Mein Lehrer, der Internetstar High Five mit Hüftschwung

Von wegen "Guten Morgen, Herr Lehrer!": Barry White jr. wird von seinen Fünftklässlern nicht im Chor begrüßt. Er hat für jeden eine individuelle Choreografie parat - und wird dafür im Netz gefeiert.

Der Lehrer als Star: Screenshot aus dem NBC-Video
NBC Charlotte

Der Lehrer als Star: Screenshot aus dem NBC-Video


Lehrer und Schüler gehen leicht in die Hocke, dann geht alles ganz schnell: Hände klatschen, ziehen und boxen, Hüften wackeln, am Schluss machen beide eine volle Drehung. Der Schüler geht in den Klassenraum, die Menschenschlange vor dem Lehrer rückt eine Person vor. Dann wiederholt sich das Spiel, aber mit gänzlich anderen Bewegungen.

Barry White jr. ist Lehrer in der fünften Klasse der Ashley Park Schule in der US-amerikanischen Stadt Charlotte, North Carolina. Und er begrüßt jeden seiner Schüler nicht nur mit High Five. Sondern mit einer durchchoreografierten Abfolge von Handschlägen und Tanzbewegungen. Das Programm ist bei jedem Schüler anders - und jeweils mit ihm gemeinsam entwickelt.

Was als Beschreibung kompliziert klingt, sieht in echt ganz leicht aus - und nach einem Mordsspaß:

Das ungewöhnliche Programm beschert dem Sprachlehrer gerade große Popularität, seit der Fernsehsender NBC einen Videobericht darüber ins Internet gestellt hat. Der Film wurde bis Donnerstagmittag bereits 30 Millionen mal abgespielt.

Doch warum macht White das? Ihm gehe es darum, eine gute Beziehung zu den Schülern aufzubauen. Das sei eine ganz wichtige Voraussetzung für den Unterricht, sagt er: "Trotzdem wird das oft unterschätzt oder übersehen." Dabei müssten sich die Schüler erst auf den Lehrer einstellen, bevor sie bereit seien, große Mengen an Lernstoff aufzunehmen.

Die individuelle Begrüßung sorgt für gute Laune bei Unterrichtsbeginn. Und für jeden Schüler, den er neu kennenlernt, nimmt White sich die Zeit, gemeinsam eine Begrüßung zu entwickeln. Dabei sollen die Schüler Bewegungen vorgeben, die etwas über sie und ihre Interessen aussagen. White ergänzt das dann, sodass am Ende eine gemeinsame Abfolge von Körperzeichen steht.

Vorbild LeBron James

White ist Fan der Basketballmannschaft Cleveland Cavaliers, und er hat mal beobachtet, dass LeBron James, der Star der Mannschaft, für jeden Vertrauten einen eigenen Handshake hat. Später testete er so einen Handshake mit einer Schülerin. Das sprach sich schnell herum - alle anderen wollten auch. Inzwischen hat er auch gemeinsame Handschläge mit anderen Lehrern und einigen Schülern anderer Klassen.

Seine Schule ist eine Title-I-Schule, an der mit Mitteln aus einem staatlichen Förderprogramm besonders viele Kinder aus armen Familien unterrichtet werden. "Viele meiner Schüler haben zu Hause keine guten Lernbedingungen", das Zuhause sei für sie oft ein Ort der Sorgen und Probleme. Die Schule sollen sie als Schutzraum wahrnehmen, wo sie sich entfalten können. Die persönlichen Moves drücken das aus und zeigen zugleich die Wertschätzung ihres Lehrers.

Sich so viele komplizierte Handschläge zu merken, findet White übrigens gar nicht schwer: "Das merken sich die Muskeln von alleine, wenn man es ein paar Mal gemacht hat."

mamk



insgesamt 3 Beiträge
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armi-nator 02.02.2017
1. Vorzüglicher Held mit Haltung
Dieser Lehrer gibt nicht nur seinen Schülern eine optimale Basis fürs ganze Leben mit -- an diesem Lehrer sollte sich die ganze Menschheit verdammt nochmal ein Beispiel nehmen!
hardeenetwork 03.02.2017
2. Wow ... höchsten Respekt!
Dieser Beitrag hat mich tief berührt. Diese Menschlichkeit, die Nähe, Spass und Vertrauen schafft. In einer Welt in der immer mehr Hass entsteht ist dieser Bericht eine pure Wohltat. Ein großartiges Beispiel für Alle.
pusteblume123 05.02.2017
3.
Solche Lehrer werden sehr positiv in Erinnerung bleiben. Was auch hier hinlänglich bekannt ist, aber leider nur sehr selten umgesetzt wird, setzt dieser Lehrer ganz praktisch und unkompliziert durch. Toll! So kann man Schüler motivieren. Ich selbst habe ganz andere Erfahrungen gemacht. Und auch bei unseren Kindern wurde zwar viel davon geredet - aber kaum etwas umgesetzt. Es konnte den Lehrern aus unterschiedlichsten Gründen nicht zugemutet werden. Schule sei außerdem kein Ort um in erster Linie Spaß zu haben - es soll Wissen vermittelt werden. Wie ist im Prinzip egal. Wer sich nicht motivieren kann, ist selbst schuld. Oder die Eltern. Oder Freunde. Nie aber liegt es an der Schule, an den Lehrern. Denn auf dem Papier, in den Konzepten, liest sich alles super gut. Aber eben nur auf dem Papier. Ich wünsche mir mehr Lehrer, die so motiviert sind. Die für ihre Schüler Vorbilder sein wollen und können. Ich hoffe, er unterrichtet noch lange mit so viel Freude und Engagement.
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