche
6 Jahre 1,00 - 1,50 Euro/Woche
7 Jahre 1,50 - 2,00 Euro/Woche
8 Jahre 2,00 - 2,50 Euro/Woche
9 Jahre 2,50 - 3,00 Euro/Woche
10 Jahre 15,00 - 17,50 Euro/Monat
11 Jahre 17,50 - 20,00 Euro/Monat
12 Jahre 20,00 - 22,50 Euro/Monat
13 Jahre 22,50 - 25,00 Euro/Monat
14 Jahre 25,00 - 30,00 Euro/Monat
15 Jahre 30,00 - 37,50 Euro/Monat
16 Jahre 37,50 - 45,00 Euro/Monat
17 Jahre 45,00 - 60,00 Euro/Monat
ab 18 Jahren 60,00 - 75,00 Euro/Monat
* ab 16 Jahren für Jugendliche, die wirtschaftlich ganz von den Eltern abhängig sind (z.B. Schüler)

Statt Taschengeld: Ist es sinnvoll, Geld nur anlassweise herauszugeben?

Nicht alle Kinder bekommen Taschengeld. Manche Eltern geben das Geld anlassweise heraus, zum Beispiel wenn Klassenfahrten anstehen oder das Kind danach fragt, weil es sich etwas Konkretes kaufen möchte. Eine gute Alternative? "Die Idee des Haushaltens geht so natürlich verloren", sagt Ziegler. Laut DJI sollten Taschengeldzahlungen zum ganz normalen Alltag in den Familien gehören. Ziegler hingegen betont: Dass es einen Zusammenhang zwischen Taschengeldgabe und vernünftigem Umgang mit Geld im Erwachsenenalter gibt, sei umstritten.

Was, wenn die Freunde des Kindes mehr Taschengeld bekommen?

Ursula Winklhofer vom DJI empfiehlt: Erst einmal abklären, ob das wirklich stimmt. "Es kann ja auch sein, dass die Oma dem Kind 100 Euro zugesteckt hat - solche Geldgeschenke muss man natürlich vom Taschengeld unterscheiden." Winklhofer zufolge sollten Eltern generell immer das offene Gespräch mit den Kindern suchen: Wer wenig verdient oder arbeitslos ist, sollte auch seinem Kind erklären, warum es weniger Taschengeld kriegt als andere. Eine weitere Möglichkeit sei, das Thema bei einem Elternabend anzusprechen und zusammen mit den anderen Eltern eine Lösung zu suchen.

Nebenjobs: Ab wann sind sie erlaubt?

Manche Kinder und Jugendliche bessern ihr Taschengeld durch Neben- oder Ferienjobs auf. "Dabei können sie auch die Erfahrung machen, dass es Einsatz und Schweiß kostet, wenn man etwas verdienen möchte - das trägt zu einem bewussten Umgang mit Geld bei", sagt Winklhofer. Dabei gelten jedoch strikte Bestimmungen: Im Jugendarbeitsschutzgesetz  ist festgeschrieben, dass Kinder unter 13 Jahren nicht beschäftigt werden dürfen und 13- bis 15-Jährige nur dann, wenn die Sorgeberechtigten einwilligen.

Welche Nebenjobs sind geeignet?

Bei der Arbeit darf es sich nur um leichte Beschäftigungen handeln, die sich nicht nachteilig auf Sicherheit, Gesundheit oder Entwicklung des Kindes auswirken. Auch der Schulbesuch darf durch die Tätigkeit nicht negativ beeinflusst werden. Babysitten, Nachhilfe zu geben und Hunde spazieren zu führen, gehören laut Winklhofer zu den geeigneten Jobs für Kinder. Auch Zeitungen auszutragen und Prospekte zu verteilen, sind beliebte Schülerjobs.

Manche Kinder verdienen sich im eigenen Familien- und Verwandtenkreis etwas dazu, insbesondere durch Tätigkeiten im Haushalt und Garten wie Rasenmähen, Blumengießen oder Autowaschen. Winklhofer rät hier aber zur Vorsicht: "Nicht jede Tätigkeit sollte honoriert werden. Es sollte normal sein, dass die Kinder zu Hause mithelfen." Winklhofer empfiehlt, nur für besondere Arbeiten und Einsätze Geld zu geben - sodass die Belohnung durch Geld auch für das Kind etwas Besonderes bleibt.

Wie lange und wie viel dürfen Kinder arbeiten?

In Bezug auf die Arbeitszeiten gibt es klare Vorgaben für 13- bis 15-Jährige: Nur zwischen 8 und 18 Uhr, nicht während des Schulunterrichts, nicht mehr als zwei Stunden täglich. Bei Kindern, die in landwirtschaftlichen Familienbetrieben arbeiten, sind drei Stunden pro Tag die Obergrenze.

Dürfen Kinder von Hartz-IV-Empfängern ihr Einkommen vollständig behalten?

Grundsätzlich wird jedes Einkommen von Familien, die Hartz IV beziehen, auf die Arbeitslosengeld-II-Leistungen  angerechnet. Bei Schülern, die das 25. Lebensjahr noch nicht vollendet haben und ausschließlich in den Ferien einem Job nachgehen, greift aber eine Ausnahme: Sie können bis zu 1200 Euro im Jahr anrechnungsfrei hinzuverdienen - allerdings nur, wenn sie nicht mehr als vier Wochen im Kalenderjahr arbeiten und keinen Anspruch auf Ausbildungsvergütung haben.

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