Vertretungslehrerin Nela Eine Viva-Moderatorin plaudert über Einwanderung

Sonst moderiert sie Chartshows bei Viva, doch in Berlin schickte das Jugendmagazin "Spiesser" Nela, 25, zur Vertretungsstunde in ein Gymnasium - Protokoll eines Überraschungsbesuchs im Grundkurs Politik.


Zurück in die Schule: Moderatorin Nela Panghy-Lee
Spiesser

Zurück in die Schule: Moderatorin Nela Panghy-Lee

12.50 Uhr, Stundenklingeln: Schnell noch schüttelt Viva-Moderatorin Nela der Direktorin Frau Ruprecht die Hand, dann steht sie gespannt im Hausflur des Goethe-Gymnasiums in Berlin-Charlottenburg. Die 12. Klasse wartet in Zimmer 301 eigentlich auf die Lehrerin für Politwissenschaften und weiß noch nichts von ihrem Glück.

12.55 Uhr: Nela betritt die Klasse. Mit lustig gekrümmten Fragenzeichen im Gesicht verfolgt die Klasse den Weg von Nela durchs Zimmer an die Tafel. Unterrichtsbeginn.

"Spiesser": "Das ist Nela. Sie moderiert auf Viva die 'Club Rotation' und verschiedene Chartshows. Seit September moderiert sie auch die 'Fun Factory' auf ZDF tivi. Kennt jemand von euch Nela?"

Vier Leute heben den Arm, aber in den Augen der anderen verschwinden langsam die Fragezeichen und sie wissen jetzt, wo sie die kleine Dame da vorn einzuordnen ist.

Nela: "Hallo, ich werde heute den Politikunterricht übernehmen, obwohl ich das in der Schule nie wirklich spannend fand. Mein Thema: Immigration. Habt ihr erst mal Fragen? Kann auch zu Viva sein - Hauptsache ihr fragt."

Klasse: "Muss man dich jetzt siezen?"

Nela: "Bloß nicht! Ich bin doch selbst erst 25 Jahre alt. Ihr seid doch auch schon ungefähr 17 - wisst ihr denn schon, was ihr mal werden wollt?"

Klasse: "Viva-Moderator werden."

Lachen in der Klasse.

Nela: "Na dann leg ich mal los. Meine Mutter kam Mitte der siebziger Jahre als Krankenschwester von Korea nach Deutschland. Mein Vater ist etwa zur gleichen Zeit aus Ungarn vor dem Kommunismus geflüchtet. Sie haben sich verliebt und sind zusammen in einen kleinen Ort an den Bodensee gezogen. Dort bin ich dann auch da geboren und groß geworden."

Klasse: "Gab es da je Probleme mit Fremdenhass oder Diskriminierung, wegen deines Äußeren?"

Nela: "Natürlich wurde ich auch gehänselt, Kinder sind eben grausam. Ich bin auch immer aufgefallen. Als ich dann mal nach Korea gereist bin und sich gar niemand nach mir umgedreht hat, weil ich eben aussah wie jeder, hat mich das schon gestört. Ab früher fand ich es ganz cool, anders auszusehen."

Getuschel in der Klasse.

Nela: "Ein bisschen mehr Aufmerksamkeit bittschön! War denn schon einmal jemand von euch in Korea?"

Marian: "Ja!"

Nela (erleichtert): "Ach schau mal, da erzähl doch mal was von dir."

Marian: "Ich bin auch Halbkoreaner und bin wie du mit lauter deutschen Kindern groß geworden. Ich war schon in Korea, aber da will ich echt nicht hin. Da wird man in der Schule noch geschlagen, wenn man zu spät kommt."

Nela: "Hat von euch generell schon mal negative Erfahrungen mit anderen Kulturen gemacht?"

Benni: "Ich wurde auf meiner Schule in Kreuzberg immer 'Kartoffel' genannt, weil ich der einzige Deutsche unter vielen türkischen Mitschülern war."

Nela: "Seid ihr eigentlich alle hier groß geworden?"

Klasse: "Ja."

Nela: "Ich bin erst vorletzte Woche von Köln hierher gezogen, weil Viva doch jetzt zu MTV gehört und wir deshalb alle nach Berlin ziehen. Meine Wohnung ist sogar 76 Quadratmeter groß!"

Klasse: "Wohin denn da genau?"

Hämisches Grinsen, Nela schweigt. Jetzt fahren die Jungs auf der Flirtschiene und melden sich, was das Zeug hält. Nela rückt die Adresse trotzdem nicht raus. Die Lehrerin greift ein, schließlich stand Migration auf dem Lehrplan von Klasse 12!

Nela als Lehrerin: "Ein bisschen mehr Aufmerksamkeit bittschön!"
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Nela als Lehrerin: "Ein bisschen mehr Aufmerksamkeit bittschön!"

Lehrerin: "Würden Sie Berlin denn als Schmelztiegel von Kulturen betrachten?"

Heiße Diskussionen brechen aus. Viele Kulturen leben nebeneinander, aber leben sie auch zusammen? Meinungen prallen aufeinander und Nela verhält sich erst mal ruhig.

Nela (rundet ab): "Meine Eltern lieben die deutsche Kultur und sind auch starke Vertreter von Ordnung und Pünktlichkeit. Meine Mutter kocht nicht einmal mehr richtig Koreanisch."

13.35 Uhr, Pausenklingeln: Kurze Verabschiedung.

Nela: "Das nächste Mal machen wir dann Bio, ja?"

Grinsen. Die Schüler poltern auf den Hof - große Pause.



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