Umfrage unter Schülern Gymnasien vermitteln politische Bildung besser als Berufsschulen

Wie viel lernen Schüler über Politik im Unterricht? Dieser Frage sind zwei Berliner Forscherinnen nachgegangen. Ihr Fazit: An Gymnasien läuft es besser.

DPA

Die politische Bildung hat an vielen deutschen Schulen einen geringen Stellenwert. Zu diesem Schluss kam ein Forscherteam der Uni Bielefeld bereits Anfang 2018 in einer Studie. Besonders schlecht sah es in Bayern und Thüringen aus. In diesem Frühjahr bestätigten die Wissenschaftler ihren Befund. "Die Situation der politischen Bildung an den Schulen hat sich nicht verbessert", schrieben sie im März .

Nun hat die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung eine Umfrage unter 3400 Schülerinnen und Schülern zum selben Thema durchführen lassen. Das Fazit: Politische Bildung wird tendenziell häufiger und qualitativ besser an Gymnasien unterrichtet als an beruflichen Schulen. "Das System Schule ermöglicht den sozial und kulturell benachteiligten Schülerinnen und Schülern keinen gleichberechtigten Zugang zur politischen Bildung", kritisieren die Autorinnen in einem Paper, das die Stiftung am Dienstag veröffentlichte.

"Vor allem die Schülerinnen und Schüler an den Gymnasien, welche häufiger aus bildungsnahen Elternhäusern kommen, über ein höheres kulturelles und oft auch soziales Kapital verfügen, profitieren nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ von den hochwertigeren Angeboten der politischen Bildung", begründen sie ihre Kritik.

Die Forscherinnen Sabine Achour und Susanne Wagner vom Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft an der Freien Universität Berlin führten die Studie durch, die im Sommer erscheinen soll.

Sie ist nicht repräsentativ, weil die Befragten über die vorhandenen Netzwerke der Landesbüros der Friedrich-Ebert-Stiftung und des Arbeitsbereiches Politikdidaktik der FU Berlin akquiriert wurden. Es könne deshalb davon ausgegangen werden, dass vor allem Lehrkräfte mit ihren Klassen teilgenommen hätten, die sich ohnehin für politische Bildung engagierten. Trotzdem seien die Erkenntnisse "aufschlussreich", heißt es im Paper.

99 Schulen beteiligten sich an der Umfrage. Schüler der Klassen 9 bis 13 an Gymnasien, sonstigen allgemeinbildenden Schulen, beruflichen Gymnasien sowie Berufs- und Berufsfachschulen beantworteten dafür einen Fragebogen.

An Gymnasien werde der Politikunterricht seltener als langweilig, oberflächlich oder kompliziert wahrgenommen, schreiben die Forscherinnen. Außerdem erhalte dort gut die Hälfte der Schüler in den Klassen neun und zehn Unterricht in politischer Bildung als eigenständiges Fach. An den sonstigen allgemeinbildenden Schulen seien es nur gut vier von zehn Schüler.

lov

insgesamt 16 Beiträge
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hileute 04.06.2019
1. Besonders schlecht in Bayern?
Da kann ja was nicht stimmen. Aber davon mal abgesehen hatte ich, Abi 17 NRW, auch nicht den Eindruck dass ich viel über Politik gelernt hab in der schule, klar Organe EU/D wie sich das zusammensetzt und so aber nichts wirklich weiter über Parteien etc. Da hat nur gesundes intresse (und die sucht nach der täglichen Dosis Comedy) geholfen dass ich stand heute behaupten würde dass ich überdurchschnittlich viel über Politik weiß
DietrichHorstmann 04.06.2019
2. In Berufsschulen fällt Politik oft aus
Für Azubis findet Politikunterricht sehr oft gar nicht statt. Die Arbeitgeber finden ihn zumeist überflüssig, wollen den zweiten BS-Tag möglichst zurückdrängen. Also ein ungeliebtes Stiefkind. Auch bei Jugendlichen, weil sie in erster Linie die spezielle Ausbildung im Auge haben. Ein Vergleich also der mehr als hingt, weil der Umfang des Faches im Stundenplan einen völlig anderen Stellenwert haben.
norobato 04.06.2019
3. Gymnasium und Berufsfachschule??
Wie kann man denn so was vergleichen, das ist doch völlig absurd. In den Berufsfachschulen gibt es keine 13 Klassen, wie soll da die gleiche Qualität im Politikunterricht entstehen, ist doch unmöglich. Außerdem, meine Erfahrung mit der Berufsfachschule (und auch Fachschule) Sozialpädagogik, die Schûlerinnen und Schüler wollen ihren Beruf als Sozialpädagogische Assistent/in oder Erzieher/in lernen, darauf liegt ihr Schwerpunkt, nicht auf Politik. Wir vergleichen ja auch nicht den Mathematik-Unterricht im Gymnasium mit dem in Berufsschulen jeglicher Art, das wäre in den meisten Fällen genau so unsinnig.
manicmecanic 04.06.2019
4. Vergleich daneben
Keine Ahnung wie man auf den seltsamen Vergleich kommt.Ich war auf allen Schularten der BRD bis auf Realschule.Schon da waren große Unterschiede im Unterricht.Nachdem ich vom Gymnasium gemobbt wurde war ich dann zwangsläufig als letzte auf einer Berufsschule.Auf Berufsschulen sind doch alle nicht fachbezogenen Fächer totale Nebensache.Und das ist meiner Meinung nach auch noch reiner Unsinn denn die eigentliche Bildung in allem anderen als berufsspezifischem Stoff hatte man doch vorher.Den besten politischen Unterricht hatte ich ausgerechnet in der grundgesetzbrechenden Bundeswehr.
egonv 04.06.2019
5.
Das sollte kann schon vergleichen können, da beides oft die letzte schulische Station ist. Man darf aber nicht unterschlagen, dass sich Gymnasiasten, noch dazu aus bildungsnahem Haushalt, generell leichter für vieles begeistern lassen. Das liegt in der Natur der einzelnen Menschen...leider. Aber ja, ich kann völlig zustimmen Politik kommt meistens zu kurz. Dabei wird meistens unter Politik auch Wirtschaft, Recht und Soziologie unterrichtet. Nur einige Beispiele: In Hessen müssen Abiturienten Religion (auf Wunsch Ethik) bis zum Ende der 13. Klasse belegen, Politik dürfen sie nach der 12. Klasse abwählen. Berufliche Gymnasien dürfen/sollen Politik in der 12. und 13. Klasse statt drei nur zwei Stunden pro Woche unterrichten. Lesitungskurse in Politik gibt es in Beruflichen Gymnasien generell nicht zur Auswahl, in allgrmeinbilden Gymnasien je nach Größe der Schule glücklicherweise schon. Ich könnte noch mehr Benachteiligungen für das Fach aufzählen...ohja, es heißt in jedem Bundesland anders und hat zum Teil große inhaltliche Unterschiede. Oft werden Inhalte wie "eigener Berufswunsch" zweckentfremden in den Politikunterricht geschoben. Noch eines, dann ist erstmal gut: In Schulformen abseits des Gymnasiums und des beruflichen Gymnasiums - also alle anderen Teile der Berufsschule, Real- und Hauptschulen - wird Politik i.d.R. fast gar nicht von ausgebildeten Politiklehkräften unterrichtet, sondern vom Klassenlehrer, auch wenn der Mathe und Sport studiert hat.
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