Vertretungslehrer Oliver Korritke Die offiziell aufgemotzte Sportstunde

Er ist Schauspieler und Moderator der MTV-Sendung "Pimp my Fahrrad". In Dresden schickte das Jugendmagazin "Spiesser" Oliver Korritke für eine Vertretungsstunde in die Schule - Protokoll eines sportlichen Überraschungsbesuchs.


Freitag, 14 Uhr, letzter Tag vor den Ferien. Heute steht für die Jungs der 46. Mittelschule Fußball mit Vertretungslehrer Oliver Korittke auf dem Plan. Einige haben noch ein paar Freunde mitgebracht, immerhin kennt man den Herrn Lehrer schon aus dem Fernsehen.

Moderator Oliver Korritke: Pimp my Sportstunde
Spiesser

Moderator Oliver Korritke: Pimp my Sportstunde

14.10 Uhr. Nach der Begrüßung ("Moin" statt "Guten Tag") wird erstmal gekickt und sich mit Torschüssen warm gemacht - Olli sammelt erste Sympathie-Punkte, doch er ist mehr Mitspieler als Lehrer. Die Jungs amüsieren sich - bis der "Spiesser" zur Disziplin mahnt und alle in die Mitte zusammenruft. Schließlich soll der Lehrer auch noch ein bisschen was erzählen, das geht doch so nicht. Wenig später sitzen die Jungs in der Mitte und lauschen gespannt Ollis Worten.

14.25 Uhr. Zuerst geht es um Strategie, da kommt vom Trainer aber recht wenig. Also erzählt Olli ein bisschen was aus seiner Fußball-Vergangenheit, die scheint aber eher von Spaß statt von ernsten Zielen getrieben gewesen zu sein.

Olli: Ich hatte keinen Plan von Technik. Aber ich hab früher trotzdem viel Fußball gespielt. Größtenteils hab ich im Tor gestanden. Irgendwann musste ich dann aufhören, weil die Schauspielerei schon so viel Zeit in Anspruch genommen hat.

Jeder der Jungs hat eigene Lieblingsmannschaften und Idole. Und da ist es für alle viel interessanter, wenn auch Olli damit rausrückt...

Olli: Ich bin Herta BSC-Fan. Als es noch die Mauer gab, waren meine Kumpels und ich sogar kleine Dynamo-Dresden-Fans. Bei den Spielern fällt mir nur Podolski ein, weil er jung und wild ist.

Das gefällt unserem Olli. Wild ist er auch, denn sobald mal ein Ball an ihm vorbeirollt, schnappt er ihn und dribbelt damit herum.

Schüler: Und ein anderes Sport-Idol?

Olli: Michael Jordan. Der spielt super Basketball. Der hat als kleiner Rookie angefangen und sich durch sein Talent und Training nach oben gearbeitet. Jetzt hat er sein eigenes Modelabel.

14.35 Uhr. Das Thema Sport ist endgültig ausgereizt. Olli ist ja vor allem Schauspieler und da wollen die Jungs auch noch was wissen.

Schüler: Wie bist du zum Schauspielern gekommen?

Olli: Durch viel Glück. Als ich vier war, stand einfach irgendwann jemand vom Fernsehen in der Kneipe meiner Mutter und fragte, ob ich nicht bei der Sesamstraße mitmachen wollte. Eigentlich ist es schon ein Wunder, dass ich vor der Kamera gelandet bin.

Glück also. Das nützt den Jungs eher wenig für ihre berufliche Zukunft. Sie hatten auf einen Tipp gehofft, es ihm nachtun zu können. Doch Olli redet munter weiter:

Olli: Wer nichts erwartet, bekommt alles.

Das Team tauscht vielsagende Blicke: Ob das wirklich reicht für's Leben?

Olli: Aber hinter allem, was ich tue, steckt viel harte Arbeit. Das sollte auch bei euch so sein. Wenn ihr hart arbeitet, werdet ihr auch ganz sicher dafür belohnt. Das hilft schon ein wenig. Hart arbeiten ist etwas, wofür man sorgen kann. Für Glück nicht...

Schüler: Warum spielst du in deinen Filmen immer die Verlierer, bist du selbst ein Loser?

Olli: Ich spiele lieber solche Figuren als irgendwelche Bösewichte. Sie sind menschlich. Es passieren unvorhergesehene Dinge wie im wahren Leben auch. Ich möchte natürlich bleiben.

Die meisten Jungs kennen den Schauspieler aber nicht aus Filmen, sondern aus seiner MTV-Show "Pimp my Fahrrad". Und ihre Räder haben alle rein zufällig mitgebracht.

Schüler: Warum machst du diese Show?

Olli: Weil wir die Jugendlichen aus ihren Häusern rausholen wollen. Das Fahrrad ist eine gute Möglichkeit, sich als Jugendlicher draußen frei zu bewegen. Sport allgemein ist gut.

Es ist jetzt 14.45 Uhr, somit ist die Stunde vorbei. Die Jungs springen auf und stürzen sich auf die Getränke, einige holen ihr Fahrrad. Olli muss darauf Autogramme geben.

Am Ende macht Olli noch was, was jeder Lehrer machen sollte: Er verteilt echte Lederfußbälle von einer Jeansmarke an die Jungs. Die hat er mitgebracht, weil der Platz gerade frisch saniert wurde. Die Aktion "Wanted - Rettet die Bolzplätze" ist schließlich unter seiner Schirmherrschaft gelaufen.

Durch die Bälle bestochen, bleibt den Jungs nur die Note sehr gut. In einem Punkt stimmen die Jungs der 46. Mittelschule Dresden überein: Als Mensch ist Oliver Korritke wirklich ein dufter Typ, aber als Lehrer sollte man ihn lieber nicht auf Schüler loslassen. Wie heißt es so schön - Schuster, bleib' bei deinen Leisten.

Antonia Kühnemund



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