Niedersachsen Ab Herbst machen Schüler wieder Abi in 13 Jahren

Niedersachsen verabschiedet sich vom Turbo-Abi: Nach den Sommerferien haben Gymnasiasten und Gesamtschüler nun wieder ein Jahr mehr Zeit, um ihre Reifeprüfung zu absolvieren.

Abi-Prüfung in Hannover: "Weniger Stress"
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Abi-Prüfung in Hannover: "Weniger Stress"


Mit dem Beschluss ist das Ende des Turbo-Abiturs in Niedersachsen nun offiziell besiegelt. SPD und Grüne haben am Mittwoch im Landtag in Hannover die entsprechende Novelle des Schulgesetzes beschlossen. Damit haben Schüler an Gymnasien und Gesamtschulen nach den Sommerferien wieder 13 Jahre Zeit, um ihr Abitur zu machen. Ausnahmen kann es für leistungsstärkere Schüler geben.

Die schwarz-gelbe Opposition hatte gegen die Reform der Reform votiert. CDU und FDP hatten das sogenannte Turbo-Abitur im Schuljahr 2004/2005 in ihrer Regierungszeit eingeführt - 2011 hatten die ersten Turbo-Abiturienten ihre Prüfungen abgelegt. Wie auch in anderen Bundesländern gab es viel Kritik für die nach und nach eingeführte verkürzte Schulzeit.

Bereits im März vergangenen Jahres hatte Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) daraufhin erste Details für das "neue moderne Abitur nach 13 Jahren" vorgestellt. Im Mittelpunkt der Reform stünden "Entlastungen, weniger Stress und eine bessere Förderung von Schülerinnen und Schülern", teilte die Ministerin damals mit.

Die Schüler in der Oberstufe müssen nun nicht mehr 36, sondern 32 Kurse verpflichtend belegen. Auch die Zahl der Pflichtstunden pro Woche wurde auf maximal 30 gesenkt.

Die Rückkehr zum verlängerten Abitur kostet die Kommunen in Niedersachsen offenbar 35 Millionen Euro, wie der NDR berichtet. Städte wie Wolfsburg, Buxtehude, Osnabrück müssten mit teuren Umbauten rechnen, um genügend Klassenräume zur Verfügung stellen zu können.

Auch andernorts gab es immer wieder Proteste gegen das schnelle Abitur, in Hamburg und Bayern scheiterten 2014 allerdings Initiativen, die per Volksentscheid die Wahlfreiheit zwischen acht und neun Schuljahren nach der Grundschule ermöglichen wollten. Im Freistaat sollen Gymnasien nun eine "Mittelstufe Plus" erproben.

In Nordrhein-Westfalen lehnten vom Bildungsministerium eingesetzte Expertenrunden die Rückkehr zum Abitur nach 13 Jahren ab und empfahlen stattdessen beim kürzeren Abitur nachzubessern. So sollen etwa Klassenfahrten, Hausaufgaben und Nachmittagsunterricht begrenzt werden. Optionale G-9-Züge gibt es zudem in Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein.

Im Saarland plädierte die Landesschülervertretung dagegen, "das ganze System wieder auf den Kopf zu stellen". In Brandenburg bleibt es bei der Wahlfreiheit, das Abitur nach 12 oder 13 Schuljahren abzulegen.

kha/dpa

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1besserwisser1 03.06.2015
1.
Ich bin froh in Brandenburg 12 Jahre Abi machen zu können. Trotz etwas verplanter Lehrpläne ist das Abi angenehm entspannt. Und 13 Abi löst das Problem Faulheit auch nicht. Und die Schüler sollten endlich gegen die Eltern rebellieren. Immerhin schenkt uns der Staat ein Jahr unseres Lebens. Er erspart uns ein Jahr Schule.
widower+2 03.06.2015
2. Es kommt alles wieder
Mit dem neuen Schulgesetz hat Niedersachsen jetzt eine Regelung, die vor 36 Jahren schon mal in Bremen galt: G9 mit der Möglichkeit eines schnelleren Abiturs für leistungsstarke Schüler.
hello_again 03.06.2015
3. von 13 auf 12 und zurück?
Kann meinem Vorredner 1besserwisser1 in #1 nur zustimmen. In 12 Jahren bin ich in Sachsen zu meinem Abi gekommen. Das funktionierte wunderbar, trotz 1h Busfahrt pro Weg. Durch meine weiteren Aufenthalte in verschiedenen Regionen Deutschlands und Studium konnte ich einen subjektiven Eindruck gewinnen, was Schüler in der 11. Klasse taten. Ein Zitat ist mir besonders im Gehör geblieben: "Ich habe noch nie so viel gesoffen und gefeiert, wie in der 11. Die Noten bedeuten nichts. Fürs Abi zählen nur 12 und 13." Das mag für den Moment schön sein, aber ein Jahr selbstbestimmt, als ein Jahr in der Schule zu hocken, ist sicher mehr wert. Für Eltern unterhalb der Mittelschicht ist 1 Jahr weniger Kinderfinanzierung auch eine große Erleichterung. Das Einschulungsalter sollte auch auf mind. 6 festgelegt werden. Dann kommen auch keine Minderjährigen auf die Unis. Diese Rolle rückwärts versteh ich nicht. Die Entscheidung für eine Verkürzung ist richtig. Die Umsetzung fehlerhaft. Wie beim Bachelor. Das ist eine andere Baustelle...
gandalfderdumme 03.06.2015
4. blinder Wahnsinn
Leider hat man vollkommen vergessen, dass Schulen die Dummen sind, die nun die Auswirkungen des Wahlkampfes zu schmecken bekommen. In vielen Bereichen wissen die Schulen noch nicht mal, was sie in den 9 Jahren wann wem beibringen sollen - man hat ja im Ministerium nicht mal die Planungen fertig. Aber ist ok, die Schulen fangen erstmal an, der Rest ergibt sich in den kommenden Jahren. Vermutlich wird bald noch das Abitur verschenkt, damit man an die Regierung kommt....;)
fatherted98 03.06.2015
5. Unfaehige....
...Politiker die seit Jahrzehnten in der Schulpolitik pfuschen...ich kann mich noch an die Mengelehre in der 1. Klasse im Jahrgang 72 erinnern....das wurde auch ganz schnell wieder abgeschafft..weil total unnoetig und bloedsinnig. Jetzt die Rueckkehr zu G9...richtig so...fehlt nur noch die Rueckkehr zur alten Rechtschreibung...
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