Leistungsdruck an Schulen Lehrer schimpfen über Vergleichstests

Wo wohnen die besten Schüler? In wenigen Tagen müssen Deutschlands Drittklässler wieder Vergleichsarbeiten schreiben. Jetzt empören sich die größten Lehrergewerkschaften - die Flächentests würden außer Leid, Druck und Belastung nichts bringen.
Grundschüler in Baden-Württemberg: Sind Vergleichstests "reine Datenhuberei"?

Grundschüler in Baden-Württemberg: Sind Vergleichstests "reine Datenhuberei"?

Foto: Patrick Seeger/ picture-alliance / dpa/dpaweb

Bald ist es wieder soweit: Alle Grundschüler, die eine dritte Klasse einer deutschen Schule besuchen, müssen zwischen dem 13. und 22. Mai einen besonderen Test schreiben. In den schriftlichen Vergleichsarbeiten ("Vera") soll überprüft werden, was Schüler einer bestimmten Jahrgangsstufe gelernt haben.

Die Bildungsgewerkschaft GEW, der Grundschulverband GSV und der Verband Bildung und Erziehung wettern jetzt gemeinsam gegen die "Testeritis": "Die Vergleichsarbeiten, die bundesweit in Klasse 3 und 8 geschrieben werden, verschärfen den Leistungsdruck", heißt es in einem am Montag in Berlin vorgelegten Manifest der drei Organisationen.

Die flächendeckenden Vergleichstest verschärften lediglich den Leistungsdruck und belasteten Lehrer wie Schüler gleichermaßen, hieß es. Bisher hätten in keinem Bundesland schlechte Testergebnisse an Schulen in sozialen Brennpunkten zu mehr Lehrereinstellungen oder zu mehr Weiterbildungen für die betroffenen Pädagogen geführt. Die GEW-Vorsitzende Marlis Tepe sprach vielmehr von "reiner Datenhuberei".

Tepe kritisierte außerdem, dass sehr viel Geld für diese Maßnahmen zur Qualitätssicherung ausgegeben werde, ohne dass bekannt sei, wie und ob diese wirken. So seien die Effekte der Vera-Vergleichstests an Schulen nie von unabhängigen Forschern untersucht worden.

Keine bundesweiten Rankings

Vera war vor zehn Jahren als Folge des deutschen Pisa-Debakels bundesweit für die Klassen 3 und 8 eingeführt worden. Damit soll geprüft werden, welchen Lernstand und welche Kompetenzen Schüler einer bestimmten Jahrgangsstufe erreicht haben. Alle Bundesländer erhalten von dem betreuenden Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen (IQB) fertige Testhefte. Daraus wählen die Länder in Eigenregie Testvarianten aus - welchen Schwierigkeitsgrad und welche Fächergruppen sie wählen, bleibt den Ländern überlassen. Die Achtklässler haben die Tests bereits im März absolviert.

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Lustige Prüfungsantworten: Woher weißt du, dass 6 eine gerade Zahl ist? "Weil ich ziemlich clever bin", schreibt der Schüler. Viel zu oft verschmähen Lehrer die besten Prüfungsantworten, berichtet die Pädagogin und Buchautorin Petra Cnyrim im Interview. 

Die Testergebnisse sollen lediglich darüber informieren, auf welchem Stand die Schüler eines jeweiligen Bundeslandes sind, heißt es beim IQB. Bundesweite Rankings sollen und dürfen aus den Ergebnissen nicht erstellt werden - viele Lehrer und Schulen fühlen sich dadurch aber offenbar trotzdem in einen Wettbewerb gedrängt.

lgr/AFP/dpa
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