Zitat des Tages "22-Jährige, in Tränen aufgelöst"

Druck in der Schule, Druck in der Uni: Berufsberaterin Karin Wilcke findet, dass Turbo-Abi und die Verkürzung des Studiums dem Selbstbewusstsein junger Erwachsener schaden. Die Lockerheit sei völlig verschwunden, es herrsche "Schulklassendenken".

Karin Wilcke: "Heute ist alles direkt ein Drama"

Karin Wilcke: "Heute ist alles direkt ein Drama"


"Wenn Studenten heute ihr Studium nicht in sechs Semestern zu Ende bringen, haben sie das Gefühl, 'sitzen geblieben' zu sein. (...) Bei mir saßen schon 22-Jährige, in Tränen aufgelöst, die klagten: 'Ich bin schon so alt und immer noch nicht fertig mit dem Studium.'"

Karin Wilcke, 54, berät seit fast zwei Jahrzehnten Abiturienten und Studenten bei der richtigen Berufs- und Studienwahl. Nun beklagte sie in einem Interview mit der Wochenzeitung "VDI-Nachrichten" den zunehmenden Erfolgsdruck auf junge Menschen. Sie weiß wovon sie spricht: Die Germanistin und promovierte Mediävistin arbeitet als selbständige Berufsberaterin in Düsseldorf.

Die Lockerheit bei der Zukunftsplanung sei inzwischen komplett verschwunden: "Heute ist alles direkt ein Drama." Viele Studenten hätten das Gefühl, unbedingt in sechs Semestern fertig sein zu müssen, da herrsche "Schulklassendenken".

Der Politik wirft die Berufsberaterin vor, nur aus Kostengründen den Abschluss bei der Ausbildung und im Studium zu beschleunigen. "Das Hauptargument bei der Verkürzung von Schul- und Hochschulzeit war nach offiziellen Angaben der Wunsch der Wirtschaft nach jüngeren Berufseinsteigern", sagt Wilcke.

Dahinter stecke aber eine Politik der Personaleinsparung. Verkürzt man die Schulzeit von neun auf acht Jahre, habe man auch ein Neuntel der Lehrer gespart. Die Konsequenz sei, dass viele angehende Akademiker unsicher wären. "Ist es wirklich wichtig, 23-jährige Absolventen statt 24-jährige auf den Arbeitsmarkt zu entlassen?", fragt Wilcke.

