Lehrermangel in Thüringen Warum Grundschüler eine Viertagewoche haben

Neun Lehrer für 160 Schüler - und vier davon krank: Eine Grundschule in Thüringen weiß sich nicht anders zu helfen, als massiv Unterricht ausfallen zu lassen. Bürgermeisterin und Eltern sind wütend.
Leeres Klassenzimmer (Symbolbild)

Leeres Klassenzimmer (Symbolbild)

Foto: Christian Charisius/ dpa

Dass an vielen Grundschulen gerade im Osten Deutschlands großer Lehrermangel herrscht, ist bekannt. Doch meistens bekommen es betroffene Bildungsstätten trotzdem irgendwie hin, ihre Schüler zu unterrichten. Nicht so eine Schule in Ostthüringen.

An der Grundschule in der Gemeinde Unterwellenborn, Ortsteil Kamsdorf, ist die Personalnot in dieser Woche so groß, dass sie für ihre Schüler vorübergehend eine Viertagewoche einführen musste. Die Schule habe Klassen zusammengelegt und die Eltern informiert, dass jeweils an einem Tag für eine Klasse kein Unterricht stattfinden könne, heißt es aus dem Bildungsministerium in Erfurt.

An der Schule unterrichten regulär elf Lehrkräfte, von denen allerdings zwei längerfristig ausfallen, unter anderem wegen Elternzeit. "Seit Anfang Januar sind zwei der neun Lehrkräfte erkrankt, seit dieser Woche leider zwei weitere", sagte eine Ministeriumssprecherin. Deshalb hätten in dieser Woche für die acht Klassen nur noch fünf Lehrer zur Verfügung gestanden.

Die "Ostthüringer Zeitung" berichtete zuerst über den Fall . Demnach wollen mehrere Eltern nun mit Aktionen wie einer Unterschriftenliste auf die Notlage an ihrer Schule aufmerksam machen. Den Eltern "platzt die Hutschnur", zitiert die Zeitung eine Elternvertreterin. Bürgermeisterin Andrea Wende habe einen Brandbrief ans Bildungsministerium geschickt. Der Unterrichtsausfall sei ein "Schlag ins Gesicht von berufstätigen Eltern", heißt es darin.

Der Fall zieht nun größere Kreise. Der CDU-Wahlkreisabgeordnete Maik Kowalleck teilte mit, betroffene Eltern hätten sich Anfang der Woche dort gemeldet und um Unterstützung gebeten. Auch er habe daraufhin einen Brief an den Thüringer Bildungsminister Helmut Holter geschickt und wolle sich in den kommenden Tagen auch mit einer Parlamentarischen Anfrage an die Landesregierung wenden.

Personalnot war bekannt

Die Personalnot an der Kamsdorfer Grundschule sei bereits länger bekannt gewesen, sagte Kowalleck. Generell sei der Lehrermangel an Thüringer Schulen ein Problem, das nicht auf dem Rücken der kleinen Schulen ausgetragen werden dürfe. "Ganz wichtig ist mir dabei, dass der Schulstandort nicht infrage gestellt wird."

Dass gerade kleinere Schulen auf dem Land schließen müssen, ist seit Jahren ein Problem. Gründe dafür sind jedoch in der Regel nicht die fehlenden Lehrer, sondern zwischenzeitlich oder regional stark sinkende Schülerzahlen - sowie eine Bildungspolitik, die auf zentrale, größere Schulstandorte statt den Erhalt von kleinen Schulen setzte.

Die Grundschule in Kamsdorf bekommt ihre Krise nun offenbar in den Griff. Ab Montag werde ein Lehrer, der zwischendurch an eine andere Schule abgeordnet worden war, an die Grundschule in Unterwellenborn zurückkehren, teilt das Bildungsministerium mit. Der Unterricht werde dann wieder an fünf Wochentagen stattfinden.

"Außerdem hoffen wir natürlich und gehen davon aus, dass die kurzfristig erkrankten Lehrkräfte bald wieder einsatzfähig sind und dann spätestens im Februar wieder der völlig reguläre Schulbetrieb läuft", sagte die Ministeriumssprecherin.