Umfrage zur Gymnasialdauer Hamburger Schüler finden Turbo-Abi gut zu schaffen

Ist das Turbo-Abi wirklich schlimm? Zwei Drittel der Hamburger Oberstufenschüler halten ihr Lernpensum für zu schaffen. Derweil sorgen G9-Spekulationen in mehreren Bundesländern für Wirbel: In Niedersachsen droht 2022 ein Jahr ganz ohne Abiturienten.
G8-Klasse in Bayern: Das Turbo-Abi stresst Eltern und Schüler unterschiedlich stark

G8-Klasse in Bayern: Das Turbo-Abi stresst Eltern und Schüler unterschiedlich stark

Foto: Armin Weigel/ picture alliance / dpa

Mit Hausaufgaben vollgestopfte Nachmittage, kaum mehr Freizeit, genervte Familien - das Turbo-Abi hat einen katastrophalen Ruf. In Umfragen sind konstant etwa drei Viertel der Eltern für eine längere Gymnasialzeit.

Von Schülern wird eine Rücknahme offenbar nicht ganz so vehement gefordert. Laut einer aktuellen Umfrage der Jungen Union Hamburg gibt es kein eindeutiges Stimmungsbild unter den befragten Schülern. Zwei Drittel der befragten Oberstufenschüler sagte, dass das Abitur nach achtjähriger Gymnasialzeit aus ihrer Sicht "gut zu schaffen" sei. Eine Mehrheit der Befragten fand allerdings, ihr Schulalltag sei "zu stressig" (50,6 Prozent). Gut die Hälfte gab an, zu einer neunjährigen Gymnasialzeit zurückkehren zu wollen.

Andere Probleme finden die Schüler allerdings deutlich dringlicher: Größtes Problem an den Hamburger Gymnasien ist aus Schülersicht die fehlende Qualität des Unterrichts. Ein Drittel kritisierte außerdem die Inhalte der Lehrpläne. Das Thema G8/G9 fand nur jeder fünfte Befragte am dringlichsten. Mehrfachnennungen waren möglich.

Die JU hat für ihr Stimmungsbild 431 Oberstufenschüler in acht Hamburger Stadtteilen befragt. Insgesamt gibt es in der Hansestadt 12.600 Schüler in der gymnasialen Oberstufe, repräsentativ ist die Erhebung nicht.

Werden 2022 die Abiturienten knapp?

Wie der SPIEGEL in seiner aktuellen Ausgabe berichtet, stehen bei einer Abschaffung des Turbo-Abis in den jeweiligen Bundesländern Jahrgänge ganz ohne Abiturienten bevor. Darauf weist die Bundesdirektorenkonferenz Gymnasien (BDK) in einem Brief an Saarlands Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) hin. Bei einer Einführung der neunjährigen Gymnasialzeit (G9) zum Schuljahr 2014/15 würden die letzten Schüler, die das achtjährige Gymnasium (G8) besuchen, im Jahr 2021 ihr Abitur machen. Die ersten G9-Schüler würden aber erst im Jahr 2023 fertig.

Die BDK riet dem Saarland von einer Rückkehr zum achtjährigen Gymnasium ab und kritisierte die niedersächsische "Rolle rückwärts". In den Kultusministerien herrsche Nervosität und Aktionismus, kritisieren die Direktoren.

Niedersachsen hatte im Februar als erstes Bundesland beschlossen, das G8 abzuschaffen und die Gymnasialzeit wieder auf neun Jahre zu verlängern. Ab dem Schuljahr 2015 sollen Gymnasien beide Wege zum Abitur anbieten. Mehrere Länder denken ebenfalls darüber nach.

  • Der Landesschülerrat in Bayern etwa fordert eine Rückkehr zu G9 mit der Möglichkeit zur Verkürzung, ein Volksbegehren wirbt für Wahlfreiheit.
  • In Hamburg starteten Eltern die Volksinitiative "G9 Jetzt", die ebenfalls Wahlfreiheit fordert.
  • In Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein gibt es optionale G9-Züge.
  • In Hessen hat die Landesregierung es Schulen und Eltern freigestellt, in der gymnasialen Unterstufe die Kinder zu einer neunjährigen Gymnasialzeit wechseln zu lassen. Dies fordern auch entsprechende Initiativen in Hamburg und Bayern. Der Wechsel für laufende Klassen ist in Hessen nur möglich, wenn genügend Eltern und Schulgremien zustimmen, bis zum Ende dieser Woche müssen sich die Schulen entschieden haben.

Es zeichnet sich ab, dass landesweit nur etwa 20 Schulen nach Ostern die fünften Klassen zu G9 wechseln lassen wollen. In Frankfurt wird es wohl nicht einmal ein Gymnasium mit Parallelangebot geben.

cpa/dpa