USA Schüler zeichnen Genitalien - Lehrer gefeuert

Die Sexualmoral in den USA hat ein neues Opfer gefunden: In einem Vorort von New York wurde ein Lehrer vom Dienst suspendiert, weil er seine jugendlichen Schüler im Biologie-Unterricht männliche Genitalien an die Tafel malen ließ.


New York - Vielleicht hätte der Lehrer gewarnt sein müssen. Schließlich kann es in ihrem Land geschehen, dass ein Vierjähriger nach einer "unzüchtigen" Umarmung seiner Lehrerin aus dem Kindergarten geworfen wird und ein 17-Jähriger nach Oralsex mit einer 15-Jährigen für 15 Jahre ins Gefängnis muss.

Jetzt bekam der Pädagoge aus Yonkers, einem Vorort von New York, selbst die amerikanische Sexualmoral zu spüren: Weil er seine Schüler das männliche Geschlechtsteil an die Tafel zeichnen ließ, wurde er vom Dienst suspendiert. Der Mann, dessen Name nicht öffentlich genannt wurde, sei zunächst in den Verwaltungsdienst versetzt worden, teilte die zuständige Behörde mit. Man habe das Schulkuratorium aber gebeten, ihn gänzlich zu entlassen.

"Auf keinen Fall werden wir ihn noch einmal vor die Kinder lassen", sagte Schulsprecherin Jerilynne Fierstein. Der Lehrer habe den Unterricht über menschliche Anatomie und Sexualität eröffnet, indem er die Jungen und Mädchen aus der siebten Klasse gebeten habe, "die männliche Anatomie" an die Tafel zu zeichnen.

Fierstein räumte zwar ein, dass der Lehrplan für die siebte Klasse auch Anatomie-Unterricht vorsieht. "Aber als Lehrer muss man sensibel sein. Alles, was man tut, muss dem Alter des Kindes angemessen sein." In diesem Fall sei das Tun des Lehrers "einfach nicht angebracht" gewesen.

Die Leitung der Schule habe davon erfahren, weil sich ein Elternteil beschwert habe. Die Schulaufsicht werde am 21. März über die Entlassung des Lehrers entscheiden. Immerhin scheint die Meinung der Schulleitung nicht von jedem geteilt zu werden: "Das ist Biologie, das ist Anatomie, es ist menschliche Sexualität", sagte Jon Klibonoff, der Vater eines der Schüler. "Sie sind in der Pubertät, und das ist ihnen auf der einen oder anderen Ebene auch klar."

Zuletzt haben mehrere Fälle im Zusammenhang mit Kindern und Sexualität in den USA für Schlagzeilen gesorgt. In Texas wurde ein Vierjähriger aus dem Kindergarten ausgeschlossen, weil er seine Betreuerin umarmt und dabei unter anderem ihre Brüste berührt hatte. Der Fall sorgte für Empörung in den USA, ähnlich wie der des 20-jährigen Genarlow Wilson. Als 17-Jähriger hatte er bei einer Party Oralsex mit einer damals 15-Jährigen.

Selbst der Staatsanwalt räumte ein, dass dies freiwillig und ohne Zwang geschehen sei, wie auf den Videos von der Party zu sehen sei. Wilson wurde vor vier Wochen dennoch zu 15 Jahren Haft verurteilt, weil Oralsex mit einem Mädchen unter 16 Jahren im US-Bundesstaat Georgia als Kindesmissbrauch gilt - egal, ob der Täter selbst noch minderjährig ist. Hätte Wilson statt Oralsex normalen Geschlechtsverkehr mit dem Mädchen gehabt und es womöglich gar geschwängert, hätte er nach Georgias Gesetz zu höchstens einem Jahr Haft verurteilt wegen können.

mbe/AP

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