Vertretungsstunde mit Die Happy "Yes, boys, bring her flowers!"

Welche Lieder lieben Schüler heute? Sängerin Marta Jandova und Gitarrist Thorsten Mewes von der deutschen Band Die Happy wollen es wissen. Für das Jugendmagazin "Spiesser" geben sie an der Osnabrücker Ursulaschule eine Englisch-Stunde - und hören traurige Songs.

Matthias Popp

9.40 Uhr: Die Zwanzig-Minuten-Pause ist zu Ende. Höchste Zeit, dass die 30 Schüler ihre Plätze einnehmen. Englisch- Lehrerin Frau Mielke huscht noch schnell in die vorletzte Reihe, und schon ergreift Gitarrist Thorsten das Wort - und sucht sich den ersten Freiwilligen, der eine Lebensweisheit teilen möchte.

Thorsten: I guess someone wants to start with his favourite song. Who wants to be first?

Alle Schüler haben heute ihren persönlichen Lieblingssong mitgebracht, doch noch traut sich niemand.

Thorsten: Maybe we should start with you, Simon. Which song did you bring today?

Simon: The song "Der Tod und das Mädchen". It's about Death who wants to kill a little girl.

Der Tod will also einem Mädchen ans Leben?

Marta: That's a very happy song! (Lautes Lachen) Is it about a dad, a father?

Simon: Nein, not a dad! Death! Der Tod!

Ah ja, auch Vertretungslehrer verhören sich einmal. Hätten wir das dann auch geklärt. Sängerin Marta führt inzwischen eine Strichliste an der Tafel über traurige und fröhliche Songs.

Isabel: One of my favourite songs is "If today was your last day" from Nickelback. I like it because of the text and the voice of the singer…

Thorsten: …and because he is a very handsome guy.

Marta widerspricht vehement: Chad Kroeger von Nickelback gutaussehend? Ganz klar, hier muss abgestimmt werden!

Marta: Ok, who thinks the singer of Nickelback is handsome?

Nur Thorsten meldet sich.

Marta: Who thinks he isn't handsome?

Die Arme zweier Mädels und Martas gehen in die Höhe. Armer, unattraktiver Chad. Aber zurück zum Song.

Isabel: I would say it's a song that should make us think about life.

Sinnieren über das Leben also bei Nickelback, Carpe diem und so. Vertretungslehrer Thorsten erkennt hier gleich die Verbindung zu seiner Band.

Thorsten: That's also the meaning of "Die Happy"!

10.04 Uhr: Trotzdem kommt noch eine Stimme für einen "Sad Song".

Ann-Kathrin: I very much like "Welcome To My Life" by Simple Plan. It's about being desperate and feeling misunderstood…

Huch, klingt ganz schön heftig: verzweifelt sein, so früh am Morgen.

Marta: Are you desperate?

Ann-Kathrin: No, but sometimes I can sympathize with this person really well.

Aha, Ann-Kathrin kann sich also nur gut in Songtexte reinversetzen. Oder ist es etwa doch mehr? Marta ist skeptisch.

Marta (scherzt): Maybe it is not a good idea that you sit so close to the window?

Nicht nur Ann-Kathrin muss lachen. Keine Gefahr, und die Fenster bleiben zu.

Judith: My favourite Song is "Like a lady" by Monrose.

Marta (singend): "Treat me like a lady, like a boy should."

Thorsten: I think it is a love song. The boy should be nice to her…

Jungs sollten Mädchen Blumen und Komplimente schenken, wünscht sich nicht nur Marta.

Marta: Yes, boys, bring her flowers! Tell her she looks pretty and your life will be much easier. Ok? Because - we are women, we need to hear this! Even if it is a lie.

Marta will also von einem Mann Komplimente bekommen, egal, wie sie gerade aussieht? Auch eine Idee! Inzwischen hat sie die Strichliste an der Tafel vervollständigt, es steht 20 zu 9 für die "Happy Songs". Jetzt teilt sie den Text von Pearl Jams "Jeremy" aus, der ist allerdings alles andere als happy...

Marta: It is a song about a boy called Jeremy who gets bullied at school. He actually shot himself in front of the whole class because he was bullied.

Wie bitte? Jeremy erschießt sich in seiner Klasse wegen Mobbing?

Marta: It happens at every school that kids are unhappy because someone is picking on them.

Das ist jetzt aber starker Tobak. Der Apell zum Nachdenken fruchtet, alle wirken bedrückt. Marta kümmert sich darum.

Marta: We play a happier song right now.

10.23 Uhr: Zum Abschluss gibt's ein Songdiktat. Thorsten packt seine Gitarre aus. Die Happy unplugged, und alle versuchen, die Worte des Songs mitzuschreiben. Eine Korrektur bleibt aber aus. Die Glocke läutet die Pause ein.

Aufgezeichnet für das Jugendmagazin "Spiesser" von Sandy Richter



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neoy 28.10.2010
1. Armes Deutschland!
Herr im Himmel, was ist hier nur los? Was ist denn nun genau der Inhalt dieses gänzlich uninspirierten Artikels? Soll DAS etwa pädagogisches Engagement im Jahr 2010 sein - "wir reden auf Englisch über den Musikgeschmack der Jugend um 15"? Und das mit einem "Vertretungs-Lehrer"-Pärchen, bei welchem zumindest der männliche Part nicht weiter vom Attribut "Lehrer" entfernt sein könnte - zumindest im Hinblick auf seine eigene Schulzeit, die ich mit ihm ertragen durfte... Das Ganze erinnert mich doch eher an eine kleine Werbetour durch Klassenzimmer bei mangelndem Absatz der letzten (ebenso uninspirierten) CD`s! Stellt sich die abschließende Frage: wer hat wohl im Anschluss an diesen "pädagogischen Exkurs" des "Die happy"-Paares die Kassen der beiden ein wenig klingeln lassen? Wirklich, übles Marketing! Schäm` Dich, Würmi!
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