Elite-Internat für Jungsportler Moritz lernt fliegen

Skisprungschanze und Schule gehen nicht leicht zusammen. Moritz Baer, 14, lernt am Wintersportinternat Christophorusschule. Die Eliteanstalt drillt ihn und will ihn zum alpinen Helden machen - doch trotz Disziplin und Ehrgeiz schaffen es nur wenige auf den Sportolymp.

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Wer später einmal ganz vorne mitfahren will, muss früh anfangen. So wie Moritz Baer, 14. Er kam vor gut einem halben Jahr an die Christophorusschule in Berchtesgaden, einem Elite-Internat für junge Wintersportler. Neben Talent braucht er Disziplin und Willensstärke - denn die Schultage sind lang und hart.

Für den jungen Skispringer geht es direkt nach dem Unterricht auf die Schanze am Kälberstein, fünf Minuten mit dem Auto vom Internat entfernt. Moritz trainiert täglich, denn während der Saison steht fast jedes Wochenende ein Wettkampf an.

Wie fast alle Sportschüler in Berchtesgaden hat Moritz einen Traum: "Weltcup-Springen oder Olympia, das wäre was." Nervös oder ängstlich, wenn er oben in 90 Metern Höhe vor dem Absprung steht, ist er nicht. "An die Höhe gewöhnt man sich schnell, wenn man erst mal in der Spur ist, denkt man nicht mehr daran, man springt einfach".

Ein Unfall kann die Sportlerkarriere schnell beenden. Deshalb will die Internatsleitung, dass alle Schüler einen Abschluss machen. Zur Wahl stehen der Realschulabschluss nach zehn Jahren oder das Abitur nach zwölf Jahren. Auch Nichtsportler können das Internat besuchen, aber der Fokus liegt auf dem Elitesport.

Um in Berchtesgaden gefördert zu werden, muss ein junger Athlet zu den 30 besten Sportlern seines Jahrgangs gehören - deutschlandweit. Oder er wird, wie Moritz, von seinem Trainer empfohlen.

Versäumter Stoff wird am Wochenende nachgeholt

Moritz kommt aus Lenggries südlich von München. Seit er zehn Jahre alt ist, springt er bei Schülerwettbewerben von Sieg zu Sieg. Mit dem Erfolg stieg auch das Trainingspensum. Dazu kamen Lehrgänge und regelmäßige Turniere. Die Fehlstunden häuften sich und an seiner alten Schulen nahm man auf seinen Sport nur wenig Rücksicht.

Sein Trainer empfahl Moritz schließlich an die Christophorusschule. Träger ist der Verein Christliches Jugenddorfwerk Deutschlands. Das Schulgeld liegt bei 1250 Euro im Monat. Davon übernimmt die Deutsche Sporthilfe etwa 850 Euro. Die Sportförderung beginnt bereits in der fünften Klasse. Ab der neunten gibt es reine Sportlerklassen.

Wenn die Schüler mal nicht zum Unterricht können, sorgt ein Sportkoordinator dafür, dass der versäumte Stoff im sogenannten Nachführunterricht außerhalb der regulären Schulzeit nachgeholt wird, an Wochenenden oder in den Ferien.

Während andere Jugendliche nach der Schule ins Kino gehen oder Computer spielen, geht es für Moritz und seine Mitschüler auf die Schanze oder auf die Piste. Nach Hause kann er nur an Wochenenden, an denen kein Wettkampf oder Nachführunterricht ansteht. Doch dass er so wenig Freizeit hat, stört Moritz nicht: "Ich habe mir das so ausgesucht, und außerdem habe ich meine Freunde doch hier im Internat."

Der Schultag dauert oft mehr als zwölf Stunden

Fast alle Wintersportarten sind in Berchtesgaden vertreten: Ski-Alpin, Langlauf, Rodeln, Biathlon, Snowboard und selbst Curling gibt es hier. Unter den rund 120 Internatsschülern sind derzeit etwa 80 Nachwuchsathleten.

Für Skispringer Moritz endet das Training gegen 5 Uhr abends, dann muss er aber noch Hausaufgaben machen. Dafür gibt es die sogenannte Lernzeit. Sie beginnt um 7 Uhr, Pädagogen betreuen die Schüler.

Etwa eine Stunde braucht Moritz für seine Hausaufgaben, danach hat er endlich frei. Er sitzt dann oft mit seinen Freunden im Gemeinschaftsraum vor dem großen Flachbildschirm und schaut TV-Serien wie "Two and a Half Men" oder die Simpsons. Um 10 Uhr ist damit meistens Schluss, denn schon am nächsten Tag um 7 werden die Schüler wieder geweckt.

Seit vierzig Jahren gibt es die Sportförderung an der Christophorusschule. Die Bilanz kann sich sehen lassen: Maria Riesch, Georg Hackl, Severin Freund und viele andere deutsche Spitzensportler büffelten hier. Weit über hundert Medaillen haben Christophorusschüler bei Olympischen Spielen, Weltmeisterschaften und Weltcups bereits eingesammelt.



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dumedienopfer 23.03.2012
1. ja ja bekannte sportler wie wer ...?
Zitat von sysopSPIEGEL TVSkisprungschanze und Schulpflicht gehen nur mit spezieller Förderung zusammen. Moritz Baer, 14, lernt am Wintersportinternat Christophorusschule. Die Eliteanstalt drillt ihn und will ihn zum alpinen Helden machen - doch trotz Disziplin und Ehrgeiz schaffen es nur wenige auf den Sportolymp. http://www.spiegel.de/schulspiegel/leben/0,1518,822823,00.html
Christophorusschüler gibts nur einen den man kennt, den Hackl Schorsch der hat aber nur gewonnen weil er so fett war, was bekanntlich beim Rodeln immer von Vorteil ist. Hey das stimmt wirklich.... !!!
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