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30. Mai 2002, 14:06 Uhr

Trendwende

Wieder größeres Interesse am Studium

Nachdem Abiturienten jahrelang einen Bogen um die Hochschulen machten, entschied sich im vergangenen Jahr immerhin knapp jeder dritte eines Altersjahrgangs für ein Studium. Durch den Aufwärtstrend sieht die Bundesregierung ihren Reformkurs bestätigt.

Bildungsministerin Bulmahn: Froh über den Aufwärtstrend
DDP

Bildungsministerin Bulmahn: Froh über den Aufwärtstrend

Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) ist begeistert: Im vergangenen Jahr haben sich 32 Prozent der jungen Menschen eines Altersjahrgangs für ein Studienfach eingeschrieben, vier Jahre zuvor waren es lediglich 28 Prozent. Bulmahn sieht darin einen "klaren Erfolg" der Verbesserungen beim Bafög und der Studienreform. "Wir müssen auf diesem Weg weitergehen, weil es in Zukunft immer weniger Jobs für schlecht qualifizierte Menschen gibt, der Arbeitsmarkt zugleich aber nach immer mehr Hochschulabsolventen ruft", sagte Bulmahn am Mittwoch.

Bulmahn zufolge belegten die Zahlen, wie dringend notwendig die Bafög-Reform gewesen sei. Nach Angaben des Deutschen Studentenwerkes sei die Zahl der Bafög-Anträge im vergangenen Jahr deutlich gestiegen: in den alten Bundesländern um 20 Prozent, in den neuen Bundesländern sogar um 27 Prozent. "Auch junge Menschen aus einfachen Verhältnissen können ein Studium meistern, wenn sie ausreichend Unterstützung finden", so Bulmahn.

Abiturienten: Mit der Vorbereitung auf das Studium unzufrieden
Institut der deutschen Wirtschaft

Abiturienten: Mit der Vorbereitung auf das Studium unzufrieden

Trotzdem liegt Deutschland im internationalen Vergleich noch immer weit hinter anderen Industriestaaten zurück. Dort studieren im Schnitt 40 Prozent eines Jahrgangs; die USA, Japan, Großbritannien und die Niederlande übetreffen diese Quote sogar deutlich. Nach der jüngsten, von der OECD veröffentlichten Übersicht nehmen Finnland und Schweden mit 60 Prozent die unangefochtene Spitzenstellung ein.

In Deutschland gibt es dagegen erheblich weniger Abiturienten als in anderen Industriestaaten. Zudem verzichtete Mitte der neunziger Jahre fast jeder vierte Abiturient auf ein Studium. Das war vor 25 Jahren noch ganz anders: Damals war für 90 Prozent der Gymnasiums-Abgänger Studieren selbstverständlich.

Zusätzlich zur Bafög-Förderung habe der Bund auch die Stipendien für Hochbegabte und deutsche Studierende im Ausland erweitert, sagte Bulmahn. So stieg die Zahl der geförderten Studierenden um 19 Prozent von knapp 245.000 im Jahr 1998 auf über 290.000 in diesem Jahr. Die Quote der geförderten Nachwuchswissenschaftler und Doktoranden stieg um 25 Prozent auf 44.000.

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