Todesdrohung Mehlkofferbomber zu Arrest verurteilt

"Tick, Tick, Tick, die Zeit läuft" - aus Prüfungsangst drohte ein 19-jähriger Berliner, seine Schule in die Luft zu sprengen, doch im Bombenkoffer war nur Mehl. Für die Drohung mit der Attrappe erhielt der Schüler jetzt eine Arreststrafe.


Berlin - Von einem Berliner Jugendrichter wurde der Jugendliche zu einer Woche Arrest und 60 Stunden Freizeitarbeit verurteilt. Am 13. Dezember 2006 hatte er einen Rollkoffer vor dem Eingang des Oberstufenzentrums im Berliner Stadtteil Moabit abgestellt. Daran klebte ein Zettel mit der Aufschrift "Tick, Tick, Tick - die Zeit läuft" und dem Hinweis, dass die gesamte Ausbildungsstätte samt Schülern und Lehrern in die Luft fliege, wenn das Gepäckstück geöffnet werde. Als Begründung schrieb der Täter, seine berufliche Karriere sei ruiniert.

Gegen 7.30 Uhr entdeckte ein Hausmeister den Koffer. Der Schulleiter löste Feueralarm aus, um die rund 50 schon anwesenden Schüler aus dem Gebäude zu treiben. Die Polizei rückte mit 100 Beamten an, der Verkehr musste umgeleitet werden. Der Fund legte den Schulbetrieb am Oberstufenzentrum, in Banken und Versicherungen für über zwei Stunden lahm.

Anderthalb Stunden nach dem Fund öffneten Sprengstoffexperten den Koffer mit einem Wassergewehr. Sie stellten fest: Bei der vermeintlichen Bombe handelte es sich um eine Attrappe. Im Koffer befand sich nur Mehl. Die Ermittler brauchten fünf Monate, bis sie dem Schüler auf die Schliche kamen. Der gab als Motiv später an, dass er die Klausur an diesem Tag verhindern wollte.

Im Prozess wurde dem Schüler nun "Störung des öffentlichen Friedens" durch Drohung mit Mord vorgeworfen. Außer ihm musste sich noch eine Mitschülerin vor Gericht verantworten. Beide Angeklagte gestanden die Tat, sagte Justizsprecherin Iris Berger. Die 17-Jährige bekam keine Arreststrafe, ihr wurden 30 Stunden Freizeitarbeit aufgebrummt. Bei dem Prozess schloss das Gericht die Öffentlichkeit aus. Das Verfahren gegen einen dritten Jugendlichen wurde abgetrennt. Der 19-Jährige leistet zur Zeit seinen Wehrdienst ab. Der Prozess gegen ihn soll später geführt werden.

kat/dpa



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