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Status, Vertrauen, Respekt: Was die Welt von ihren Lehrern hält

Foto: Corbis

Weltweite Umfrage zu Status Lehrer werden in Deutschland kaum respektiert

Vertrauen, Respekt, Image: Für ihre Lehrer haben die Deutschen nur wenig davon übrig. Das zeigt eine weltweite Umfrage zu dem gesellschaftlichen Ansehen von Lehrern. Immerhin in einem Punkt liegt Deutschland vorn.

Wie viel sind neun mal acht? Wie buchstabiert man Philharmonie-Orchester? Warum geht der Mensch aufrecht? Die meisten Menschen lernen diese Dinge in der Schule, ihre Lehrer bringen sie ihnen bei. Der Unterricht ist mal besser, mal schlechter, mal einfühlsamer, mal härter, mal spannender, mal langweiliger.

Doch wie gern Kinder und Jugendliche zur Schule gehen, könnte auch von dem Blick abhängen, den sie auf ihre Lehrer haben. Und der ist in Deutschland laut einer Studie ziemlich mies: Mehr als 40 Prozent der Deutschen sind der Meinung, dass Schüler hierzulande ihre Lehrer nicht respektieren. Sowohl mit diesem als auch mit anderen Ergebnissen zum Status und Ansehen von Lehrern landet Deutschland am unteren Ende einer großangelegten Umfrage.

In dem "Global Teacher Status Index 2013", der heute veröffentlicht wird und SPIEGEL ONLINE vorliegt, landet Deutschland nur auf Platz 16 von 21 untersuchten OECD-Ländern weltweit, darunter Ägypten, China, USA und eine Reihe europäischer Staaten. Für die Untersuchung wurden pro Land 1000 Menschen via Internet befragt. Initiiert wurde die Umfrage von der Varkey GEMS Foundation, umgesetzt wurde sie von zwei Forschern und einem Meinungsforschungsinstitut in Großbritannien.

Die Befragten mussten unter anderem angeben, wie sie den Lehrberuf im Vergleich zu anderen Berufen einschätzen, ob Lehrergehälter fair sind und wie sehr - ihrer Ansicht nach - Lehrer von Schülern respektiert werden.

Die wichtigsten Ergebnisse für Deutschland im Überblick:

  • Respekt: Weniger als 20 Prozent der Befragten glauben, dass Schüler Respekt vor ihren Lehrern haben. Besonders die Grundschullehrer kommen schlecht weg: Während Lehrer an weiterführenden Schulen sowie Schulleiter noch mittelmäßiges Ansehen genießen, landet Deutschland bei der Frage des Respekts gegenüber Grundschullehrern nur auf dem fünftletzten Platz von 21 befragten Ländern.
  • Vertrauen: Vertrauen Sie darauf, dass Lehrer eine gute Bildung für die Schüler gewährleisten? Deutschlands Lehrer landen bei dieser Frage im unteren Bereich und hinter allen anderen befragten europäischen Ländern. Allerdings gaben die Befragten an, ein moderates Vertrauen in das gesamte Bildungssystem ihres Landes zu haben und stuften Deutschland hier im mittleren Bereich ein.
  • Image: Weniger als 20 Prozent der Befragten würden ihre Kinder dazu ermutigen, Lehrer zu werden - in fast allen anderen Ländern ist auch diese Zahl höher. Der Lehrerberuf wird in Deutschland am ehesten mit dem Status eines Sozialarbeiters gleichgesetzt - das wiederum ist in zwei Dritteln der teilnehmenden Länder der Fall.

Insgesamt landet Deutschland - trotz überdurchschnittlicher Ergebnisse in den internationalen Schüler-Vergleichsstudien Pisa - am unteren Index-Ende: auf Platz 16 von 21 Ländern. Den höchsten Status genießen Lehrer demnach in China, das niedrigste Ansehen haben Lehrer in Israel. China war auch das einzige Land, in dem der Lehrerberuf am ehesten mit dem eines Arztes verglichen wurde.

