Tod im Internet Junge Bloggerin leidet und stirbt öffentlich

Tausende Menschen verfolgten weltweit im Internet, wie sie gegen den Tod kämpfte. Jetzt hat sie verloren: Die zwölfjährige Amerikanerin Jessica Joy Rees ist an Krebs gestorben. Die Anteilnahme im Netz ist so groß, dass ihre Web-Seite kapitulierte.
Facebook-Profil von Jessica Joy Rees: 30.000 neue Follower an einem Tag

Facebook-Profil von Jessica Joy Rees: 30.000 neue Follower an einem Tag

Zehn Monate hat sie öffentlich im Internet gegen den Tod gekämpft, jetzt ist sie gestorben: Die zwölfjährige Amerikanerin Jessica Joy Rees erlag am Donnerstag ihrem Gehirntumor. "Liebe Freunde", schrieben ihre Eltern auf Facebook, "wir haben gebetet und gebetet und gebetet, dass unsere liebe Jessie noch auf Erden geheilt wird, aber Gottes Plan war es, sie dafür in den Himmel zu holen."

Im März vergangenen Jahres erfuhr Jessica von ihrem Gehirntumor, Operation unmöglich. Im September entdeckten Ärzte einen zweiten Tumor. Bestrahlung und Chemotherapie folgten - und Jessica ließ die Welt auf ihrer Webseite  und auf Facebook  daran teilhaben, was sie erlebte, dachte, fühlte.

"Chemo Tag…", schrieb sie im November auf Facebook. "Bete heute für keinen Schmerz. Letztes Mal hat es so wehgetan." Sie sei müde, schrieb sie im Dezember. "Langer Tag am Pool." Am Mittwoch veröffentlichte sie einen Brief von George W. Bush: "Bleibe stark", schrieb der frühere US-Präsident. "Wow", schrieb Jessica. Gleichzeitig postete sie Bilder von anderen Kindern, die an Krebs erkrankt sind und bat, auch an sie zu denken.

Heimat der Traurigen

Meist unterzeichnete sie ihre Nachrichten mit "NEGU, Jessie". Never ever give up. Später gründete sie mit ihren Eltern die "Negu"-Stiftung. Sie wollten so die Aufmerksamkeit auf Kinder lenken, die an Krebs erkrankt sind, Betroffene unterstützen und Spenden sammeln.

Seit Jessicas Tod hat sich die Anzahl derjenigen, die ihr auf Facebook folgen, auf über 60.000 verdoppelt. Tausende Nutzer reagierten auf die Todesnachricht, jede Minute erscheint eine neue Beileidsbekundung auf der Pinnwand, ihre Webseite ist vorübergehend nicht erreichbar, zu groß ist der Andrang.

Ende vergangenen Jahres bekam ein anderer amerikanischer Teenager im Internet extrem viel Aufmerksamkeit: Benjamin Breedlove, 18, hatte am 18. Dezember zwei Videos bei YouTube  gepostet, in denen er kein Wort sagte. Er litt seit seiner Geburt an einer Herzkrankheit. In den Videos erzählte er seine Leidensgeschichte und Gedanken mit Hilfe kleiner Karten, die er in die Kamera hielt. Wenige Tage später starb er. Seine Videos wurden zum Online-Vermächtnis, insgesamt wurden sie schon fast zehn Millionen mal aufgerufen.

Am Mittwoch wird Jessica beerdigt. Auch für den Gottesdienst wollen die Eltern ihre Unterstützer aus dem Internet einbinden: "Ich würde sehr gern einige eurer Gedanken einbinden", schrieb Vater Erik auf Facebook.

fln/AP
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