"Wer wird Millionär?" Lehrer will lieber Frau als Million

Bei diesem Auftritt taufte Günther Jauch seine Sendung spontan um in "Lehrer sucht Frau": Quizkandidat Christoph Paninka, 39, nutzte die Sendung zur Partnersuche. Der schwäbische Lehrer verblüffte die Zuschauer - und seine Schüler. Die fanden's teils peinlich, teils klasse.


Mit einem ungewöhnlichen Auftritt in Günther Jauchs RTL-Sendung "Wer wird Millionär?" hat ein Lehrer aus Buxheim bei Memmingen für großen Wirbel gesorgt. Christoph Paninka räumte bei der am Montagabend ausgestrahlten Sendung ein: "Ich bin nicht wegen des Geldes hier, sondern weil es schön wäre, wenn die eine oder andere Dame auf mich aufmerksam würde."

Flugs heftete er sich auf dem Kandidatenstuhl einen Aufkleber mit einer eigens für die Partnerinnen-Suche reservierten E-Mail-Adresse (peppig@gmx.de) an sein knallgrünes T-Shirt - denn peppig soll auch die Frau sein, die er sucht, außerdem selbstbewusst, charmant und hübsch. Und lesen soll sie, singen, tanzen, lachen, gern genießen.

Diese Art der Kontaktanzeige war auch für den Moderator neu, und der ist nach neun Jahren Quiz allerhand gewohnt. Günther Jauch taufte seine Sendung spontan in "Lehrer sucht Frau" um.

In Paninkas Schule, dem kirchlichen Gymnasium Marianum, war der furiose Auftritt des Deutsch- und Geschichtslehrers am Dienstagmorgen natürlich das Thema Nummer 1. Von den Schülern wurde Paninka schon mit großer Spannung erwartet. Und sie haben auch schon einen neuen Spitznamen für den 39-Jährigen: "Mr. Peppig" - nach dem Mail-Namen. Inzwischen sind bei dem Single schon jede Menge Zuschriften angekommen. "Ich darf nicht sagen, wie viele es sind, aber es sind jede Menge", sagt der Lehrer kurz vor Unterrichtsbeginn.

Ein Straßenmusiker kennt keinen Schmerz

Die Meinungen der Schüler über den Auftritt des Lehrers sind ziemlich unterschiedlich. "Das war voll peinlich", sagt eine Zwölfjährige. Ein zwei Jahre älterer Mitschüler hingegen findet Paninkas Aktion "richtig klasse". Und auch eine andere Schülerin pflichtet bei: "Ich finde es toll, dass der sich das getraut hat."

Ein Pulk von Schülern bildet sich, als der frischgebackene "Fernsehstar" morgens um kurz vor acht Uhr an der Schule auftaucht. "Krieg ich ein Autogramm, Herr Paninka?", fragt ein Schüler etwas schnippisch, doch der Lehrer fällt nicht darauf rein und wehrt ab.

Dass es viele Schüler peinlich finden, wenn er übers Fernsehen eine Partnerin sucht, lässt den Lehrer relativ kalt. Er sei seit elf Jahren Lehrer und seit 20 Jahren Straßenmusiker, erzählt er. Da habe es schon manche Situation gegeben, die andere als peinlich empfunden hätten. "Als Straßenmusiker lebst du davon, dass andere Leute sich das nicht trauen würden." Mit der Auswertung der Angebote von interessierten Damen will er sich Zeit lassen. Die seriösen Zuschriften werde er nach und nach sichten. "Ich werde nichts übers Knie brechen und die ersten Dates irgendwann ausmachen."

Einige der Kinder schütteln nur den Kopf. "Der wird doch nur noch verarscht", meint eine Schülerin und grinst übers ganze Gesicht. "Jein", antwortete ein Siebtklässler auf die Frage, ob der Unterricht bei "Mr. Peppig" genauso sei, wie es die E-Mail-Adresse des Pädagogen vermuten lässt.

Der Schulleiter: "Originell war das schon"

Die Meinungen über die Erfolgsaussichten von Paninka - sowohl was die Frauensuche angeht als auch das Weiterkommen in der Show - reichen von "das schafft der sicher" bis zu "der kriegt doch so viel Blödelmails, wie soll der da die Richtige rausfinden?"

Derweil versucht Direktor Michael Heinrich, langsam etwas Ordnung in das ungewöhnliche Treiben in seinem Gymnasium zu bringen. Der Gong hat schon geschlagen, als sich die Klassenzimmer erst langsam füllen. "Originell war das schon", meint der Schulleiter zu dem Auftritt seines Kollegen. "Er hat viel gewusst, aber das andere hätte ich nicht so gemacht."

Beim Quiz selbst lief auch abseits von der Partnersuche alles rund für Lehrer Paninka. Einen Joker verbrauchte er bei der 8000-Euro-Frage, einen weiteren bei 32.000 Euro. Auf volles Risiko ging er bei 125.000 Euro zu dieser Frage:

"Welches Land zählt zu den zehn bevölkerungsreichsten Staaten der Erde?"

A: Vietnam
B: Bangladesch
C: Ägypten
D: Philippinen

Mit Bangladesch als Antwort lag Paninka richtig und setzt die Gewinn- und Frauenjagd fort. Bei der Sendung am Freitagabend steht er vor der 500.000-Euro-Frage - und hat noch zwei Joker übrig. Die Chance auf die volle Million ist also nicht schlecht. Der letzte, dem das in der regulären Sendung gelang, war der Student Timur Hahn im Januar 2007.

Christoph Paninka hatte 2007 schon bei SPIEGEL ONLINE bewiesen, dass er richtig schwierige Quizfragen knacken kann - er zählte zu den Finalisten der "Rätselwochen", gewann dort aber nicht. Bereits 2002 hatte er an der RTL-Show "Deutschlands klügster Lehrer" teilgenommen und war im Finale auf Platz 3 gelandet. Nun kündigte an, er werde einen erheblichen Teil seines Gewinnes bei "Wer wird Millionär?" für Kirchenasyl-Organisationen spenden.

Klaus Wittmann, ddp

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