Italien Wird Wein bald Schulfach?

Heute stehen Mathe, Sport und Wein auf dem Stundenplan - so könnten sich italienische Schüler bald auf ihren Tag einstellen. In den Bildungsbehörden wird das Fach Weinkunde diskutiert.

Nur ein Frühburgunder - italienische Schüler sollen demnächst mehr über Heimatweine wissen
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Nur ein Frühburgunder - italienische Schüler sollen demnächst mehr über Heimatweine wissen


Der Lehrer barmt: "Nur einen wenzigen Schlock!" Doch die Schüler, denen die Wirkung der alkoholischen Gärung vorgeführt werden soll, sind längst sturzbetrunken (genau gesagt tun sie nur so). Lallend und krakeelend geht es über Tische und Bänke.

Manchem Kollegen kam diese Szene aus dem Heinz-Rühmann-Film "Die Feuerzangenbowle" in den Sinn, als er las, dass es bald verpflichtende Weinkurse an italienischen Schulen geben könnte. Die meisten vermuteten einen Aprilscherz.

Doch der Vorschlag ist ernst gemeint - und so süffig wird es nicht werden. Sicher, Wein ist ein Kulturgut, das die Italiener gerne pflegen. Aber auch in Zukunft nicht mit einer wöchentlichen Verkostung in der Schule.

Für ein Wein-Curriculum wirbt derzeit Dario Stefàno, Senatsmitglied für die Weinregion Apulien im italienischen Parlament und Mitglied der Partei Sinistra Ecologica Libertà, die linksliberale und Umweltschutzpositionen vertritt. Stefàno legte einen Gesetzentwurf vor, wonach italienische Schüler eine Stunde pro Woche die Geschichte des Weinanbaus lernen sollen sowie die Bedeutung des Rebensafts in Kunst, Religion, Musik und anderen Säulen der italienischen Kultur.

Gleicher Umfang wie Musik oder Kunst

Auf das launige Missverständnis, Stefàno fordere betreute Besäufnisse ganzer Schulklassen, kamen natürlich auch gleich viele Italiener. Deshalb stellte der Politiker klar: "Wir wollen unsere Kinder nicht zum Trinken bringen." Trink-Erziehung sollte es allerdings schon geben, wie er in einem Gespräch mit "Il Fatto Quotidiano" erklärte: "Es ist bekannt, dass man mit Wissen über alkoholische Getränke zu einem verantwortungsvollen Konsumverhalten anleiten kann."

Ob sein Vorschlag tatsächlich umgesetzt wird, ist offen. Bevor ein neues Fach Eingang in den Lehrplan findet, muss ein aufwändiges Verfahren durchlaufen werden. Stefàno selbst berichtet von positiven Reaktionen aus den Bildungsministerien vier verschiedener Regionen.

Auch sieht er die Möglichkeit, als Kompromiss die verschiedenen Wein-Themen in den Lehrplänen anderer Fächer unterzubringen. Ein eigenes Fach, im gleichen Umfang wie Musik oder Kunst, wäre freilich Stefànos Idealvorstellung: "Hier sind viele überrascht von der Idee, aber in Frankreich gibt es Vergleichbares bereits seit 30 Jahren", wirbt er. Die Kosten für die Einführung, etwa in der Verwaltung, bei der Erstellung von Lehrmaterial und vor allem bei der Fortbildung von Lehrern schätzt er auf 12 Millionen Euro.

mamk

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