Studie zur Mediennutzung Die Hälfte aller Neunjährigen besitzt ein Handy

Sie lesen lieber auf Papier, doch die Bedeutung digitaler Geräte nimmt mit steigendem Alter rasant zu: Forscher haben die Mediennutzung von 6- bis 13-Jährigen analysiert.

Sie spielen mit Puppen oder kuscheln mit ihren Teddybären, sie fahren Fahrrad oder treffen sich mit Freunden - und irgendwann texten sie lieber Nachrichten und schauen Serien: Je älter Kinder werden, desto wichtiger werden Smartphones, Tablets und Computer für sie. Zu diesem Ergebnis kommt die "Kinder-Medien-Studie 2018". 

Demnach öffnet sich die digitale Welt für Kinder Stück für Stück. Sind sie neun Jahre alt, wird ihr Umfeld zunehmend digitaler. Jedes zweite Kind im Alter von neun Jahren besitzt bereits ein Handy oder Smartphone. Mit 13 Jahren sind es bereits 92 Prozent. In diesem Alter ersetzen elektronische Endgeräte viele traditionelle Spielzeuge.

Den Kindern ist es wichtig, digital ausgestattet zu sein. Aus diesem Grund stehen digitale Endgeräte auch ganz oben auf ihrer Wunschliste: 41 Prozent der Kinder wünschen sich ein Handy oder Smartphone, 32 Prozent wollen ein Tablet haben.

Details zur Studie

Im Rahmen der Studie wurden den Kindern auch offene Fragen gestellt. Zum Beispiel, was für sie das Internet ist:

Die wichtigsten Erkenntnisse der Studie:

  • Kinder nutzen Medien auf verschiedenen Kanälen

Die klassische Unterteilung in Fernsehen, Zeitschriften und Radio ist nicht mehr zeitgemäß. Je älter die Kinder werden, desto mehr nutzen sie Streaming- oder Videodienste. Zwar schauen 87 Prozent aller Kinder Filme, Serien und Sendungen im Fernsehen, aber mehr als 35 Prozent aller 13-Jährigen nutzt mehrmals die Woche YouTube, Vimeo oder andere kostenlose Videodienste.

Ganz junge Kinder nutzen eher klassische Medien. So hören 60 Prozent aller Vierjährigen Musik, Hörspiele oder Hörbücher mehrmals pro Woche auf CD.

  • Kinder lesen am liebsten auf Papier

Kinder bleiben den Printmedien treu: 70 Prozent von ihnen lesen Bücher oder Zeitschriften mindestens mehrmals pro Woche auf Papier. Beim Lesen spielen elektronische Endgeräte und Lesemedien in der Zielgruppe der Vier- bis 13-Jährigen dementsprechend keine Rolle.

  • Kinder kommunizieren auf verschiedenen digitalen Wegen

Die Mehrzahl der sechs- bis neunjährigen Kinder (88 Prozent) nutzt ihre digitalen Geräte zum Telefonieren, lediglich 42 Prozent verfassen damit Textnachrichten. Doch auch Postkarten und Briefe schreiben noch 43 Prozent der Kinder.

Fast alle Zehn- bis 13-Jährigen (97 Prozent) nutzen ihre Handys und Smartphones mindestens ab und zu zum Telefonieren, 90 Prozent schreiben damit Textnachrichten. Vor allem WhatsApp ist für knapp drei Viertel von ihnen (74 Prozent) besonders wichtig.

  • Je älter die Kinder, desto breiter sind ihre Interessen

Die Themen, für die sich Kinder interessieren, hängen zwar immer noch ganz entscheidend vom Geschlecht ab, Mädchen begeistern sich vor allem für Pferde und Haustiere (je 83 Prozent) sowie für Prinzessinnen (79 Prozent) und Jungen für Sport und Autos (je 83 Prozent) sowie für Superhelden (79 Prozent).

Doch mit zunehmendem Alter gewinnen andere Themen für Mädchen und Jungen an Bedeutung. Elfjährige begeistern sich beispielsweise fast gleichermaßen für "Natur und Umwelt" oder auch "Reisen und andere Länder". Und: Mehr als jedes dritte 13-jährige Mädchen interessiert sich für Sport und Fußball.

  • Kinder geben ihr Taschengeld für Süßigkeiten oder Zeitschriften aus

Knapp 23 Euro haben Kinder durchschnittlich im Monat als Taschengeld zur Verfügung. Mädchen erhalten 3,6 Prozent weniger Geld als die Jungen. Doch im vergangenen Jahr lag der Unterschied noch bei 6,8 Prozent.

Kinder ab sechs Jahren geben ihr Taschengeld vor allem für Süßigkeiten oder Zeitschriften aus. Ab zwölf Jahren kaufen sich Kinder vermehrt Getränke, Fast Food, Musik, Kosmetik oder Eintrittskarten ins Kino oder für Konzerte. Je älter die Kinder werden, desto öfter geben sie ihr eigenes Taschengeld auch für Geschenke für Freunde oder Verwandte aus. Mit zunehmenden Alter begleichen sie auch Kosten für ihr Smartphone selbst.

Wie Kinder ihre Gegenwart und das aktuelle Weltgeschehen wahrnehmen, zeigen ihre Antworten auf die Frage, was sie tun würden, wenn sie eine Superkraft hätten. "Andere Kinder vor Kindern beschützen, die stark sind und sie bloß ärgern", war eine Antwort. "Die Welt gerechter machen, dass es keine Kriege und Zerstörung und keinen Hunger mehr gibt" und am liebsten "die Politik abschaffen, denn darüber ärgern sich meine Eltern immer", sagten andere. Lesen Sie hier weitere Antworten: