40 Jahre ein und dasselbe Hemd "Beim letzten Mal konnte ich es kaum zuknöpfen"

Der Texaner Dale Irby war 40 Jahre lang Sportlehrer und trug auf jedem Jahrbuchfoto dasselbe Outfit: helles Hemd mit Riesenkragen und einen braunen Pullunder. Warum? "Sie sagten mir, machen Sie sich hübsch."
Ein Outfit für die Ewigkeit: 40 Jahre in Discohemd und braunem Pulli

Ein Outfit für die Ewigkeit: 40 Jahre in Discohemd und braunem Pulli

Foto: Dallas Morning News

SPIEGEL ONLINE: Herr Irby, wie sind Sie auf die Idee gekommen, sich 40 Jahre lang in demselben Hemd mit demselben Pullunder fotografieren zu lassen?

Irby: Am Anfang war es Zufall. Erst war es mir richtig peinlich, als ich gesehen habe, dass ich auf meinem ersten und zweiten Jahrgangsbuch-Foto dasselbe Hemd und denselben Pullunder angehabt habe. Im dritten Jahr hat meine Frau gemeint, dass es doch lustig sei, das Ganze noch einmal anzuziehen. Und nachdem ich es fünf Jahre hintereinander getragen hatte, dachte ich: Warum jetzt aufhören?

SPIEGEL ONLINE: Und warum haben Sie genau dieses Outfit gewählt?

Irby: Uns Lehrern wurde gesagt, dass am nächsten Tag Fotos aufgenommen werden, wir sollten uns hübsch machen. Meine Eltern waren zu diesem Zeitpunkt gerade nach New Orleans gezogen und ich dachte, ich überrasche sie mit einem netten Foto von mir. Wir Lehrer mussten dafür nämlich nichts bezahlen. Ich bin dann also zu einem Einkaufszentrum gefahren und habe mir dieses Hemd und den Pullunder gekauft. Meiner Mutter hat's gefallen.

SPIEGEL ONLINE: Im Jahr darauf wählten Sie dasselbe Outfit wie im Jahr zuvor. Es muss Ihnen also gefallen haben.

Irby: Ich denke schon. In den Siebzigern war es bestimmt ziemlich modern, sonst hätte ich es nicht gekauft. Heute würde ich es nicht mehr tragen. Die Farben sind ausgeblichen und Motten haben Löcher in den Pullunder gefressen.

SPIEGEL ONLINE: Sind Ihnen die Sachen über die Jahre denn ans Herz gewachsen?

Irby: Nein, ich habe eher eine Bindung zu den Kindern, die ich über die Jahre unterrichtet habe.

SPIEGEL ONLINE: Wie ist es für Sie, nach 40 Jahren im Ruhestand zu sein, fühlt sich das hart an?

Irby: Nein, ich kümmere mich um meine Eltern und habe drei Enkel. Außerdem wollen meine Frau, die ich in meinem ersten Jahr als Lehrer kennengelernt habe, und ich endlich mal etwas anderes machen: Eine Nichte von uns lebt in Nizza. Und wir wollen den Herbst in Kanada erleben. Wir sind beide jahrzehntelang Lehrer gewesen, wir konnten also immer nur in der Ferienzeit Urlaub machen.

SPIEGEL ONLINE: Ist der Kleidungsstil für einen Lehrer wichtig?

Irby: Für mich als Sportlehrer war es nie wichtig, es mag anders sein für Kollegen, die im Klassenraum stehen. Mein Style war ziemlich unkompliziert: Shorts, Turnschuhe, Pullover, im Winter vielleicht etwas Wärmeres. Bequeme Klamotten eben, ich will ja mit den Kindern Sport machen.

SPIEGEL ONLINE: Das hat offenbar etwas gebracht, immerhin passt Ihnen das Hemd noch immer.

Irby: Naja, es ist schon sehr eng. Beim letzten Mal konnte ich es kaum noch zuknöpfen.

SPIEGEL ONLINE: Und was trägt der Rentner Dale Irby?

Irby: Gerade wieder ziemlich bequemes Zeug: Shorts, einen Pullover, Sandalen. Es ist ziemlich warm in Texas. Aber ich habe meine Armbanduhr abgelegt. Als Lehrer musste ich immer genau sein und die Zeit immer im Blick haben. Das ist jetzt vorbei. Heute sagt mir mein Körper, wie spät es ist.

Das Interview führte Fritz Habekuß
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