Uni-Prüfungen in China Lehrer verkauften elektronische Schummelhilfen

Immer im Juni bangen gut zehn Millionen Schüler in China um ihre Zukunft, denn dann ist die Zeit der Hochschulprüfungen. Diesmal schlugen zwei Lehrer Kapital aus der Verzweiflung: Sie verdienten über 40.000 Euro mit Funkempfängern als Schummelhilfen.


Jedes Jahr im Juni zittern Schüler und Eltern in China drei Tage lang um ihre Zukunft. Es ist die Zeit des "Gaokao"-Tests und der Moment der Entscheidung für die 18-Jährigen im ganzen Land. Die landesweite Hochschulzugangsprüfung, eine Art chinesisches Zentralabitur, bestimmt, ob die Jugendlichen es auf eine Universität schaffen werden.

Weil das "Gaokao" vielen als wichtigste Prüfung des Lebens gilt, scheuen sich Schüler und Eltern oft nicht, dem Ergebnis ein wenig nachzuhelfen. Nun sind zwei Lehrer festgenommen worden, die aus der Verzweiflung Kapital schlugen: Sie verkauften ehrgeizigen Eltern elektronische Mogelhilfen für den "Gaokao"-Test.

Die beiden Oberschullehrer aus der Stadt Songyuan im Nordosten Chinas hatten kleine Funkempfänger für die Ohren angeboten. So wollten sie die Schüler mit den richtigen Antworten durch den Test schleusen, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua. Demnach verkauften die beiden Festgenommenen 27 Funkempfänger für 400.000 Yuan (etwa 42.000 Euro). Die Lehrer flogen dem Bericht zufolge noch vor dem Test auf, der vom 7. bis 9. Juni stattfand. Den beiden droht nun eine Gefängnisstrafe von bis zu drei Jahren.

Drastische Gegenmaßnahmen

Am Zugangstest nahmen jedes Jahr etwa zehn Millionen Schüler teil. Betrugsversuche geschehen dabei so häufig, dass die chinesischen Behörden mit strengsten Gesetzen vorzubeugen versuchen. So lagern die Examensfragen bis zum Prüfungstag versiegelt in schweren Safes, die von bewaffneten Wachen beschützt werden. Der Inhalt der Umschläge ist in China ganz offiziell ein Staatsgeheimnis. Und zum diesjährigen "Gaokao" installierten Mitarbeiter des Bildungsministeriums zudem Kameras in 60.000 Prüfungsräumen.

Um Hightech-Betrug in Zukunft zu verhindern, soll die Pekinger Behörde für Funkzulassungen bereits über drastische Gegenmaßnahmen nachdenken: Die Geräte, die die Betrüger benutzten, seien sehr klein, die kabellosen Ohrhörer hätten etwa die Größe von Sojabohnen, sagte Behördendirektor Zhu Li der Nachrichtenagentur Xinhua. Sollten derartige Betrugsversuche überhand nehmen, denke man darüber nach, auch "das gesamte Funknetz der Stadt zu stören". Das werde sich dann in der Prüfungszeit leider auch auf die regulären Nutzer kabelloser Dienste auswirken, sagte Zhu.

Das "Gaokao"-Ergebnis entscheidet darüber, ob die Jugendlichen einen Studienplatz erhalten und an welcher Hochschule sie studieren dürfen. Auf die begehrten Unis in Peking oder auf die Fudan-Universität in Shanghai schaffen es nur die Schüler mit dem besten Punktestand unter den zehn Millionen Teilnehmern - das sind jedes Jahr etwa 0,3 Prozent.

cpa/AFP



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