Turbo-Abi in Bayern Ein bisschen G9 für jeden vierten Schüler

In Bayern soll im nächsten Jahr das Lernen wieder entspannter werden. 32 Schulen werden das freiwillige Abitur nach neun Jahren testen. Gelten soll die Gymnasialreform allerdings nur für ein Viertel der Schüler.

Mit einem Volksbegehren waren G9-Gegner in Bayern gescheitert. Nun wird das Turbo-Abi etwas aufgeweicht
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Mit einem Volksbegehren waren G9-Gegner in Bayern gescheitert. Nun wird das Turbo-Abi etwas aufgeweicht


Zehn Jahre lang war in Bayern das "Turbo-Abi" verpflichtend, ab nächstem Jahr soll das Abitur nach neun Jahren auch wieder möglich sein - allerdings nur an einigen Schulen und auch dort nicht für alle Schüler. Mittelstufe Plus nennt Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) das Konzept, das die Lernzeit nach Bedarf um ein Jahr ausdehnt. Nun sind erste Details bekannt geworden, wie der Freistaat das Modell umsetzen will.

Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" ("SZ") sollen Schüler den Stoff der achten, neunten und zehnten Klasse in vier statt drei Jahren lernen können. Dafür soll nach der neunten Klasse ein Zusatzjahr eingeschoben werden, in das die Nebenfächer der Vorjahre ausgegliedert werden. Dadurch könnten sich die Schüler zunächst drei Jahre auf Kernfächer wie Deutsch, Mathematik oder Fremdsprachen konzentrieren.

32 Schulen sollen dieses Modell ab dem kommenden Schuljahr zwei Jahre lang testen, bis Februar 2015 soll feststehen, welche Schulen G9-Züge ausprobieren dürfen. Schon jetzt hätten weit mehr als 32 Gymnasien Interesse bekundet. Für diese Umstrukturierung stehe allerdings kein zusätzliches Geld zur Verfügung. Das habe der Ministerrat in seiner Sitzung am Dienstag beschlossen, berichtet das Blatt.

Aus einem internen Papier gehe außerdem hervor, dass maximal 25 Prozent der Schüler die Mittelstufe Plus besuchen dürfen. Ein Rechtsanspruch oder Wahlfreiheit soll es nicht geben. Wie genau die Schüler für den G9-Versuch ausgewählt werden, ist unklar. Laut "SZ" wird eine "Auswahl unter Abwägung der pädagogischen Aspekte" getroffen.

Dauer der Gymnasialzeit: Acht Jahre? Neun Jahre? Oder beides?

Stand: Juni 2016

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Brandneu ist die Idee, bei Bedarf die Mittelstufe auszudehnen, nicht. Schon jetzt können Schüler in Bayern die achte oder neunte Klasse in Teiljahrgangsstufen absolvieren, also den Stoff dieser Stufen auf zwei Jahre verteilen.

cpa

insgesamt 14 Beiträge
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Seite 1
leonardo-contra-pisa 19.11.2014
1. Flickschusterei
Das gleiche hilflose Gehampel wie in NRW. Nur Flickschusterei. Anstatt den Fehler zuzugeben und zurück zu G9 zu gehen doktert man experimentell herum (Bayern) oder behilft sich mit nutzlosen "Empfehlungen" wie in NRW. http://www.schulministerium.nrw.de/docs/Schulsystem/Schulformen/Gymnasium/G8G9/Kontext/Empfehlungen_Runder_Tisch_03_11_2014.pdf die dazu führen, dass die Kinder noch weniger lernen und üben. Entscheidend ist, dass es nichts kosten darf, wie es auch hier im Artikel steht. Bei NRW kann man das verstehen, das Land steht vor dem Staatsbankrott. Aber bei Bayern?
lyssi 19.11.2014
2. Vokabelpause?
ach und in diesem zusätzlichen Jahr ruhen dann die Hauptfächer?? D.h. die Vokabeln und die Mathepraxis diffundieren langsam wieder aus dem Gehirn in dieser langen Zeit? Super Idee Herr Spaenle & Co, man merkt Sie sind ganz nah dran am Alltag und entscheiden ach so sinnvoll. Wofür gehen Steuergelder an Fachmenschen, wenn Sie doch nur das gescheiterte Flexi Jahr neu verpacken wollen. Es ist so traurig, was da verzapft wird.
hman2 19.11.2014
3. Wenn es doch nur traurig wäre
---Zitat--- Es ist so traurig, was da verzapft wird. ---Zitatende--- Es ist kriminell, wie sich hier einige alte Herren an der Zukunft unserer Jugend (und damit an der unseres Landes!) versündigen... Jedes Jahr eine neue "Reform". Unfassbar!
sudpol 19.11.2014
4. Man merkt...
wer in Bayern die Bildungspolitik macht ! Die CSU ! Wirtschaftsnahe Leute die eben dieser gerade nach dem Mund reden !
Immanuel_Goldstein 19.11.2014
5.
Zitat von sudpolwer in Bayern die Bildungspolitik macht ! Die CSU ! Wirtschaftsnahe Leute die eben dieser gerade nach dem Mund reden !
Die bayerische Wirtschaft jammert tatsächlich die Ohren voll, dass vom bayerischen Gymnasium nur noch unreife Bulemiker kommen, die rein gar nichts mehr wissen.
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