Schulsport Forscher bezeichnen Dodgeball als "legalisiertes Mobbing"

Teams wählen, Gegner abwerfen: Kaum etwas wird im Sportunterricht so häufig gespielt wie Völkerball. Aus Kanada kommt nun scharfe Kritik: Das dem Völkerball ähnliche Dodgeball fördere Unterdrückung und Mobbing.
"Die Botschaft beim Dodgeball lautet: Es ist okay, andere zu verletzen" (Symbolbild)

"Die Botschaft beim Dodgeball lautet: Es ist okay, andere zu verletzen" (Symbolbild)

Foto: Steven Errico/ Getty Images

Wer Schulsport schon immer schlimm fand und sich vorm Völkerballspielen am liebsten gedrückt hätte, dürfte sich jetzt bestätigt fühlen: Das Spiel, das dem amerikanischen Dodgeball-Spiel ähnelt, ist offenbar alles andere als harmlos, wollen kanadische Forscher um Bildungswissenschaftlerin Joy Butler in einer Studie herausgefunden haben. "Dodgeball ist gleichzusetzen mit legalisiertem Mobbing", sagte Butler dem kanadischen Sender CBC.

Die Wissenschaftler haben Schüler im Alter von zwölf bis 15 Jahren zum Sportunterricht an ihrer Schule befragt, berichtete die "Washington Post".  Die Ergebnisse wurden im Juni auf einem Kongress in Vancouver vorgestellt und sollen demnächst in der Fachzeitschrift "European Physical Education Review" erscheinen.

In den Befragungen sei Dodgeball, eine in Nordamerika beliebte Völkerball-Variante, besonders häufig negativ erwähnt worden. Bei dem Spiel stehen sich zwei Mannschaften gegenüber und versuchen, die jeweils anderen Spieler mit einem Ball abzuwerfen. Ein Team gewinnt, wenn alle Gegner getroffen sind.

Viele Lehrer sehen Dodgeball laut Butler als Hilfsmittel, um Kinder spielerisch auf die "echte Welt" vorzubereiten. Von einigen Schülern werde das Spiel aber als "unterdrückend" und "entmenschlichend" wahrgenommen, so die Forscher. Besonders schwächere Schüler hätten berichtet, beim Dodgeball von stärkeren Klassenkameraden gedemütigt zu werden.

Lehrer sollten mehr über die Spiele im Sportunterricht nachdenken

"Die Botschaft des Spiels lautet: Es ist okay, andere zu verletzen", sagte Butler, die an der University of British Columbia lehrt, der "Washington Post". Im Sportunterricht sollten die Schüler lernen, ihre Aggressionen zu kontrollieren, anstatt sie auszuleben, so Butler. Co-Autor und Pädagogikprofessor Stephen Berg ergänzt: "In der Schule reden wir viel über Freundlichkeit, Empathie und Mitgefühl. Im Sportunterricht verschwinden alle diese Begriffe."

In den sozialen Medien sorgt der Vorstoß für Diskussionen: Man dürfe die Schüler nicht in Watte packen, schreiben einige Nutzer auf Twitter. Andere berichten von ihren eigenen schlechten Erfahrungen mit Völkerball oder setzen sich sogar für ein Verbot des Spiels ein.

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Die Wissenschaftler fordern: Lehrer sollten mehr über die Spiele im Sportunterricht nachdenken, um vor allem schwächere Schüler zu schützen. Außerdem empfehlen sie, die Kinder eigene Spiele entwickeln zu lassen, bei denen sie sich gemeinsam auf Regeln einigen müssen.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Textes hieß es, Forscher bezeichneten Völkerball als "legalisiertes Mobbing". Dem ist nicht so, die Forscher beschäftigten sich in ihrer Studie mit dem Dodgeball-Spiel, das dem Völkerballspiel zwar ähnelt, sich in einigen Punkten aber deutlich unterscheidet. Wir haben den Fehler korrigiert.

jkl
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