Großbritannien Tausende Schulkinder leiden Hunger

Immer mehr Schüler sind in Großbritannien unterernährt, weil sie zu Hause nicht genug zu essen bekommen. Nun fordern Politiker mehr kostenlose Mahlzeiten für Kinder.

Für einige Schüler ist das Schulessen die einzige, richtige Mahlzeit
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Für einige Schüler ist das Schulessen die einzige, richtige Mahlzeit


Tausende britische Schulkinder sind untergewichtig. Die Zahl ist in den vergangenen Jahren drastisch angestiegen, wie eine Abgeordnetengruppe des Parlaments warnt. In einem Bericht, den die Politiker vorlegten und über den auch die BBC berichtet, heißt es: "Während einerseits die Fettleibigkeit von Kindern ein Problem ist, steigt gleichzeitig die Zahl der Kinder, die in ihrem ersten und letzten Jahr an der Grundschule untergewichtig sind."

Demnach gibt es immer mehr Kinder, die zu Hause nicht genug zu essen bekommen. 6367 Kinder wurden dem Bericht zufolge im vergangenen Jahr mit Untergewicht eingeschult. Das sind 16 Prozent mehr als noch drei Jahre zuvor.

Auch zu den Kindern, die die letzte Klasse der Grundschule besuchten, gibt es Zahlen. Demnach waren 7663 Kinder untergewichtig - 15 Prozent mehr als 2012. Die Parlamentarier beziehen sich auf Zahlen vom "National Child Measurement Programme", die sie neu aufbereitet haben. "Für einige Kinder ist das Schulessen mittags die einzige Chance, etwas Vernünftiges in den Magen zu bekommen", heißt es in dem Bericht.

"Für zu viele Kinder ist Hunger ein ständiger Begleiter"

Nur aus einigen Schulen des Landes liegen allerdings umfassende Zahlen vor, demnach kommt mehr als jedes fünfte Kind hungrig zum Unterricht. Einige Schüler litten sogar "unter ständigem Hunger". Man habe zwar nicht genügend Daten, um landesweit ein vollständiges Bild von der Ernährung der Kinder in ihren Familien zu erhalten, schreiben die Parlamentarier. Aber es gibt ausreichend Belege dafür, "dass Hunger für zu viele Kinder ein ständiger Begleiter ist".

Die meisten Familien hätten vermutlich zu wenig Einkommen, um ihre Kinder vernünftig zu ernähren. In manchen Fällen habe der Hunger der Kinder aber mehr mit dem Versagen und einer Vernachlässigung der Eltern zu tun. "Es passiert gerade etwas sehr Verstörendes", sagte der Vorsitzende der Gruppe, Frank Field. "Das eine ist das Versagen der Eltern, das andere die steigende Zahl geringer Einkommen." Es sei schrecklich, wenn ein Kind beides treffe.

Die Gruppe forderte die Regierung auf zu handeln. Sie solle unter anderem einen Teil der Einnahmen aus der neuen Zuckersteuer verwenden, um auch in den Ferien kostenlose Mahlzeiten für arme Kinder anzubieten. Die Zuckersteuer ist eine Maßnahme der britischen Regierung gegen Übergewicht und Diabetes. Sie soll Unternehmen, die zuckerhaltige Softdrinks herstellen, zu einer Abgabe verpflichten.

Ein Regierungssprecher versprach, sich dem Problem anzunehmen: "Wir stimmen mit der Gruppe überein, dass niemand hungrig bleiben sollte, vor allem, wenn jede Menge Essen weggeworfen wird. Wir werden die Empfehlungen des Berichts deshalb sehr sorgfältig prüfen."

fok

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insgesamt 12 Beiträge
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zeisig 15.04.2016
1. Das wäre was !
Das wäre doch mal eine sinnvolle europäische Norm: optional kostenloses Mittagessen für Schulkinder. Europaweit. Und dann noch ein bischen mehr Geld für Alte und Kranke. Und dann, wenn noch was übrig ist, finanzielle Unterstützung für die Integration von Flüchtlingen. Genau in dieser Reihenfolge. Dann bräuchten sich die etablierten Partein und die grünen Wohlstandsbürger auch keine Sorgen mehr zu machen um das Erstarken von rechten Parteien in Europa.
Zaunsfeld 15.04.2016
2.
Wirklich ein kolossales Armutszeugnis des Spätkapitalismus und der freien Marktwirtschaft. Die Vertreter des freien und radikalen Marktwirtschaft verteufeln immer sämtliche sozialistischen und sozialmarktwirtschaftlichen Systeme und werfen ihnen vor, die könnten noch nicht mal die eigene Bevölkerung ernähren, und gleichzeitig leiden 20% der Kinder eines der reichsten und marktradikalsten Staaten der Erde an echtem Hunger und chronischer Unterernährung. Ein Hoch auf den Kapitalismus und die freie Marktwirtschaft!
herm16 15.04.2016
3. kommentar zaunsfeld
aeh, wieviel leiden Hunger im Kommunismus?. Nicht immer auf den Kapitalismus schimpfen. Aber zum Artikel, es ist schon beschämend, wenn in Ländern wie England Hunger herrscht. Wo sind die Leute die sich rührend um Flüchtlinge kümmern? Was tun sie gegen den Hunger der eigenen Bevölkerung. Ich hoffe nicht, dass sie wegschauen
knok 16.04.2016
4. Ein Zeichen
von extremer Ungerechtigkeit in einem der reichsten Länder der Welt. Vielleicht ein Weckruf dahingehend, für mehr soziale Gerechtigkeit und weniger Neoliberalismus zu sorgen, und die Fehler, die Thatcher, Cameron and friends gemacht haben, zurückzuführen. Wenigstens ist die Sozialdemokratie in Form von Labour da weiter als hierzulande die SPD.
KilgoreTrout 16.04.2016
5.
Bizarr. Sie haben den Artikel nicht gelesen, oder? Fettleibigkeit ist immer noch ein Problem. Und normales, nahrhaftes Essen besteht, wer hätte das erwartet, nicht zu so großen Teilen aus Zucker, dass es von Zuckerpreiserhöhungen betroffen wäre. Ernähren Sie sich von Gummibärchen und Cola, oder woher kommt diese verquere Schlussfolgerung?
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