Weihnachtsgeschenke Diese Kinderbücher empfehlen SPIEGEL-Redakteure

Sie würden Ihren Kindern gern vorlesen, wissen aber nicht was? Vier SPIEGEL-Redakteure geben Tipps.
Foto: Westend61/ Getty Images/Westend61

Dass alle Jugendlichen dauernd am Handy hängen, mag eine gefühlte Wahrheit sein. Doch Fakt ist: Immerhin jeder Fünfte, der sich im oder nahe am Pubertätsalter befindet, nennt Lesen als liebste Freizeitbeschäftigung.  

Mütter, Väter, Omas, Opas und Lehrkräfte können viel tun, damit dieser Anteil in zukünftigen Umfragen deutlich steigt - und zwar, indem sie Kindern vorlesen, idealerweise schon den ganz Kleinen.

Falls Sie jetzt zurückschrecken, weil Sie an die immer gleichen Geschichten von Mädchen mit roten Hütchen oder Zöpfen und fiesen Wölfen und Räubern denken: Nein, die müssen es ja nicht sein, auch wenn viele Kinder sie lieben.

Es gibt noch sehr viele andere Bücher, die Kindern und gleichzeitig auch Erwachsenen Spaß bringen. Hier stellen SPIEGEL-Redakteure vor, welche Geschichten sie zu Hause mit Erfolg ausprobiert haben.

"Das NEINhorn"

Der Mann, der mit einem Känguru spricht und nach eigenem Bekunden sehr viel Geld mit kapitalismuskritischen Büchern verdient, schreibt auch Geschichten für Kinder. Zu den besten, die Marc-Uwe Kling sich ausgedacht hat, gehört ganz sicher "Das NEINhorn".

Das liegt schon allein daran, dass diesem genialen Bilderbuch ein geradezu paradox anmutendes Kunststück gelingt: Es begeistert sowohl Menschen, die von dem ganzen Einhornmerchandising langsam echt genervt sind (mich), als auch Menschen, die vom Einhornpulli bis zum Einhornlolli alles lieben, was irgendwie einhornig aussieht (meine vierjährige Tochter).

Beide finden in der Geschichte diverse Möglichkeiten, sich mit den Protagonisten zu identifizieren. Das NEINhorn lässt keinen Zweifel daran, dass ihm das lilaliebe Zuckerwattengetue der anderen Einhörner gehörig auf den Senkel geht. Gleichzeitig hat es viel mit normalen Kindern gemeinsam: Es sagt leidenschaftlich gern Nein, daher der Name, und es ist aus Überzeugung bockig.

Mit diesen beiden Eigenschaften ausgestattet, geht es auf die Reise und trifft ähnlich querulantische Weggefährten. Dabei kommt deutlich rüber: Es ist völlig okay, miesgelaunt, unangepasst und widerborstig zu sein, bringt zusammen mit Freunden aber deutlich mehr Spaß als allein.

Die Leser dürfen sich außerdem über kluge und witzige Sprachspiele amüsieren. So wird der Waschbär zum WASbär, weil er immer "Was?" sagt, und die Königstochter zur KönigsDOCHter, weil -… nein, mehr wird nicht verraten. Den verbalen Schlagabtausch "Nein!", "Doch!", "WAS?" mit Kindern zusammen laut vorzulesen, die eigentlich noch gar nicht selbst lesen können, macht richtig gute Laune - ob es dem NEINhorn nun passt oder nicht.

Silke Fokken

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Kling, Marc-Uwe

Das NEINhorn

Verlag: Carlsen
Seitenzahl: 48
Für 13,00 € kaufen
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"Kopf hoch, Fledermaus!"

"Kinder, seid tolerant." So lässt sich die Botschaft dieses Buchs zusammenfassen, und viel komplexer wird es auch nicht. Doch das ist nicht schlimm. Denn auch wenn an die Toleranz gefühlt Zigtausende Publikationen auf dem Kinderbuchmarkt appellieren: Diese lohnt sich.

Das liegt an den lustigen Illustrationen des britischen Zeichners Tony Ross. Und an der netten Art, die Botschaft zu verpacken. Denn der viel beschworene Perspektivwechsel ist hier kein abstrakter mentaler Vorgang.

Tiger, Elefant und all die anderen "jungen, wilden Tiere" können die Sichtweise der Fledermaus nicht nachvollziehen, weil sie sie nicht haben. Sie hängen schlicht nicht kopfüber an einem Ast. Deswegen sind Berge für sie nicht unten spitz und oben breit. Und deswegen steigt ihnen das Wasser nicht bis zu den Zehen, wenn es viel regnet.

Die Fledermaus muss plemplem und vielleicht sogar gefährlich sein, glauben die Tiere. Bis ihnen die Eule rät, die Dinge mal so zu betrachten, wie es die Fledermaus tut. Und dann passiert etwas, das nur in der Kinderbuchwelt funktioniert, in der es sprechende Eulen gibt und die Gesetze der Schwerkraft nicht gelten. Viel Vergnügen beim Kopfverdrehen!

