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Essen in der Schule: Japan hui, Deutschland pfui

Foto: Joe Raedle/ Getty Images

Uno-Bericht zum Schulessen Oft billig und ungesund

In fast allen Ländern der Welt bekommen Kinder ein Mittagessen in der Schule, zeigt ein Bericht des Welternährungsprogramms. So weit, so gut. Doch selbst den reichen Staaten - darunter auch Deutschland - fehlt oft ein Konzept. Die Schüler essen deswegen oft viel zu ungesund.

Erst die gute Nachricht: In fast allen Ländern auf der Erde bekommt zumindest ein Teil der Kinder in der Schule etwas zu essen. Trotz steigenden Lebensmittelpreisen und Wirtschaftskrisen hätten mehr als 40 Staaten ihre Verpflegung von Schulkindern in den vergangenen Jahren massiv ausgeweitet, schreiben Experten des Welternährungsprogramms (WFP) in einer Studie , die am Freitag veröffentlicht wurde. Zwischen 47 und 75 Milliarden Dollar flössen jedes Jahr weltweit in Schulmahlzeiten. Das sei eine "beeindruckend" hohe Summe, die ermögliche, dass mindestens 368 Millionen Kinder täglich in der Schule verpflegt würden.

Das WFP, eine Organisation der Vereinten Nationen, hat für die rund 120 Seiten lange Studie "State of School Feeding Worldwide" Daten aus 169 Ländern zusammengetragen. Es ist der erste globale WFP-Report zur Ernährung von Schulkindern in Industrie- und Entwicklungsländern.

Der Bericht enthält auch schlechte Nachrichten: Viele Industrienationen müssten ihre Schulspeisungsprogramme zum Beispiel dringend reformieren, weil sie Probleme wie Übergewicht und einseitige Ernährung nicht angingen. So fehle zum Beispiel den USA ein schlüssiges Konzept, wie man Schulkinder gesund verpflegen und gute Ernährung im Unterricht vermitteln könne.

Deutschland sei neben Österreich, Norwegen und der Schweiz eins der wenigen wohlhabenden Länder, die auf nationale Programme ganz verzichteten, heißt es in dem Bericht. "Wo es bei uns Schulspeisung gibt, wird zu sehr auf billiges Essen gesetzt, um es bezahlbar zu halten", monierte WFP-Deutschlandchef Ralf Südhoff. Nur sehr selten werde das Thema Ernährung im Unterricht behandelt, es gebe nur wenige Vorzeigeprojekte.

Spätestens seit Tausende Schulkinder im vergangenen Herbst an Durchfall erkrankten, steht das deutsche Schulessen wieder vielerorts in der Kritik. Eltern fordern mehr Geld, mehr Kontrollen und mehr Qualität. Mit einer systematischeren Schulspeisung ließen sich solche Probleme besser in den Griff bekommen, sagte Südhoff. Nach einem Beschluss der Kultusministerkonferenz müssen Ganztagsschulen hierzulande ein Mittagessen anbieten. Wie dieses auszusehen hat, ist allerdings nicht einheitlich geregelt. Außerdem gibt es zum Beispiel für Gymnasien mit Nachmittagsunterricht keine solche bundesweite Vorgabe.

In anderen Ländern sieht die Verpflegungssituation an den Schulen freilich noch dramatischer aus. In den rund 30 ärmsten Nationen erhält im Schnitt nicht einmal jedes fünfte Grundschulkind eine Mahlzeit in der Schule. Viele Familien können es sich deshalb nicht leisten, ihre Kinder zum Unterricht zu schicken. "Wo Schulspeisungsprogramme am dringendsten benötigt werden und am billigsten sind, erreichen sie am wenigsten Schulkinder", schreiben die Autoren der Studie. Ausnahmen sind Liberia, Haiti und Burkina Faso, wo fast alle Grundschüler in der Schule verpflegt werden.

Weitere Ergebnisse im Überblick:

  • Rund 66 Millionen Grundschulkinder gehen weltweit hungrig zur Schule. 67 Millionen können gar nicht dorthin, weil sie sich ihr Essen erarbeiten oder erbetteln müssen.
  • Die meisten Kinder profitieren in Indien (114 Millionen), Brasilien (47 Millionen) und den USA (45 Millionen) von Schulmahlzeiten.
  • Unter den Industrienationen zeigt Japan nach Einschätzung des WFP, wie gute Schulspeisung funktionieren kann: Seit 2005 wurden mehr als 4000 Ernährungsberater eingestellt, die an den Schulen unterrichten. Das Schulessen bestehe oft aus lokal produzierten Zutaten, und die Kinder lernten unter anderem in Schulküchen und Workshops, wie gute Ernährung aussieht.
  • Viele Initiativen und Projekte gebe es auch in Großbritannien, wo dieses Jahr verpflichtende Anforderungen an Schulmahlzeiten festgesetzt werden sollen. Starkoch Jamie Oliver setzt sich seit Jahren für gesünderes Kantinenessen ein. Zuletzt hatte außerdem ein schottisches Mädchen mit seinem Blog über unappetitliche Schulmahlzeiten für Schlagzeilen gesorgt.

Dabei lohnt es sich dem Bericht zufolge, in besseres Schulessen zu investieren: Jeder Dollar, der in Entwicklungsländern für Schulspeisungsprogramme ausgegeben werde, führe zu einem um drei Dollar höheren wirtschaftlichen Output. Das liege vor allem daran, dass mehr Familien ihre Kinder in die Schulen schickten, wenn deren Verpflegung dort gesichert sei, erklärte Südhoff. Und je mehr Bildung Kinder bekämen, desto besser würden sie später verdienen. Außerdem hätten gut ernährte Kinder auch weniger gesundheitliche Probleme.

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