jon

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sirisee 29.09.2012
1. Beweis?
... Ich habe auch 22jährige weinen sehen, weil sie statt einer 1,1 eine 1,8 bekommen haben. Die weinen nicht, weil es Noten gibt, sondern weil die anderen besser benotet sind... Schaffen wir daher doch die Noten ab ... Dann weinen sie wahrscheinlich, weil der Prof. sie nicht anlächelt ... Dann schaffen wir halt die Uni ab, kommt dann ohnehin nicht mehr drauf an... Stattdessen eine Forschungsstelle über Ehrgeizweinen im 19./20. JH...
BouvardPecuchet 29.09.2012
2. Endlich mal eine ehrliche Aussage!
Frau Wilcke hat recht. Die Verkürzung der Schulzeit zum Abi von 9 auf 8 Jahre dient wohl vor allem der Einsparung von Lehrern. So sollen dann immer jüngere Leute für die Wirtschaft bereit stehen, während die Frage nach dem gesellschaftlichen Auftrag der Schule, der doch in der Vermittlung von Bildung und nicht ausschließlich von Wissen bestehen sollte, nicht mehr gestellt wird. Für Bildung ist schlicht keine Zeit mehr! Wie soll so aus den heute jungen Menschen etwas anderes werden als ein Heer von angepassten Bausparern, die schon mit 20 die Rente geplant haben? Ist es das, was unsere Gesellschaft wirklich will oder braucht?
leonardo01 29.09.2012
3. Effektive Verlängerung des Studium
Wo sind denn Studiengänge wirklich verkürzt worden? Für ernst zu nehmende Studiengänge gilt das sicherlich nicht. Sie sind effektiv sogar verlängert worden. Viele Studiengänge, die früher 8 Semester incl. Diplomarbeit als Regelstudienzeit hatten, benötigen jetzt bis zum Master eine Regelstudienzeit von 10 Semestern (BSc 6 Sem. MSc 4 Sem.). Hintergrund ist, dass der BSc-Studiengang die Pflicht und der MSc die Kür geworden ist. Im Diplomstudiengang enthielt das Hauptstudium neben Wahlmodulen immer noch Pflichtmodule. Diese sind jetzt bei den meisten Unis mit in den BSc-Studiengang gewandert, der ja einen eigenen "Abschluss" BSc haben sollte. Man hätte leider auch nicht einfach den BSc und den MSc-Studiengang bei 4 Sem. belassen können, das wäre nicht "durchgegangen". Jeder Studiengang muss ja von offizieller Stelle akkreditiert werden. Ein Bachelor-Abschluss mag Sinn machen, wenn er als Zusatzqualifikation für einen Ausbildungsberuf betrachtet wird. Aldi z.B. wirbt um Leute, die diese Kombination wünschen. Den Unis, die sich größtenteils sehr lange gegen die Bologna-Reform (Europa-Politik lässt grüßen) gestemmt haben, war aber immer klar, dass für ein ernsthaftes Studienfach der Bachelor NIEMALS ein berufsqualifizierender Abschluss sein würde. Er kann einfach nicht dem Magister oder dem Diplom entsprechen. Ein BSc liegt z.B. in den Naturwissenschaften irgendwo zwischen Vordiplom und Diplom. Was fehlt, ist der Ausbildungsteil, in dem selbständig geforscht und Projektverantwortung übernommen wird. Dass die Industrie jemanden mit BSc nicht einstellen würde, war für uns immer klar. Das theoretische Wissen bei einem BSc liegt sicherlich über dem, was in den entsprechenden Lehrberufen vermittelt wird, die praktische Ausbildung ist aber in den Lehrberufen ausgeprägter. Für einfache Tätigkeiten ist er BSc-Inhaber dann zu gut bzw. falsch ausgebildet, für Leitungs- und Führungsaufgaben zu schlecht. Bei unseren Planungen wurde daher immer davon ausgegangen, dass eigentlich nahezu jeder Studierende, der den Bachelor schafft, auch einen Master- oder einen Promotionsabschluss macht. In Physik und Biologie promovieren viele, in Chemie ist die Promotion nach wie vor die Regel. Und wir denken nicht nur so, wir sagen es auch so. Studierenden vorzugaukeln, dass das Studium sinnvollerweise mit dem BSc enden sollte, wäre eine große Lüge… So einen Blödsinn verkünden auch in der Regel nur Politiker.
harka2 29.09.2012
4. Nicht die Zeit sondern die Inhalte sind das Problem
12 Jahre zum Abi würde reichen, wenn man die Lehrpläne entrümpelte und Stunden streichen würde, statt dessen wird, was hinten raus gespart wird, in die Pläne der 9. und 10. Klasse reingedrückt - Lange Schultage, angeblich ganztagschulig sinnvoll (ha,ha) sind die Folge, die schon mal Schulfrust oder Stumpfsinnige Abdienmentalität fördern. Im Studium droht dann das Uni-Chaos mit Vorlesungen ohne Einführung und ohne ergänzende Seminare, weil zuviele Studenten auf zu wenig Kapazitäten stoßen. Mancher "studiert" also erstmal Fach-chinesisch und verplempert Zeit, bis er im 3. oder 4. Semester anfängt durchzusehen oder -- hinschmeißt. Die zusätzliche Aufweichung des Abiturs führt dazu, dass Abiturienten mit super-Abschlussnoten in Wirklichkeit manchmal kaum alphabetisiert sind ... Das Thema Ausbildungsverzweiflung gammelt seit Jahrzehnten vor sich hin, das entstand also nicht erst durch die jetzige "Verkürzungsdiskussion". In der DDR gab es 40 Jahre lang nur das 12jährige Abitur und dieser Punkt gehörte nicht zu den Gründen ihres Untergangs.
hopfen&malz 29.09.2012
5.
Zitat von BouvardPecuchetFrau Wilcke hat recht. Die Verkürzung der Schulzeit zum Abi von 9 auf 8 Jahre dient wohl vor allem der Einsparung von Lehrern. So sollen dann immer jüngere Leute für die Wirtschaft bereit stehen, während die Frage nach dem gesellschaftlichen Auftrag der Schule, der doch in der Vermittlung von Bildung und nicht ausschließlich von Wissen bestehen sollte, nicht mehr gestellt wird. Für Bildung ist schlicht keine Zeit mehr! Wie soll so aus den heute jungen Menschen etwas anderes werden als ein Heer von angepassten Bausparern, die schon mit 20 die Rente geplant haben? Ist es das, was unsere Gesellschaft wirklich will oder braucht?
Ach wie schrecklich, deutsche Schüler müssen das Abitur jetzt in der gleichen Zeit schaffen wie sonst überall auf der Welt. Weinen Spanier, Italiener oder Polen von mir aus wenn sie über 20 sind, nicht mehr? Ist Weinen an sich ein Zeichen für gescheiterte Reformen oder zu viel Leistungsdruck? Ist so ein Artikel ernst gemeint? Bildung in einer deutschen Schule, das ich nicht lache, Indoktrination triffts eher! Wissensvermittlung? Schwach... Übrigens, welche Rente, welche Bausparer? Wer daran noch glaubt, hat mit Sicherheit das deutsche Schulsystem mit besten Kuschelnoten absolviert...
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