US-Schule filzte Mädchen Oberstes Gericht verhandelt über Demütigung einer Schülerin

Weil Lehrer Drogen bei ihr vermuteten, musste ein 13-jähriges Mädchen aus Arizona sich bis auf die Unterwäsche ausziehen. Gefunden wurde nichts. Ist eine solche Durchsuchung zulässig? Über den Fall von Savana Redding muss bald der Supreme Court in den USA entscheiden.


Der Tag, an dem sich die 13-jährige Schülerin Savana Redding im Zimmer des stellvertretenden Schulrektors bis auf die Unterwäsche ausziehen musste, ist sechs Jahre her. Aber Savana weiß noch genau, was sie damals anhatte: Eine schwarze Stretchhose mit Schmetterlingsmuster und ein rosafarbenes T-Shirt - so berichtet es die Tageszeitung "New York Times" (NYT). Damals besuchte sie die achte Klasse einer Mittelschule in Safford im US-Bundesstaat Arizona.

Supreme Court in Washington: Wie weit dürfen Schulen gehen?
AFP

Supreme Court in Washington: Wie weit dürfen Schulen gehen?

Bei einer ehemaligen Freundin von Redding war Ibuprofen, ein Medikament gegen Schmerzen und Entzündungen, in verschreibungspflichtiger Stärke gefunden worden. Die Freundin sagte, sie habe die Tabletten von Savana erhalten. Daraufhin brachte der stellvertretende Rektor das Mädchen in sein Büro; dort unterzogen eine Schulkrankenschwester und eine Sekretärin sie einer Leibesvisitation.

"Sie sagten, ich soll meinen BH von mir wegziehen und hin und her bewegen, dann sollte ich die Beine spreizen und meine Unterhose lüften", schilderte es Redding, heute 19, der "New York Times".

Mitte April befasst sich nun das höchste amerikanische Gericht, der Supreme Court in Washington, mit Savana Reddings Fall und mit der Frage: Dürfen Schulmitarbeiter auf der Suche nach Waffen und Drogen eine Leibesvisitation durchführen oder nicht? Und wie weit dürfen sie dabei gehen? Geprüft wird mithin auch, ab wann die "Zero Tolerance"-Linie vieler Schulen zu einer Zumutung wird. "Null Toleranz" predigen Rektoren und Lehrer oft in punkto Drogen - und schießen offenbar bisweilen übers Ziel hinaus.

Eine "unnötige Durchsuchung" ist in den USA per Verfassungszusatz verboten. Das vierte Amendment ist Teil der Bill of Rights und damit der unveräußerlichen Grundrechte, die Freiheiten von US-Bürgern gegen Eingriffe des Staates schützen.

"Der schlimmste Alptraum für alle Eltern"

Der Grundsatz, auf den sich Reddings Anwalt beruft, seit er erstmals gegen die Behandlung Savanas durch die Schule vorging, wurde bereits Mitte der achtziger Jahre im Zusammenhang mit einer Schülerdurchsuchung vor dem Supreme Court verhandelt: Eine Schülerin war damals beim Rauchen erwischt worden, danach durchsuchten Lehrer ihre Tasche und fanden Drogen. Die Richter entschieden knapp mit fünf zu vier Stimmen, dass die Durchsuchung rechtmäßig gewesen sei. Gesucht worden war allerdings nicht im Intimbereich.

Bürgerrechtler in den USA, organisiert in der American Civil Liberties Union, unterstützten Redding und ihre Mutter bei der Klage gegen die Schulbehörde, ein Bürgerrechtsanwalt vertritt die Familie auch vor dem Obersten Gericht. Anwalt Adam B. Wolf sagte der NYT, was Savana in der Schule passiert ist, sei "der schlimmste Alptraum für alle Eltern".

In der Vorinstanz hatte ein Gericht in San Francisco entschieden, die Durchsuchung von Savana Redding verstoße gegen die Verfassung der USA. Der Richter Kim McLane Wardlaw sagte zur Begründung, man brauche "keinen Professor für Verfassungsrecht, um festzustellen, dass die Durchsuchung eines nackten 13-jährigen Kindes eine Verletzung der verfassungsmäßigen Rechte ist".

Michael Daly Hawkins vertrat in dem Prozess in Kalifornien die abweichende Richtermeinung. Auch er räumte zwar ein, die Durchsuchung sei "demütigend und erniedrigend" gewesen. Die Schule habe aber "im guten Glauben" gehandelt, ihre Schüler vor Gefahren zu beschützen, daher sei die Durchsuchung "nicht unnötig" gewesen.

Sind im "Kampf gegen Drogen" alle Mittel recht?

