Trickfilm zur Reaktorkatastrophe Größter anzunehmender Durchfall

Fukushima hat Pups gemacht: Ein japanischer Trickfilm erklärt Kindern die Reaktorkatastrophe als Flatulenz-Problem. Nuclear-Boy hat Blähungen, in seiner Umgebung riecht es schon ein bisschen. Aber keine Angst, die Ärzte kümmern sich, damit er nicht ganz groß muss.
Trickfilmszene: Nuklearer Magenkrampf

Trickfilmszene: Nuklearer Magenkrampf

Dem kleinen Nuclear-Boy tut der Bauch weh, ganz schrecklich zwickt es seit dem Erdbeben. Er hat gepupt, das riecht man auch ein bisschen, wenn man in seiner Nähe ist. Wenn er jetzt auch noch kackte, würde das allen den Tag versauen, denn der Gestank von Nuclear-Boys Häufchen ist berüchtigt. Deswegen bekommt er Medizin, mit Bor versetztes Wasser. Und ganz wichtig: Nuclear-Boy braucht es kühl, dann wird alles gut.

Schlimmer war es bei Tschernobyl-Boy vor langer Zeit, der musste ganz groß, litt an Diarrhö, überall stank es - der größte anzunehmende Durchfall. Bei Thre-Mile-Boy in Amerika war es nicht ganz so schlimm, der musste nur pupen, es stank ein bisschen.

So erklärt ein japanischer Trickfilm Kindern die Reaktorkatastrophe von Fukushima - als Flatulenz-Problem. Vor rosafarbenem Hintergrund behandeln Ärzte den blähenden Nuclear-Boy; sie kümmern sich gut, das ist die Botschaft. Und wer weiter weg wohnt, wird von dem Gestank kaum etwas mitbekommen. Gezeichnet hat den Film der Medienkünstler Kazuhiko Hachiya, gezeigt wurde er vom öffentlich-rechtlichen Sender NHK, bei YouTube wurde die Version mit englischen Untertiteln mehr als 1,2 Millionen Mal angeklickt.

Während am Reaktor die Strahlung in der wirklichen Welt steigt, verkrampft sich im Trickfilm zu Banjo-Musik der Bauch von Nuclear-Boy; der Gestank wird regelmäßig gemessen und alle kümmern sich, damit nicht das Schlimmste eintritt: das Entweichen kontaminierter Ausscheidungen aus der Windel. Aber selbst das hätte lediglich zur Folge, dass die Menschen aus der Gegend umziehen müssten und die Umwelt ein bisschen was abbekommt. Um das zu verhindern, wird aber alles Menschenmögliche getan. Viereinhalb-Minuten Nuklearkunde für die Kleinen.

Der Film zeigt, wie sehr sich der Blick der Japaner auf das Unglück unterscheidet - zum Beispiel von der deutschen Perspektive. So hat etwa der seit 30 Jahren in Japan lebende Amerikaner Daniel Kahl einen Aufruf an die westlichen Medien ins Netz gestellt, weniger hysterisch zu berichten. Die Japaner würden die ausländische Berichterstattung wahrnehmen und sich nur noch mehr fürchten. Auch das japanische Fernsehen ist zwischenzeitlich zum normalen Programm zurückgekehrt und hat weniger Sondersendungen zur Katastrophe gezeigt.

Im Trickfilm beten sie am Ende dafür, dass Nuclear-Boy nicht doch noch Durchfall bekommt. Das könne jeder tun, schon aus Dankbarkeit für all die Energie, die Nuclear-Boy jahrelang lieferte. Keine Sorge, heißt es, dem Reaktorchen gehe es mit jedem Tag besser, ganz bestimmt.

otr
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