Vom Haschisch-Kuchen genascht Zehn Lehrer im Krankenhaus

Mit Verdacht auf Haschisch-Vergiftung wurden zehn Lehrer am Mittwoch ins Lüneburger Klinikum eingeliefert. Sie hatten einen Schokokuchen verzehrt, den Unbekannte vor das Lehrerzimmer des Gymnasiums gestellt hatten. Auch zwei weitere Fälle deuten auf eine geheimnisvolle Verbindung zwischen Haschisch, Schokolade und Schulen.

"Haste Haschisch in der Tasche, haste immer was zu nasche", lautet ein alter Kifferspruch. "Haste Haschisch auch im Kuchen, kann man dich in der Klinik suchen", hat das ein SPIEGEL ONLINE-Leser ergänzt. Zehn Lehrer des Gymnasiums Herderschule in Lüneburg werden darüber kaum lachen können. Sie aßen am Mittwochmorgen einen Schokoladenkuchen, der vor dem Lehrerzimmer stand - und offenbar Haschisch enthielt. Anschließend litten die Lehrer unter Zittern, Unwohlsein und Wahrnehmungsstörungen und wurden ins städtische Klinikum gebracht.

Die Schulleitung informierte daraufhin alle 65 Lehrer und schaltete die Polizei ein. Im Klinikum seien typische Spaltprodukte aus Cannabis gefunden worden, so ein Chefarzt des Krankenhauses. Lebensgefahr bestehe nicht. Zwei der Lehrer hatten das Klinikum am Abend bereits wieder verlassen, die anderen acht blieben noch zur Beobachtung dort. Die Polizei lässt jetzt die Reste des Kuchens im Labor untersuchen. Auch das Gesundheitsamt wurde eingeschaltet.

Ein Sprecher der Stadt hat eine einfache Erklärung dafür, warum die Lehrer den Kuchen arglos futterten: An der Schule sei es üblich, dass Lehrer den Schülern Kuchen abkauften und den Erlös einem Tschernobyl-Projekt stifteten. Daher habe niemand Verdacht geschöpft.

Ausgerechnet beim Schulleiter beschwert

Einen ganz anderen Fall von "dumm gelaufen" in Verbindung mit Haschisch und Schokolade hatte Ende Januar eine Schule in Lothringen gemeldet: Dort ließen sich zwei Gymnasiasten ein halbes Kilo Schokolade statt des bestellten Haschisch andrehen. Weil sie die falsche Lieferung immerhin 900 Euro kostete, beschwerten sich die Schüler. Und zeigten ausgerechnet beim Schulleiter den Diebstahl ihres Geldes an, als wollten sie beweisen, dass Kiffen das Hirn weich macht.

Kein Problem mit weichen Drogen hat der Hamburger Lehrer H. Der 40-Jährige macht sich im Internet für die Legalisierung von Cannabis stark und will dafür notfalls im Rahmen eines Normenkontrollverfahrens bis vor das Bundesverfassungsgericht ziehen. Als Preis bei einer Verlosung auf einer seiner beiden Homepages setzte er, nach eigenen Angaben als "witzige Satire", zehn Gramm Cannabis aus.

Das trug ihm eine Wohnungsdurchsuchung ein, bei der die Polizei 3,8 Gramm Marihuana und 0,6 Gramm Haschisch fand. In erster Instanz verhängte das Amtsgericht 1600 Euro Geldstrafe auf Bewährung wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz.

Am Montag stand der Lehrer erneut vor Gericht und brachte Wodka-Fläschschen mit in den Saal. Und siehe da: Schon wieder kam Schokolade ins Spiel. Man dürfe legal Alkohol trinken und "Schokolade essen, bis ich ins Krankenhaus eingeliefert werde", nur Haschisch sei streng verboten, empörte H. sich laut "Hamburger Abendblatt" über die "Kriminalisierung von Haschisch-Konsumenten". Der Richter konnte ihm nicht folgen und bestätigte das Urteil aus erster Instanz. Der Pädagoge habe "seine Vorbildfunktion nicht erfüllt" und damit "die Schule in höchstem Maße gefährdet".

Anstelle von Hanfprodukten verlost H. auf seiner Website jetzt drei Kisten mit je acht Flaschen Alkohol - "Einsendeschluss: der Tag der Legalisierung" weicher Drogen.

Jochen Leffers


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