Vertretungslehrer Marc Terenzi Nachsitzen mit Sarahs Lover

Ob als Kuschelrocker, Sarah-Connor-Ehemann oder Serienstar – Marc Terenzi mischt überall mit. Das Jugendmagazin "Spiesser" hat seine Qualitäten als Musiklehrer getestet und schickte Terenzi zur Vertretungsstunde in die Schule.


Freitag, 14 Uhr. Man sollte sie alle für verrückt erklären: Es sind Ferien, und trotzdem strömen dutzendweise Schüler, vorwiegend Mädchen, in den kleinen Saal des Kulturzentrums Mon Ami Weimar. Sie haben ihre Freundinnen mitgebracht und deren Freundinnen und manche sogar ihre Mütter. Das nur, weil "Spiesser" ihnen eine Musikstunde mit Marc Terenzi versprochen hat.

Marc Terenzi am Klavier: Musiklehrer mit Promi-Bonus
SPIESSER

Marc Terenzi am Klavier: Musiklehrer mit Promi-Bonus

Kurz vor der Stunde wirkte er noch wie ein schüchterner kleiner Junge, vor der versammelten Schülerschaft setzt Marc Terenzi aber gleich mal das Rockstar-Lächeln auf - das sollte sich vielleicht der eine oder andere Lehrer mal abgucken. Die ersten Reihen schmelzen dahin. Lehrer Terenzi stellt die erste Frage: Spielt jemand in der Runde ein Instrument? Ein Mädchen hebt vorsichtig die Hand.

Schülerin: A piano.

Marc Terenzi: I love the piano!

Aha, also offenbar ein gutes Instrument, um Rockstar zu werden. Marc setzt sich ans Klavier, spielt etwas und erzählt weiter. Seine Managerin Winnie übersetzt.

Winnie: Marc liebt das Klavier, weil man sehr gut spielen und gleichzeitig dazu singen kann. Er hat angefangen, wie alle, erst mit einem Finger, dann mit dem Zweiten, das klingt schon besser.

Marc erzählt, dass er nie Musikunterricht hatte. Dass es auch ohne geht, demonstriert er gleich: Er spielt und singt "Right here waiting" von Richard Marx. Die Klasse ist mucksmäuschenstill. Auch die, die eben noch geschnattert haben. Singen kann er.

Marc: If you want you can learn everything, even without money. Singing under the shower or in the car is a great way to start.

Auch ein gutes Vorbild kann dabei ganz nützlich sein.

Marc: When I was twelve years old, I saw Aerosmith in concert. I was in the last row, the worst seat you can ever have. And I felt like Steven Tyler was singing just to me. When I saw that I knew, that I want to be in a band.

14.25 Uhr, nach dem vielen Erzählen und Singen ist die Stunde schon fast rum. Die versammelte Schülerschaft wird mutiger und beginnt, Fragen zu stellen. Ob etwa auch zur Rockstar-Karriere gehört, das Fernsehen bis ins eigene Wohnzimmer zu holen, wie es Marc und seine Frau Sarah Connor gemacht haben - oder ob das alles nicht ein bisschen viel sei?

Schülerin: Do you love the camera?

Winnie übersetzt: Am Anfang war das schon gewöhnungsbedürftig, er plus Sarah, die Kameras und das ganze Team in einem Raum. Und wenn man eine Bewegung macht, folgt einem der ganze Trupp. Trotzdem steht er gerne sowohl vor als auch hinter der Kamera.

Dann kommt eine ganze Reihe der üblichen Fan-Fragen, ob er viel Zeit mit seiner Familie verbringt und so. Marc erzählt von seinem Haus in Wildeshausen und warum Söhnchen Tyler manchmal nicht schlafen kann.

Lisa: Are there Fans at your home?

Marc: All the time. Sometimes we go out and say "Hi". They are screaming your name, and they started at six in the morning: "Sarah-Marc".

Marc verzieht das Gesicht, die Klasse kann sich das Lachen nicht verkneifen. Manchmal sind die Fans auch etwas seltsam.

Winnie: Eines Abends stand eine Frau vor der Tür und fragte nach Tickets für Marcs Konzert. Er riet ihr, einfach welche zu kaufen, aber die Dame wollte sie gleich. Auf die Frage, "Warum?", antwortete sie nur: "Ich mag Bäume!" und rannte weg. Marc hat sie nie wieder gesehen.

Die Schüler kichern. Ein Blick auf die Uhr verrät: 45 Minuten sind schon lange vorbei. Das gefällt den Herrschaften gar nicht, sie würden lieber überziehen. Zur Versöhnung spielt Marc noch ein Lied von Aerosmith und seinem Idol Steven Tyler: "I don't want to miss a thing". Bewegte Stille, schließlich stürmender Applaus für Herrn Lehrer!

Zwar wissen wir jetzt immer noch nicht, wie man einen Klimperkasten bedient oder Rockstar wird. Aber wir haben gelernt, dass die hübschen Jungs, von denen man glaubt, sie täten nicht mehr, als mit dem Popo zu wackeln, richtig nett sind - und durchaus singen können. Auch das Urteil der Klasse überzeugt: absolut sympathischer Lehrer.

Nachsitzen muss Marc Terenzi trotzdem. Die Schüler müssen noch testen, ob er das Autogramme-Geben beherrscht - denn das gehört ja auch zum Beruf eines Rockstars.

Susann Springer



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