Umfrage unter Schülern Gymnasien vermitteln politische Bildung besser als Berufsschulen

Wie viel lernen Schüler über Politik im Unterricht? Dieser Frage sind zwei Berliner Forscherinnen nachgegangen. Ihr Fazit: An Gymnasien läuft es besser.
Foto: Sebastian Kahnert/ picture alliance / dpa

Die politische Bildung hat an vielen deutschen Schulen einen geringen Stellenwert. Zu diesem Schluss kam ein Forscherteam der Uni Bielefeld bereits Anfang 2018 in einer Studie. Besonders schlecht sah es in Bayern und Thüringen aus. In diesem Frühjahr bestätigten die Wissenschaftler ihren Befund. "Die Situation der politischen Bildung an den Schulen hat sich nicht verbessert", schrieben sie im März  .

Nun hat die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung eine Umfrage unter 3400 Schülerinnen und Schülern zum selben Thema durchführen lassen. Das Fazit: Politische Bildung wird tendenziell häufiger und qualitativ besser an Gymnasien unterrichtet als an beruflichen Schulen. "Das System Schule ermöglicht den sozial und kulturell benachteiligten Schülerinnen und Schülern keinen gleichberechtigten Zugang zur politischen Bildung", kritisieren die Autorinnen in einem Paper, das die Stiftung am Dienstag veröffentlichte.

"Vor allem die Schülerinnen und Schüler an den Gymnasien, welche häufiger aus bildungsnahen Elternhäusern kommen, über ein höheres kulturelles und oft auch soziales Kapital verfügen, profitieren nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ von den hochwertigeren Angeboten der politischen Bildung", begründen sie ihre Kritik.

Die Forscherinnen Sabine Achour und Susanne Wagner vom Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft an der Freien Universität Berlin führten die Studie durch, die im Sommer erscheinen soll.

Sie ist nicht repräsentativ, weil die Befragten über die vorhandenen Netzwerke der Landesbüros der Friedrich-Ebert-Stiftung und des Arbeitsbereiches Politikdidaktik der FU Berlin akquiriert wurden. Es könne deshalb davon ausgegangen werden, dass vor allem Lehrkräfte mit ihren Klassen teilgenommen hätten, die sich ohnehin für politische Bildung engagierten. Trotzdem seien die Erkenntnisse "aufschlussreich", heißt es im Paper.

99 Schulen beteiligten sich an der Umfrage. Schüler der Klassen 9 bis 13 an Gymnasien, sonstigen allgemeinbildenden Schulen, beruflichen Gymnasien sowie Berufs- und Berufsfachschulen beantworteten dafür einen Fragebogen.

An Gymnasien werde der Politikunterricht seltener als langweilig, oberflächlich oder kompliziert wahrgenommen, schreiben die Forscherinnen. Außerdem erhalte dort gut die Hälfte der Schüler in den Klassen neun und zehn Unterricht in politischer Bildung als eigenständiges Fach. An den sonstigen allgemeinbildenden Schulen seien es nur gut vier von zehn Schüler.

lov

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