Die Anwälte der Schulverwaltung argumentierten, die Behörde stehe "an vorderster Front im jahrzehntelangen Kampf gegen Drogenmissbrauch durch Schüler". Der stellvertretende Direktor Kerry Wilson sagte aus, sein Verdacht gegen Savana Redding sei damals gut begründet gewesen.

Redding und einige andere Schüler hätten sich bei einer Schulparty außergewöhnlich wild aufgeführt, so Wilson. Außerdem hatten Schulmitarbeiter gesagt, sie hätten Alkohol gerochen, der nach Aussage eines Mitschülers auf der Party in Reddings Zuhause ausgeschenkt worden sei. "Wir sind Kinder, und Kinder sind albern", sagte Redding. Bei ihrer Privatparty habe es nur Limonade gegeben. Die Lehrer hätten die Wildheit ihrer Schüler wohl mit einem Rauschzustand verwechselt.

Den Teenager, der sie damals war, beschreibt Savana Redding in der "NYT" als "nerdy type", also ein eher schlaues, aber unbeliebtes Mädchen. Die ehemalige Freundin, die sie beschuldigt hatte, die Medikamente in die Schule gebracht zu haben, habe sich zu jener Zeit eher in Richtung der Gothic-Szene entwickelt. Darum sei die Freundschaft auseinandergegangen.

In Reddings Schulakte fanden sich bis zu der Leibesvisitation keine Hinweise auf ein Fehlverhalten der Schülerin. Das machte der Anwalt der Familie auch vor Gericht geltend. Von der Schulbehörde hieß es dazu in einer schriftlichen Stellungnahme, die scheinbar weiße Weste dürfe nicht falsch gedeutet werden. Eine leere Akte bedeute nicht, dass Savana Redding nie die Schulregeln gebrochen habe - sondern nur, dass man sie nie dabei erwischt habe.

cht



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Seite 1
sitiwati 26.03.2009
1. DEmnach
Reddings Schulakte fanden sich bis zu der Leibesvisitation keine Hinweise auf ein Fehlverhalten der Schülerin. Das machte der Anwalt der Familie auch vor Gericht geltend. Von der Schulbehörde hieß es dazu in einer schriftlichen Stellungnahme, die scheinbar weiße Weste dürfe nicht falsch gedeutet werden. Eine leere Akte bedeute nicht, dass Savana Redding nie die Schulregeln gebrochen habe - sondern nur, man habe sie nie dabei erwischt. ist jeder Schüler/in oder auch jeder Erwachsene ein potentiller Verbrecher-man darf sich halt nciht erwiscehn lassen!
L. Schmidt, 26.03.2009
2.
Zitat von sysopWeil Lehrer Drogen bei ihr vermuteten, musste ein 13-jähriges Mädchen aus Arizona sich bis auf die Unterwäsche ausziehen. Gefunden wurde nichts. Wie dürfen Lehrer gehen, um mehr Sicherheit in der Schule zu gewährleisten?
Gegenfrage: Wie weit gehen SchülerInnen inzwischen, um die Sicherheit in der Schule zu gefährden? Davon abgesehen wäre es natürlich besser gewesen, die Polizei zu verständigen und diese die Leibesvisitation vorschriftsmäßig durchführen zu lassen.
razio 26.03.2009
3.
ist der Fall schon älter?: Infos: http://www.uslaw.com/library/Education_Law/Reader_Comment_Strip_Search_13_Year_Redding_v_Stafford.php?item=6775 und http://www.eacourier.com/articles/2007/10/14/opinion/doc470c1232c1424445003299.txt
peterbruells, 26.03.2009
4.
Zitat von sitiwatiReddings Schulakte fanden sich bis zu der Leibesvisitation keine Hinweise auf ein Fehlverhalten der Schülerin. Das machte der Anwalt der Familie auch vor Gericht geltend. Von der Schulbehörde hieß es dazu in einer schriftlichen Stellungnahme, die scheinbar weiße Weste dürfe nicht falsch gedeutet werden. Eine leere Akte bedeute nicht, dass Savana Redding nie die Schulregeln gebrochen habe - sondern nur, man habe sie nie dabei erwischt. ist jeder Schüler/in oder auch jeder Erwachsene ein potentiller Verbrecher-man darf sich halt nciht erwiscehn lassen!
Der Anwalt des Mädchens sollte im Gegenzug fragen, ob die Lehrer nur deshalb nicht auf der Päderastenliste stünden, weil man sie noch nicht erwischt habe.
Americanet 26.03.2009
5.
Zitat von peterbruellsDer Anwalt des Mädchens sollte im Gegenzug fragen, ob die Lehrer nur deshalb nicht auf der Päderastenliste stünden, weil man sie noch nicht erwischt habe.
Laut dem Artikel wurde die Leibesvisitation des Mädchen von zwei Frauen vorgenommen.
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