Unterrichtsbeginn Schüler profitieren von späterer Anfangszeit

Schulen in Seattle haben den Unterrichtsbeginn um 55 Minuten verschoben, damit die Jugendlichen länger schlafen können. Eine Studie bestätigt: Es klappt.
Müder Schüler (Symbolbild)

Müder Schüler (Symbolbild)

Foto: Corbis

Für die US-Stadt war es eine kleine Revolution: Seit gut zwei Jahren beginnt der Unterricht an allen 18 öffentlichen Highschools und an den meisten Middleschools in Seattle nicht mehr um zehn vor acht, sondern erst um viertel vor neun - mit verblüffendem Effekt.

Nicht nur die Eltern mussten von dieser Neuerung überzeugt werden. Auch der Fahrplan der Schulbusse wurde umgestellt. Und vom Sportverein bis zur Musikschule mussten sich Mitarbeiter auf neue Anfangszeiten am Nachmittag einstellen - all das in der Hoffnung, dass die Jugendlichen morgens fitter zum Unterricht erscheinen.

Die Veränderung haben sich ausgezahlt, die Schüler sind wacher. Das haben Wissenschaftler der Universität Washington und des Salk Institute for Biological Studies an einer kleinen Gruppe Schüler herausgefunden. Ihre Ergebnisse haben sie im Wissenschaftsjournal "Science Advances" veröffentlicht.

34 Minuten mehr Schlaf

"Die Studie zeigt eine signifikante Verbesserung der Schlafdauer von Schülern", sagte Studienautor Horacio de la Iglesia. Demnach schlafen die Teenager im Mittel deutlich länger, der Median erhöhte sich um 34 Minuten. Das heißt, dass die Hälfte der Schüler durch die Umstellung unter der Woche jede Nacht mindestens sieben Stunden und 24 Minuten schläft. Vor der Änderung lag der Median bei sechs Stunden und 50 Minuten pro Nacht.

Für die Studie verglichen die Wissenschaftler 14 Tage lang das Schlafverhalten von rund 90 Schülern von zwei Highschools vor und nach der Umstellung des Schulbeginns. Die Daten wurden mit Fitness-Armbändern erhoben, die die Studienteilnehmer am Handgelenk trugen. Sie erfassten alle 15 Sekunden die Aktivität der Probanden und die Lichtverhältnisse.

Demnach hat sich die Zubettgehzeit der meisten Schüler durch den späteren Schulbeginn nicht nach hinten verschoben. Das Klingeln des Weckers aber schon. Folglich bekamen sie mehr Schlaf.

Die innere Uhr von Jugendlichen tickt anders

"Bisherige Untersuchungen haben gezeigt, dass sich die innere Uhr von Jugendlichen grundlegend von denen von Erwachsenen und Kindern unterscheidet", erläuterte Co-Autor Gideon Dunster. Die veränderte Aufstehzeit entspreche eher dem Rhythmus von Teenagern.

Während die Einschlafzeit biologisch bestimmt werde, sei die Weckzeit sozial bedingt, sagt Dunster. Werden die Jugendlichen zu früh aus dem Schlaf gerissen, wirke sich das negativ auf ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden aus, sagte der Doktorand der Biologie. Auch ihre Aufmerksamkeitsspanne leide unter dem Schlafmangel.

Gänzlich gelöst wird das Problem des Schlafmangels bei Jugendlichen durch den späteren Schulbeginn in Seattle allerdings nicht. Wissenschaftler empfehlen für die Altersgruppe acht bis zehn Stunden Schlaf. Davon sind auch die Probanden aus dieser Studie noch entfernt.

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