Techno-Tempel Tresor Clubbing für Kurze

Der Berliner Club Tresor veranstaltet Partys jetzt auch für Teenager. Alkohol ist für die 12- bis 15-Jährigen tabu, aber die Gäste interessiert sowieso nur eines: Flirten. Lara und Rosa haben's erfunden, Falcon schwört auf Techno, Philip alias MC Sunshine legt auf.

Von Tina Molin


Clubber Falcon Rath, 13 Jahre

Partygänger Falcon: "Toll, wenn ich danach Muskelkater habe"
Tina Molin

Partygänger Falcon: "Toll, wenn ich danach Muskelkater habe"

"Richtig abgefahren", sagt Falcon Rath. Seine Stimme klingt so begeistert, als käme er gerade von einem kurzen Weltraumflug zurück. Der 13-Jährige schwärmt von seinem ersten Besuch im Club Tresor.

Seine Freunde erzählten ihm von der Jugendparty "Tresor Light" in seiner Traumdisko. Tresor ist einer der ältesten Techno-Club Berlins, wurde 1991 in einem ehemaligen Tresorraum am Potsdamer Platz eröffnet und ist heute in einem stillgelegten Heizkraftwerk untergebracht. Normalerweise tanzen hier Erwachsene - doch an diesem Nachmittag haben ausschließlich 12- bis 15-Jährige Zutritt.

Papa war ein Partytyp

"Als ich gehört habe, dass wir im Tresor feiern, fand ich's nur toll", sagt Falcon. Sein erster Eindruck von der Lichtanlage und dem dicken Sound: "So laut hab ich Musik noch nie gehört. Ich dachte, es würde kleiner sein, heller und leiser." Falcon strahlt übers ganze Gesicht. Er hört am liebsten elektronische Musik. Seine Lieblingsplatte: ein Mitschnitt aus dem Tresor.

Falcon weiß genau was er will - und was nicht. "Ich liebe Techno. Das, was hier heute läuft, ist nicht wirklich meine Musik", sagt er, denn aus den Boxen dröhnen Deichkind und Lady Gaga. Lieber zieht er sich elektronische Tracks von Papas Rechner auf seinen MP3-Player oder lässt sein Taschengeld bei einem Musik-Download-Portal.

Offizieller Veranstalter der Teenie-Party ist der Bund Deutscher Pfadfinder, dem die Eltern für diesen Nachmittag das Sorgerecht übertragen. Alkohol und Zigaretten sind streng verboten, um 21 Uhr ist Sperrstunde. Sogenannte "Angels", 20-jährige Pfadfinder, passen auf, dass es zu keinen Rangeleien kommt, und rufen schon mal "Gewalt ist keine Lösung", wenn es gerade passt.

Dass Falcon in den Tresor geht, ist für seinen Vater Reinhold Rath kein Problem. "Der war selbst ein Partytyp", sagt Falcon trocken. Der 50-Jährige hat in den neunziger Jahren Partys auf Ibiza veranstaltet, demnächst eröffnet er in Berlin ein Restaurant für Rohkostspezialitäten. Bis heute teilen Vater und Sohn die Leidenschaft fürs Tanzen: Während Falcon im Tresor feiert, vergnügt sich Reinhold Rath auf dem Karneval der Kulturen.

"Tanzen gehört zum Leben dazu, es ist ein super wichtiges Ritual", findet Rath. Und erzählt: "Wir haben früher ganz anders gefeiert. Als ich 16 war, gab es in der Sporthalle einmal im Monat eine Party, alle tranken Bier und Schnaps, waren besoffen und aggressiv."

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.