Urteil Auch Nonnen müssen jetzt oben ohne

Im Streit um die Kopftücher muslimischer Lehrerinnen sind nun christliche Nonnen im Schuldienst die Leidtragenden. Laut Bundesverwaltungsgericht müssen auch sie in Baden-Württemberg zukünftig ablegen, bevor sie das Klassenzimmer betreten.

Berlin - Aus der schriftlichen Begründung des jüngsten Urteils des Bundesverwaltungsgerichts zum baden-württembergischen Kopftuchverbot, die jetzt vorliegt, geht hervor, dass die Ordensfrauen ihr Habit ablegen oder den Schuldienst quittieren müssen.

Die baden-württembergische Kultusministerin Annette Schavan (CDU) hatte versucht, mit einer Novelle des Schulgesetzes zwar das Tragen islamischer Kopftücher durch Lehrerinnen zu verbieten, christliche Symbole aber weiterhin zuzulassen - im katholisch geprägten Schwarzwald erteilen auch Ordensschwestern im Habit staatlichen Unterricht.

Das Verbot religiöser Bekundungen, so die Leipziger Richter nun aber, müsse auf Grund des Gesetzes in Baden-Württemberg für alle Religionen gelten. "Ausnahmen für bestimmte Formen religiös motivierter Kleidung in bestimmten Regionen", so das Urteil, "kommen daher nicht in Betracht."

Schavans Gesetzesautor und Prozessvertreter, der Tübinger Juraprofessor Ferdinand Kirchhof, hält dagegen, beim Nonnen-Habit handle es sich um eine "Berufstracht", die als solche von dem Verbot religiöser Kleidung nicht erfasst sei.

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