Was Schüler werden wollen Polizist oder Paris Hilton

Welchen Beruf erträumt sich ein Schüler? Profi-Sportler, Weltumsegler oder schicker Unternehmensberater vielleicht? Weit gefehlt. Das "Schülerbarometer" hat Jugendliche in Deutschland gefragt, wo sie einmal arbeiten wollen. Das Ergebnis ist erstaunlich.


Wenn sich die Schüler von heute unter allen Arbeitgebern einen auswählen könnten - welcher wäre das wohl? Würden sie Profi-Fußballer bei einem Top-Club werden wollen oder Moderatorin bei MTV? Künstler, Musiker, Abenteurer? Mitnichten. Die Schüler in Deutschland sehnen sich nach einem Arbeitsplatz, der einen bekannten Namen trägt. Das zumindest ist das Ergebnis der Studie "Schülerbarometer 2008" des Umfrage-Instituts Trendence.

Hotel-Erbin Paris Hilton: Der Name zählt
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Hotel-Erbin Paris Hilton: Der Name zählt

Trendence hat rund 11.600 Schüler der Klassenstufen 8 bis 13 von Gymnasien, Gesamt- und Realschulen in ganz Deutschland Fragen gestellt - zu ihrer Zukunft, zum Abschluss, zum Job, den sie einmal machen wollen. Und: bei welchem Unternehmen.

Dieses "Arbeitgeber-Ranking" ist der Teil der Umfrage, der unter genannten Firmen besonders beliebt ist. Schließlich freuen sich Unternehmen über ihre offiziell verkündete Attraktivität. Wenn Studenten gefragt werden, haben diese Rankings auch eine gewisse Aussagekraft. Nämlich darüber, ob ein Arbeitgeber die High Potentials von morgen anziehen wird. Offiziell hat sich auch das "Schülerbarometer" zum Ziel gesetzt, ein "detailliertes Bild der Angebotsseite des deutschen Ausbildungsmarkts" zu zeichnen. Doch die Umfrage unter den Schülern, Durchschnittsalter 17, sagt weniger über den Ausbildungsmarkt aus als über die Art und Weise, wie sich Jugendliche informieren.

Top 10: Schüler

1 ProSiebenSat.1
2 Polizei
3 Hilton Hotels
4 Porsche AG
5 Adidas AG
6 BMW Group
7 Bundeswehr
8 Lufthansa AG
9 Audi AG
9 Microsoft GmbH

Quelle: Trendence Institut

Denn bei einer näheren Betrachtung der beliebtesten Arbeitgeber der Schüler scheinen diese vielmehr die Frage "Welche Firma kennst du?" beantwortet zu haben. Und weil mehr als 90 Prozent der Jugendlichen in ihrer Freizeit vor allem fernsehen, weil zwei von drei Schülern einen eigenen Fernseher besitzen und ProSieben der bei weitem beliebteste Sender unter 12- bis 19-Jährigen ist, lautet der Top-Arbeitgeber der Schüler 2008: ProSiebenSat.1 Media AG.

Lebenswelt aus dem Fernseher

13,5 Prozent der Befragten wollen hier arbeiten, vor allem die Mädchen, und Gymnasiasten noch lieber als Gesamt- und Realschüler. Im Vorjahr tauchte der Medienkonzern noch nicht unter den beliebtesten Arbeitgebern auf. Allerdings erscheint er auch erst in diesem Jahr neu unter den vorgegebenen Antwortoptionen in der Online-Umfrage.

Dicht gefolgt wird ProSieben von einem Arbeitgeber, den Jugendliche aus dem Alltag und aus dem Fernsehen kennen: der Polizei. Nach Zeichentrick-Sendungen sehen sich Schüler nämlich am liebsten Krimis an. Und auf dem dritten Platz findet sich ein Arbeitgeber, dessen Name durch das medienpräsente Partyleben der prominenten Konzern-Erbin ebenfalls regelmäßig im TV-Boulevard erwähnt wird - die Hilton-Hotelkette.

Top 3: Jungs vs. Mädchen

Jungs
1 Porsche AG
2 Bundeswehr
3 Polizei
Mädchen
1 ProSiebenSat.1
2 Hilton Hotels
3 Polizei
Auf den Plätzen drei bis sieben tummeln sich - in dieser Reihenfolge - Porsche AG, Adidas AG, BMW Group, Bundeswehr, Lufthansa und Audi. Unternehmen also, die für Schüler in Frage kommen, die sich für Autos, Flugzeuge, Sport und Militär interessieren. Warum das so ist, das versteht nur, wer den hinteren Teil der Umfrage liest. Dort hat das Trendence-Institut Jungs und Mädchen getrennt nach ihren Lieblingsunternehmen und Ausbildungswünschen befragt. Laut der Studie folgen Schüler ganz klassisch ihren Geschlechterrollen.

Jungs wollen demnach Autos und Flugzeuge bauen, Mädchen zur Hilton-Hotelkette und zu ProSieben gehören oder bei H&M mit Mode umgeben sein. Bei Schülern liegen Ausbildungen im technisch-mechanischen Bereich vor Bau, Handwerk und Informatik. Die Top 3 Ausbildungsbereiche der Mädchen sind Gestaltung und Design vor Gesundheit und Pflege sowie Bildung und Erziehung.

Bei angestrebten Studiengängen sieht die Interessenverteilung ähnlich aus. Jungs möchten Natur- und Ingenieurswissenschaften studieren (insgesamt 40 Prozent), Mädchen Sprach- und Kulturwissenschaften (knapp 20 Prozent), Medizin oder Lehramt (jeweils 11 Prozent). Fest steht: Was die befragten Jungs fasziniert, langweilt die Mädchen und umgekehrt. Und jeder fünfte Schüler wollte sich beim Thema Studienwahl lieber gar nicht festlegen.

cpa

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