Der "Teacher Status Index 2013"

Der "Teacher Status Index 2013"

Foto: Varkey GEMS Foundation

Die wichtigsten Ergebnisse aller Länder im Überblick:

Gehalt, Pisa-Ergebnis und Status von Lehrern in 21 Ländern

Gehalt, Pisa-Ergebnis und Status von Lehrern in 21 Ländern

Foto: Varkey GEMS Foundation
Status von Lehrern im Vergleich zu Pisa-Ergebnissen in dem Land

Status von Lehrern im Vergleich zu Pisa-Ergebnissen in dem Land

Foto: Varkey GEMS Foundation

  • Respekt: Europäische Umfrageteilnehmer gaben sehr viel häufiger als Befragte in Asien und im Nahen Osten an, dass Schüler ihre Lehrer nicht respektieren.
  • Vertrauen: In allen Teilnehmerländern gaben die Befragten an, dass sie großes oder zufriedenstellendes Vertrauen in die Lehrer hätten. Auf einer Skala von eins bis zehn lag der Durschnitt bei 6,3 Punkten. Dabei gab kein Land eine Bewertung ab, die unter fünf Punkten lag.
  • Gehalt: In allen teilnehmenden Ländern fordern mehr als 59 Prozent aller Befragten, dass Lehrer leistungsbezogen bezahlt werden - das heißt, basierend auf den Leistungen ihrer Schüler. Am meisten verdienen Lehrer in Singapur, den USA und Südkorea. Deutschland landet beim Gehalt auf dem fünften Platz.
    • Zusammenhang mit Pisa-Ergebnissen: Es gibt keinen statistischen Zusammenhang zwischen dem Abschneiden eines Landes im Pisa-Bildungstest und dem Vertrauen, das die jeweilige Landesbevölkerung in ihre Lehrer setzt.

Zum ersten Mal wurde mit der Studie versucht, die Einstellung der Öffentlichkeit gegenüber dem Lehrerberuf weltweit zu vergleichen. "Wir haben festgestellt, dass Lehrer in verschiedenen Ländern von der Öffentlichkeit ganz unterschiedlich wahrgenommen werden", sagt Studienmacher Peter Dolton, Ökonom an der University of Sussex. Genau diese Wahrnehmungen seien, so Dolton, die Grundlage für Entscheidungen wie: Wer möchte Lehrer werden? Wie viel Respekt wird Lehrern entgegengebracht? Welche Gehälter sollten Lehrer bekommen? "Letztendlich übt all dies einen Einfluss darauf aus, wie Lehrer ihrem Beruf nachgehen und was sie unseren Kindern beibringen."

Allerdings: Die Untersuchung hat ihre Schwächen. Zwar beansprucht die Umfrage, repräsentativ zu sein in Bezug auf Alter, Geschlecht und Region der Befragten. Dennoch sind Internetumfragen - insbesondere in Ländern ohne flächendeckenden Netzzugang - mit Vorsicht zu betrachten. Offenbar gab es Belohnungen für die Teilnahme an der Umfrage, ein solches Vorgehen kann zu Verzerrungen führen. Zudem bleibt die Frage offen, inwieweit moralische Konzepte wie "Respekt" kulturell vergleichbar sind.

Messungen sind nicht objektiv

Einige der Ergebnisse seien verwunderlich, schreibt auch Andreas Schleicher, Bildungsforscher und Pisa-Koordinator bei der OECD, in einem Vorwort des "Teacher Status Index". Zum Beispiel, dass Lehrer im Pisa-Verliererland Griechenland besser abschnitten als beim Pisa-Gewinner Finnland. Auch wenn die Messungen nicht objektiv sind: Ein interessanter Versuch ist die Umfrage laut Schleicher allemal.

Finanziert wurde die großangelegte Umfrage von Sunny Varkey, indischer Philantrop, Gründer der Varkey GEMS Foundation und Eigentümer einer Privatschulkette, die auch den europäischen Markt erschließen möchte. Varkey findet: "Leider nehmen Lehrer in vielen Ländern nicht mehr den gehobenen Status ein, den wir früher für selbstverständlich hielten."

Für Deutschland hat eine Allensbach-Studie vor einigen Jahren ähnliche Ergebnisse zutage gebracht: Zwei Drittel der Befragten gaben an, Lehrer für überfordert und für unfähig zu halten, den Unterrichtsstoff angemessen zu vermitteln. Zwei Jahre später schnitten Lehrer in einer anderen Umfrage hingegen recht gut ab.

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