Heike Klovert

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Willis, Jeanne

Kopf hoch, Fledermaus!

Verlag: FISCHER Sauerländer
Seitenzahl: 32
Für 28,52 € kaufen
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"Was liegt am Strand und redet undeutlich? - Rätselwitze und Quatschbilder

Mein Sohn liebt Witzbücher. Seit er vor Kurzem das Buch "Was liegt am Strand und redet undeutlich?" geschenkt bekam, nimmt er es regelmäßig mit in die Schule. Die Scherzfragen sind auch für Leseanfänger leicht zu verstehen und vermitteln ein Gefühl für Sprache.

Niedliche Illustrationen bereichern das Buch zusätzlich. Am meisten haben wir uns über das Bild des "Kaminchens" gefreut, dem Rauch aus seinen großen Ohren kommt. Dieses Buch ist als Last-Minute-Weihnachtsgeschenk auf jeden Fall geeignet.

Sarah Wiedenhöft

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Port, Moni

Was liegt am Strand und redet undeutlich?: Rätselwitze und Quatschbilder

Verlag: Klett Kinderbuch Verlag
Seitenzahl: 48
Für 10,00 € kaufen
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"Hörbe mit dem großen Hut"

Das kleine Gespenst, Räuber Hotzenplotz, die kleine Hexe - diese Figuren, die Otfried Preußler ersonnen hat, kennen viele. Als wir dagegen vor ein paar Jahren "Hörbe mit dem großen Hut" geschenkt bekamen, hatten wir davon noch nie gehört. Was war uns entgangen!

Der Hutzelmann Hörbe, der im Siebengiebelwald wohnt. Der, anstatt Preißelbeermarmelade einzukochen wie alle fleißigen Hutzelmänner, mal was anderes erleben möchte und in den Worlitzer Wäldern auf Wanderschaft geht. Sich seiner größten Angst, dem Ungeheuer Plampatsch stellen muss. Und mit einem neuen Freund zurückkehrt: Zwottel, dem Zottelschratz, der ihm sogar das Leben rettet.

Ein echtes Vorlesebuch, denn Preußler spielt hier so mit dem Klang von Worten wie in kaum einem anderen seiner Bücher. Worte, die man noch nie zuvor gehört hat, und dennoch sofort versteht. Mit wenigen Sätzen lässt er eine eigene Welt entstehen, wie Kinder sie lieben: im Verborgenen, im Dickicht des Waldes.

So stellt Preußler Hörbes winziges Haus vor: "Wie alle Hutzelmannshäuser war es aus Holz gebaut und über und über mit dürren Ästen und Zweigen zugedeckt. Wer da nun zufällig in die Nähe kam und nicht wusste, dass unter dem Reisighaufen am Rand der Lichtung ein Hutzelmannshaus versteckt war, der hätte das nie im Leben für möglich gehalten - wie sollte der auch?"

Viele Kinder bekommen da selbst Lust, im Wald eine Reisighöhle zu bauen. Und sie folgen gebannt den Abenteuern dieses Waldzwerges, der einen Wasserfall hinabstürzt, der ein Unwetter nur dank seines magischen Huts überlebt, der einen Freund findet und lernt, wie eine wirklich gute Freundschaft durch einen Streit besser werden kann.

Hutzelmann Hörbe steht oft im Schatten der anderen Preußler-Figuren, obwohl ihm der Autor mit "Hörbe und sein Freund Zwottel" noch eine Fortsetzung widmete. Die beiden verdienen noch viel, viel mehr Leser.

Matthias Kaufmann

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Preußler, Prof. Otfried

Hörbe mit dem großen Hut: Kinderbuch-Klassiker mit neuen Illustrationen

Verlag: Thienemann Verlag
Seitenzahl: 104
Für 15,00 € kaufen
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"King-Kong, das Weihnachtsschwein"

Zu meinem sechsten Geburtstag bekam ich Knuddel geschenkt: ein Meerschweinchenweibchen, schwarz mit hellbraunen Flecken und abstehendem Fell. Sie begleitete mich jeden Tag, auf den Spielplatz, bei den Hausaufgaben und manchmal sogar in die Schule.

Die Bücher von Kirsten Boie über Jan-Arne und sein Meerschweinchen King-Kong habe ich ihr vorgelesen - und mich sehr gefreut, dass es noch mehr Kinder gibt, die ihre Haustiere so lieben wie ich meine Knuddel.

Mittlerweile habe ich einen Sohn. Seit in seiner Schule ein Mitmachzirkus stattfand, ist "King-Kong, das Zirkusschwein" eins seiner Lieblingsbücher. Wir haben King-Kong schon in die Schule, beim Fußballspielen und in seiner Rolle als Glücksbringer begleitet - und auch jetzt in der Weihnachtszeit hat das süße Schweinchen einen lesenswerten Auftritt.

Sarah Wiedenhöft

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Boie, Kirsten

King-Kong: das Weihnachtsschwein (Büchersterne)

Verlag: Verlag Friedrich Oetinger GmbH
Seitenzahl: 64
Für 8,00 € kaufen
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