Bestechungsversuch 500 Euro Schmiergeld fürs Abitur

Sein Sohn drohte durchs Abitur zu fallen, deswegen erschien ein Vater in einem Frankfurter Gymnasium und bot einem Lehrer 500 Euro Schmiergeld an. Nun hat das Gericht den Vater zu einer Geldauflage verurteilt.

Bitte Ruhe. Bitte nicht spicken. Bitte nicht die Lehrer bestechen
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Die Panik musste wohl besonders groß gewesen sein: Sein Sohn hatte im Mai vergangenen Jahres seine mündliche Abiturprüfung in Mathematik. Besonders gut schienen die Chancen des Schülers nicht zu sein, deswegen tauchte am selben Tag auch der Vater in der Schule auf. Dem Studienleiter des Gymnasiums in Frankfurt überreichte der 62-Jährige einen Umschlag mit 500 Euro - als kleine Aufmerksamkeit, wenn die Lehrer den Sohn trotz der Probleme irgendwie durchs Abi bringen könnten.

Der Sohn fiel durch, der Lehrer meldete den Bestechungsversuch. Am Dienstag nun hat das Frankfurter Amtsgericht über den Fall befunden. Der 62-jährige Vater muss eine Geldauflage von 2000 Euro zahlen. Außerdem setzte das Gericht eine Bewährungsstrafe von 5400 Euro fest, die allerdings nur dann fällig wird, wenn der Mann noch einmal mit dem Gesetz in Konflikt kommen sollte.

Zu der Verhandlung kam es, weil der Vater gegen den Strafbefehl Widerspruch eingelegt hatte. Ursprünglich sollte er eine Geldauflage von 7200 Euro zahlen. Das erschien dem Mann als zu hoch. Den Bestechungsvorwurf selbst bestritt er jedoch nicht.

Auch das Frankfurter Amtsgericht verfuhr nun milder mit dem Mann und befand, dass eine niedrigere Geldauflage ausreichend sei. Zu dieser Einschätzung kam die Richterin, weil der Bestechungsversuch ganz offensichtlich dilettantisch ausgeführt worden sei. "Er hat sich an eine Person gewandt, die an der eigentlichen Prüfung gar nicht beteiligt gewesen war", sagte ein Gerichtssprecher. Der Bestechungsversuch sei ganz offensichtlich auf die Panik des Vaters zurückzuführen gewesen. Vor Gericht bekundete der Mann, dass er kopflos gehandelt habe. Sein Verhalten sei falsch gewesen.

Im Urteil nannte die Richterin das Verhalten des Vaters "schon ein bisschen dreist". Weil er jedoch Einsicht gezeigt und ein Geständnis abgelegt habe, sei eine Verwarnung vertretbar.

bkr/dpa



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