Unesco-Bericht Eine Viertelmilliarde Kinder und Jugendliche können nicht zur Schule

Zu viele junge Menschen weltweit haben keine Chance auf Schulbildung, kritisiert die Unesco. Ihr neuer Bericht zeigt aber: Es gibt auch Fortschritte.

Bildung ist wichtig, wird aber nicht genügend gefördert - darauf können sich viele Beobachter der deutschen Bildungspolitik einigen. Betrachtet man Bildung weltweit, gilt der Satz im Extrem.

Denn 264 Millionen Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 17 Jahren gehen erst gar nicht zur Schule - sei es, weil es keine gibt, weil sie stattdessen arbeiten müssen oder weil ihr Land ein chaotisches Bildungssystem hat.

Und selbst wenn der Schulbesuch möglich ist, heißt das nicht, dass viel Bildung bei den Menschen ankommt: Nur 83 Prozent der Schüler weltweit beenden die Grundschule erfolgreich, eine höhere Sekundarschule schaffen nur 45 Prozent. Am schlechtesten sind die Chancen dafür in Niger, Burkina Faso, Burundi und im Südsudan.

Das geht aus dem aktuellen Weltbildungsbericht hervor, den die Uno-Kulturorganisation Unesco am Dienstag veröffentlicht. Die Unesco ruft die Regierungen dazu auf, mehr in ihre Bildungssysteme zu investieren. Durchschnittlich 4,7 Prozent ihres Bruttoinlandsproduktes oder 14,1 Prozent der öffentlichen Mittel geben sie derzeit für Bildung aus. Für eine qualitativ hochwertige und gerechte Bildung fehlen demzufolge weltweit jährlich weitere 39 Milliarden US-Dollar.

So verwundert es kaum, dass die Bildungssysteme im globalen Schnitt an ganz vielen Stellen nicht dem Maßstab der Unesco genügen. Auf den haben sich Regierungen weltweit verpflichtet, um bis 2030 "inklusive, chancengerechte und hochwertige Bildung sicherzustellen sowie Möglichkeiten zum lebenslangen Lernen zu fördern".

Einige wunde Punkte hebt die Organisation besonders hervor:

  • Obwohl bekannt ist, dass die Grundlagen für gute Bildung bereits im frühen Kindesalter gelegt werden, gebe es verpflichtende und kostenfreie Bildung für Kleinkinder von mindestens einem Jahr Dauer nur in 17 Prozent der Länder.
  • Auch in puncto Geschlechtergerechtigkeit zeigten sich große Unterschiede. In 66 Prozent der Länder konnte zumindest im Grundschulalter Chancengleichheit für Mädchen und Jungen festgestellt werden. In der oberen Sekundarschulbildung gelte dies nur noch für ein Viertel der Länder.
  • Dazu gehört auch, dass das Geschlechterverhältnis bei Schuldirektoren und anderen Bildungsmanagern oft schief ist. Ein Extrembeispiel ist Japan: 39 Prozent der dortigen Lehrer an unteren Sekundarschulen sind Frauen, aber nur 6 Prozent der Schulleiter. Oft sind Grundschulen Frauensache, höhere Bildungslevel aber nicht. Wie in Österreich, wo 79 Prozent der Grundschulleiter Frauen sind, aber nur 32 Prozent der Schuldirektoren in der Sekundarstufe.
  • Problematisch sei außerdem der Zugang zu Bildung unabhängig von Einkommen oder Status des Elternhauses. Generell haben die Ärmsten weltweit die geringsten Chancen auf einen höheren Schulabschluss. Die Ungleichheit ist besonders groß in Panama, Mazedonien und der Mongolei.

Immerhin verstecken sich in dem Dokument auch gute Nachrichten: Zwischen den Jahren 2000 und 2015 ist der Anteil der Erwachsenen, die nicht Lesen und Schreiben können, um 4 Prozent gefallen, bei den Jugendlichen verringerte er sich sogar um 27 Prozent. Doch damit bleibt die Zahl der Analphabeten noch immer hoch: 753 Millionen Erwachsene.

"Schulen für militärische Zwecke genutzt"

Die Unterschiede zwischen den Ländern sind hier außerdem sehr groß. In den Subsahara-Ländern Afrikas können weniger als 60 Prozent der Menschen lesen und schreiben.

Für ein hochwertiges Bildungssystem nimmt die Unesco mehrere Akteure in die Pflicht: Regierungen, Schulen, Lehrkräfte und Eltern. Walter Hirche, Vorstandsmitglied der Deutschen Unesco-Kommission, betont: "Bildungssysteme weltweit müssen mit Blick auf Chancengleichheit und Qualität gestaltet werden. Der Unesco-Weltbildungsbericht zeigt, dass wir weit davon entfernt sind."

Die Studienautoren zeigen allerdings auch auf, dass in vielen Gegenden an hochwertige Bildung kaum zu denken ist. Seit 2004, schreiben sie, nehme die Zahl von militärischen Attacken gegen Schulen zu, vor allem in Südasien, Nordafrika und im Westen Asiens. Und: "In mindestens 26 Ländern wurden zwischen 2005 und 2015 Bildungseinrichtungen von Armeen und bewaffneten Gruppen für militärische Zwecke genutzt."

lgr/mamk/AFP
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