Urteil zu Schulnoten Schummel-Schülerin wollte drei Einsen

Eine hessische Schülerin wollte unbedingt aufs Gymnasium und wurde skrupellos: Sie schummelte dreist in ihren Abschlussprüfungen, flog auf und bekam drei glatte Sechsen. Gegen die Entscheidung der Schule zog sie vor Gericht und hoffte auf dreimal "sehr gut".


Für ihre Nervenstärke hat die hessische Schülerin sicherlich ein "Sehr gut" verdient: Sie wollte unbedingt aufs Gymnasium und klagte deswegen vor dem Verwaltungsgericht Kassel gegen das Land Hessen. Ihr Wunsch: Bessere Noten für drei Abschluss-Prüfungen, um so die Gesamtnote ihres Realschulabschlusses zu verbessern.

Der Notensprung, der der Schülerin vorschwebte, wäre gewaltig gewesen. In den Hauptfächern Deutsch, Englisch und Mathe verlangte sie eine Eins - statt einer Sechs. Der Haken an der Sache: Die Arbeiten waren mit "ungenügend" bewertet worden, weil die Schülerin die Lösungen vorher gekannt haben soll. Der Bewertung durch die Schule folgten die Kassler Verwaltungsrichter mit ihrem Urteil vom Mittwoch und wiesen die Klage der Schülerin ab.

Es habe "markante Übereinstimmungen mit den Lösungshinweisen für die Korrektoren" gegeben. Die Schülerin müsse Kenntnis von den Lösungsmustern gehabt haben, andernfalls seien die auffälligen Übereinstimmungen nicht zu erklären, urteilten die Richter.

Im Vergleich zu ihren Mitschülern und Schülern einer anderen Schule waren die Ergebnisse der Schülerin herausragend, befand das Gericht. Das sei "mit dem zuvor von ihr gezeigten Leistungsstand nicht in Einklang zu bringen" gewesen. Gegen die Schülerin sprach zudem, dass sie schon vorher geschummelt hatte: Für eine Hausarbeit im Fach Deutsch hatte sie Teile aus dem Internet kopiert und diese nicht kenntlich gemacht. Die Schülerin blieb bei ihrer Darstellung, sie habe sich lediglich sehr gut vorbereitet und nicht betrogen. Die Berufung beim hessischen Verwaltungsgerichtshof ließen die Richter zu. (Aktenzeichen: 3 K 1304/09.KS)

Der Vater der Schülerin hatte Zugang zu den Prüfungsunterlagen

Die Verwaltungsrichter in Kassel betonten, dass die pikante juristische Vorgeschichte des Falls bei der Urteilsfindung keine Rolle gespielt habe. Der Vater der Schülerin arbeitete bis 2009 als Büroleiter im staatlichen Schulamt für den Landkreis Fulda und geriet damals in den Verdacht, die Musterlösungen an seine Tochter weitergereicht zu haben. Zwei Tage, nachdem Vorwürfe über Unregelmäßigkeiten bei den zentralen Realschul-Abschlussprüfungen laut geworden waren, sollte der Vater nach Kassel auf eine andere Behördenstelle versetzt werden, berichtete die "Fuldaer Zeitung".

Die Staatsanwaltschaft ermittelte wegen des Verdachts auf Verletzung des Dienstgeheimnisses und der Geheimhaltungspflicht. Das Amtsgericht Fulda sprach den Büroleiter des Schulamtes im September vergangenen Jahres frei. Zwar habe der Beamte mit seinem Generalschlüssel Zugang zum Stahlschrank mit den versiegelten Aufgaben gehabt, berichtete der "Hessische Rundfunk". Die Umschläge seien aber unversehrt gewesen. Deswegen habe der Richter Zweifel gehabt, ob tatsächlich der Vater seiner Tochter die Lösungen zugeschanzt hatte.

Seine neue Stelle in Kassel trat der Beamte nicht an. Seit Mai 2009 ist er krankgeschrieben, inzwischen ist der Mann pensioniert. Seine Tochter schaffte auch mit dreimal "ungenügend" einen ganz passablen Abschluss, berichtete der "Hessische Rundfunk". Trotz der drei Sechsen in den entscheidenden Klausuren kam sie auf einen Notendurchschnitt von 2,6.

fln/dpa/dapd



insgesamt 68 Beiträge
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Seite 1
Gebetsmühle 06.04.2011
1. ...
Zitat von sysopEine hessische Schülerin wollte unbedingt aufs Gymnasium und wurde skrupellos: Sie schummelte dreist in ihren Abschlussprüfungen, flog auf und bekam drei glatte Sechsen. Gegen die Entscheidung der Schule zog sie vor Gericht und hoffte auf dreimal "sehr gut". http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/0,1518,755446,00.html
wer so klever ist, sollte aufs gymnasium gehn. sie hat zeugs zu höherem und könnte sogar politikerin werden.
Satiro, 06.04.2011
2. °
Zitat von sysopEine hessische Schülerin wollte unbedingt aufs Gymnasium und wurde skrupellos: Sie schummelte dreist in ihren Abschlussprüfungen, flog auf und bekam drei glatte Sechsen. Gegen die Entscheidung der Schule zog sie vor Gericht und hoffte auf dreimal "sehr gut". http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/0,1518,755446,00.html
Ziemlich dreist die junge Dame! Doch nicht irgendwie verwandt mit KTzG ? :-)
dr.épernay-boiler 06.04.2011
3. Nerven hat sie ja
und entschlußfreudig scheint sie auch zu sein. BWL-Studium und eine Karriere als Banker oder Manager sollte da doch möglich sein!
mideal 06.04.2011
4. Korrektur
Zitat von Gebetsmühlewer so klever ist, sollte aufs gymnasium gehn. sie hat zeugs zu höherem und könnte sogar politikerin werden.
..SOLLTE NUR Politikerin...
AGRB 06.04.2011
5. bäm
Ganz eindeutig Ministerkandidatin. Unbedingt vormerken :)
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