Vertretungsstunde mit Clueso Mikro raus, Raparbeit!

Nach den Bühnen erobert Clueso nun auch Klassenzimmer. Das Jugendmagazin "Spiesser" schickte den Rapper als Vertretungslehrer in seine alte Schule in Erfurt. Dort zeigte er den Schülern, wie man "Füller" auf "Knüller" reimt. Und trotzdem lässig bleibt.


11.55 Uhr: Zwei Typen stürmen die Klasse, einer mit Megafon in der Hand. Die Schüler sind vom Hocker: Das ist nicht ihre Deutschlehrerin, das ist Clueso! Mitgebracht hat er seinen Bandkollegen Norman Bates.

Clueso: Das hier ist keine Übung, sondern bitterer Ernst! Los geht's.

Jetzt kommt Leben in die Bude, die Schüler sind mit einem Mal hellwach. Kein Wunder, das Megafon bringt jeden auf die Beine.

Clueso: So früh sind wir noch nie raus aus dem Studio. So spät sind wir auch noch nie zur Schule gekommen.

Die Klasse lacht.

Bates: Ey, ich hab noch einen. Hefte raus, Klassenarbeit, aber schnell. Was ihr länger braucht, geht von eurer Zeit ab.

Großes Gejohle. Jetzt ist aber Schluss mit lustig, es steht schließlich nicht Witze reißen, sondern Deutsch auf dem Stundenplan.

Clueso: Wir wollen mit euch in Deutsch einen Workshop zum Thema Rappen machen. Ihr werdet mit uns zusammen heute Reime schreiben. Jeder soll am Ende einen eigenen Vierzeiler stehen haben. Hat denn einer von euch Ahnung von HipHop, Rap, Breakdance und so?

Großes Schweigen. Doch Mandy petzt schließlich.

Mandy: Felix rappt.

Felix duckt sich und sagt erstmal nix. Also gibt es für alle eine Portion Theorie, bevor es ans Selbstgemachte geht.

Clueso: Es gibt verschiedene Textarten im Rap. Da wären Representtexte, Battletexte und klassisches Storytelling. Bates, schreib das mal an! Wie schreibt man eigentlich Representtext? Das ist doch Englisch, auf Deutsch heißt das dann Repräsentiertext. Dann schreib halt das an, Bates!

Clueso (verteilt derweil weiter Ansagen): Wir wollen, dass ihr einen Representtext schreibt.

Die meisten schauen ein wenig ratlos aus der Wäsche.

Bates: Wir wollen, dass ihr, wenn ihr eure Texte schreibt, einfach euer Umfeld ein bisschen reflektiert, eure Schule, euren Fußballverein, von mir aus auch die Fußballweltmeisterschaft. Ihr könnt natürlich auch dagegen schreiben, wie eure Stimmung gerade so ist. Einen Representtext schreiben bedeutet, seine Meinung zu sagen. Hier geht es ausnahmsweise nicht um Grammatik und so, sondern nur um eure Kreativität.

Clueso: Beim Storytelling erzählt man eine Geschichte, etwas, das man erlebt hat. Wenn ihr wollt, könnt ihr auch einen Battletext schreiben. Aber wir möchten nicht, dass ihr euch gegenseitig runtermacht. Da müsst ihr schon eine clevere Idee haben.

Die Klasse macht sich an die Arbeit, erst zögerlich, dann aber voll Feuer und Flamme für die ungewohnte Aufgabe. Im Hintergrund läuft ein lässiger Beat vom Band, die ersten sprechen ihre Texte im Takt leise mit, Clueso flitzt durch den Raum und hilft hier und dort.

Clueso: Los, in den letzten Minuten wollen wir eure Texte hören.

12.20 Uhr: Doch dann gibt es ein kleines Problem. Die Anlage, die die Jungs mitgebracht haben, funktioniert nicht.

Clueso: Kein Problem, dann machen wir den Beat halt selbst.

Und schon legt er los, klemmt sich hinters Mikro und entpuppt sich als wahres Beatgenie. Die erste ist dran. Lisa wird ein bisschen rot um die Wangen, dann traut sie sich aber doch, unterstützt von ihrer Banknachbarin.

Lisa: Ich habe die Nacht durchgemacht und bin neben vielen Bierflaschen aufgewacht...

Die Klasse klatscht und lacht. Lisa scheint ein verborgenes Raptalent zu sein.

Bates: Ey, hast du die letzte Nacht mit Clueso im Stadtgarten gefeiert? Dein Text ist klasse Storytelling.

Karolin und Franziska aus der letzten Reihe bekommen das Mikro in die Hand gedrückt. Sie sind schon warm vom Mitnicken und legen gleich los.

Karolin und Franziska: Der Spitzer ist ein flotter Flitzer, der Füller ist der Knüller!

Clueso: Hey, ihr habt also eure Utensilien represented!

Die Schüler haben ihr Bestes gegeben, jetzt ist der Meister persönlich dran. Clueso schnappt sich seine Gitarre und gibt live und in Farbe ein Ständchen. Aus dem coolen Rapper wird plötzlich der nette Gitarrenjunge von nebenan. Den mögen die Mädels viel mehr.

12.45 Uhr: Für Clueso und Band wird es Zeit zu gehen.

Clueso: Was wir euch mitgeben wollen, ist, dass man manchmal einfach machen sollte, worauf man Lust hat. Und drauf pfeift, was die anderen sagen. Fehler sind das Wichtigste und Richtigste, was ihr machen könnt, denn nur aus Fehlern könnt ihr lernen.

Das ist doch ein Rat, den die Schüler gerne beherzigen. Besonders in der nächsten Mathearbeit.

Clueso: Habt immer Respekt voreinander, darauf kommt es an!

Dann schnappt er sich sein Megafon und zieht lärmend durch die Gänge ab.

Protokoll: Dorothea Löffler

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