USA Bald Drogentests an staatlichen Schulen

Ob Cheerleader, Chorsänger oder Schachspieler: Ab sofort können amerikanische Jugendliche, die Zusatzangebote an staatlichen Schulen wahrnehmen, zu Drogentests gezwungen werden. Die bundesweite Rauschmittelbekämpfung sei wichtiger als die Privatsphäre der Schüler, urteilte das Oberste Gericht eines Bundesstaates.

Washington - Bereits seit 1995 können amerikanische Sportschüler gesetzlich zu routinemäßigen Drogentests aufgefordert werden. Drei Jahre später verschärfte der Bundesstaat Oklahoma die Bestimmung: Seit 1998 müssen sich auch andere Jugendliche zwischen zwölf und achtzehn Jahren zu sporadischen Drogentests unterziehen. Ein Verdacht auf Drogenmissbrauch muss nicht vorliegen - es reicht, dass die jeweilige Person an einem schulischen Angebot teilnimmt, das nichts mit dem Unterricht zu tun hat. Dafür würden beispielsweise Mitglieder des Schulchors, der Schulband, der beliebten Cheerleader oder des Schachspielerclubs in Frage kommen.

Vom neuen Gesetz, dass das Oberste Gericht Oklahomas am Donnerstag mit einer knappen Mehrheit beschlossen hat, sind rund 23 Millionen Jugendliche zwischen zwölf und achtzehn Jahren von Klasse sieben bis zwölf betroffen. Clarence Thomas, ein Richter, der die Gesetzesnovelle befürwortet, sagte zur Begründung, das Gesetz werde kaum in die Privatsphäre der Schüler eingreifen. Der Test beinhalte nur die Abgabe einer Urinprobe. Außerdem habe es wenig Sinn, "dass eine Schule erst auf massive Anzeichen von drogenmissbrauchenden Schülern wartet, um ein Drogentestprogramm zu initiieren", schrieb Thomas laut Angaben der Zeitung "USA Today" in seinem Urteil.

Gegner des neuen Gesetzes weisen darauf hin, dass ausgerechnet die Testzielgruppe stärker sozial involviert sei und damit eine geringere Tendenz zum Drogenkonsum hätte, als ihre "nur" den Unterricht besuchenden Mitschüler. Die Entscheidung des Gerichts sende genau die falsche Nachricht an Amerikas Schulen, zitiert die "New York Times" die Juristin Judy Appel der Vereinigung "Drug Policy Alliance". Den Schülern werde signalisiert, sie hätten "kein Recht auf Privatsphäre und dass die Reinheit des eigenen Urins höher zu bewerten sei als die akademischen Leistungen und das studentische Leben", sagte Appel.

"Das gibt Kindern einen Grund, nein zu Drogen zu sagen", sagt hingegen der Befürworter der Gesetzesneuerung David Evans im Gespräch mit "USA Today". Evans ist Mitglied der "Drug Free Schools Coalition", einer Anti-Drogen Interessensvereinigung von Lehrern und Eltern. "Jetzt können sie immer noch cool sein und trotzdem sagen: ich kann keine Drogen konsumieren, weil ich im Schach-Club bin", sagt Evans.

Schulvertreter lauscht den "normalen Uriniergeräuschen" beim Test

Laut dem Gesetz sollen die Testprobanden zufällig ausgewählt werden. Während der vorgeschriebenen Urinabgabe muss ein Beauftragter der Schule vor der Toilette warten - und darauf achten, ob die "normalen Uriniergeräusche" zu hören sind, um einem Testmissbrauch vorzubeugen. Es sieht allerdings beim Nachweis von Drogenkonsum keine rechtlichen Schritte vor. Beim ersten positiven Test sollen lediglich die Eltern kontaktiert werden. Beim zweiten darf der Überführte für die Dauer von zwei Wochen nicht mehr an seiner außerschulischen Aktivität teilnehmen. Beim dritten Mal wird er bis Ende des Schuljahres ganz von der Veranstaltung ausgeschlossen. Weigert er sich hingegen öfter als einmal, den Test zu machen, kann er gleich für den Rest des Jahres von seinen Zusatzkursen ausgeschlossen werden.

Laut "USA Today"-Informationen sind bereits einige US-Schüler unter Protest aus ihren nebenschulischen Clubs ausgetreten. "Ich glaube nicht, dass das Ganze hier überhaupt jemandem hilft", drückt die 19-jährige Linda ihre Skepsis aus. Zahlreiche amerikanische Chemielabors, die eine potenzielle Zahl von 23 Millionen Probanden vor Augen haben dürften, sehen das sicherlich anders.

Patricia Batlle

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