SPIEGEL ONLINE

Protest in den USA Schüler streiken für schärfere Waffengesetze

Sie wollen etwas verändern und lassen nicht locker: In den USA haben Tausende Schüler den Unterricht verlassen, um gegen Waffengewalt zu protestieren - am 19. Jahrestag des Amoklaufs von Columbine.

Am Freitag um zehn Uhr Ortszeit ließen Schülerinnen und Schüler vielerorts in den USA ihre Stifte fallen und verließen ihre Klassenräume und das Schulgelände. Dann herrschte Stille. 13 Schweigesekunden sollten an die 13 Todesopfer des Massakers an der Columbine High School im US-Bundesstaat Colorado erinnern.

1999 hatten zwei Teenager zwölf Mitschüler und einen Lehrer in Columbine erschossen. Die meisten Schülerinnen und Schüler in den USA waren zu diesem Zeitpunkt noch nicht geboren. Dennoch haben Tausende von ihnen dem Massaker mit einer Protestaktion gedacht.

Landesweit waren sie in einen ganztägigen Streik getreten, um gegen Waffengewalt zu protestieren und für härtere Gesetze einzutreten. Unter dem Motto "Genug ist genug" waren mehr als 2500 Veranstaltungen angemeldet. Laut Organisatoren nahmen insgesamt etwa 150.000 Schüler an den Protesten teil.

Fotostrecke

Schülerprotest in den USA: "Bücher statt Kugeln"

Foto: BRENDAN MCDERMID/ REUTERS

Zu dem landesweiten Gedenken hatten Schüler der Marjory Stoneman High School in Parkland im US-Bundesstaat Florida aufgerufen. Dort hatte ein 19-Jähriger am Valentinstag 17 Menschen erschossen. Die Protestierenden waren aufgerufen, orangefarbene Kleidung zu tragen.

Der Streik reiht sich ein in eine Kette von Protesten. An der Spitze der Kampagne für ein strengeres Waffenrecht in den USA stehen die Schüler aus Parkland. Sie werfen den Politikern vor, dass es trotz zahlreicher Vorfälle und vieler Toter keine durchgreifenden Änderungen der Gesetzgebung gegeben hat. Bisheriger Höhepunkt der Bewegung waren Ende März Demonstrationen von mehr als einer Million Menschen gegen die laxen Waffengesetze.

"Es muss geschehen"

Am Freitag, dem 19. Jahrestag von Columbine, versammelten sich in Washington mehrere Hundert Schüler vor dem Weißen Haus. Auf Schildern der Demonstranten war zu lesen: "Stoppt die Waffengewalt", "Bücher statt Kugeln" oder "Recht auf Sicherheit". Der Schüler Hiam Bailas sagte auf dem Weg zum Protest vor dem Weißen Haus: "Mir ist ein Verbot halbautomatischer Waffen am wichtigsten. Es muss etwas geschehen."

Cameron Kasky, einer der Anführer der Aktivisten aus Parkland, äußerte sich auf Twitter "stolz" auf die Schüler im ganzen Land, die sich "für einen positiven Wandel" einsetzten und "verlangen, was wir verdienen".

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Mitschüler David Hogg sagte in Parkland: "Wir müssen rausgehen und uns Gehör verschaffen." Seine Schwester Lauren ergänzte: "Ich hoffe, dass es den Leuten zeigt, dass wir zwar noch nicht alt genug sind, um zu wählen, aber alt genug, um eine Stimme zu haben."

Schüler in Kalifornien nehmen an den landesweiten Protesten teil

Schüler in Kalifornien nehmen an den landesweiten Protesten teil

Foto: MARK RALSTON/ AFP

Die frühere Kongressabgeordnete Gabby Giffords, die 2011 durch einen bewaffneten Angriff schwere Schusswunden erlitt, drückte ihre Solidarität mit der Protestbewegung aus. "Nach Columbine haben die amerikanischen Politiker gesagt: 'Nie wieder'", schrieb sie auf Twitter. "Aber nach fast zwei Jahrzehnten des Nichtstuns ist es eindeutig, dass sie ihre grundlegende Pflicht verletzt haben, unsere Kinder zu schützen."

Erneuter Zwischenfall in Florida

Am Tag der Proteste wurde aus Florida von einem neuen Zwischenfall berichtet. Nach Angaben lokaler Medien schoss in der Stadt Ocala ein Schüler an der Forest High School durch eine geschlossene Tür. Er verletzte einen Mitschüler am Knöchel und wurde auf der Flucht festgenommen.

Jedes Jahr sterben in den USA viele Tausend Menschen durch Waffengewalt. Schulen werden wiederholt Ziel von Attentaten. Einer Studie zufolge, die am Donnerstag im "Journal of Child and Family Studies" veröffentlicht wurde, starben in den vergangenen 18 Jahren mehr Menschen bei Schulschießereien als im gesamten 20. Jahrhundert.

Bis 1940 habe es keine derartigen Massenschießereien an Schulen gegeben, heißt es in dem Bericht. 1940 gab es demnach eine solche Schießerei, in den Fünfziger- und Sechzigerjahren gab es keine entsprechenden Taten.

1979 erschoss eine 16-Jährige der Auswertung zufolge zwei Menschen und verletzte neun an einer Grundschule. Seither hätten derartige Schießereien stetig zugenommen.

lov/dpa/AFP/Reuters
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.