Wir Außenseiter "Alle lästern über mich"

In ihrer Klasse gilt sie als Psycho oder Satanistin. Weil sie fertig gemacht wurde, hat Sarah, 17, die Schule gewechselt - anpassen will sie sich nicht. In der SchulSPIEGEL-Woche der Außenseiter: das erste von sechs Gesprächen über Mobbing, Alleinsein, Anderssein.

Manche sind zu fett, andere hören die falsche Musik oder tragen die falschen Klamotten. Es gehört nicht viel dazu, in der Schule zum Außenseiter zu werden. Ein bisschen Anderssein reicht manchmal, schon ist man der Freak - der, mit dem niemand etwas zu tun haben will, dem alle aus dem Weg gehen. Der an die Haustür klopft und zu hören bekommt: Party? Welche Party? Hier ist keine Party? Da musst du dich irren!

Das Jugendmagazin "Spiesser" hat mit Außenseitern gesprochen. Wegducken oder ausrasten? Wie gehen Schüler damit um, wenn sie in ihrer Klasse gemobbt werden? Wie denken sie über sich? Und wie über andere? Von heute bis Samstag erscheinen auf SPIEGEL ONLINE sechs dieser Gespräche. Den Anfang macht Sarah, 17. Sie hat schon die Schule gewechselt, weil sie ständig fertig gemacht wurde - geholfen hat das wenig.

Viele halten mich für... suspekt, durchgeknallt und einen Psycho.

In Wirklichkeit bin ich... einfach, wie ich nun mal bin. Ich glaube nicht an Gott und bin oft depressiv.

Wenn ich an Schule denke..., dann denke ich daran, dass ich oft wegen meines Aussehens schief angeschaut werde. Die meisten an unserer Schule sind Prolls und Modetussen. Die Jungs sagen immer: "Mensch, du bist doch ein echt hübsches Mädel, mach doch mal was aus dir."

In der Klasse bin ich... ein Schüler von vielen. Durch mein Aussehen falle ich unter den Prolls zwar auf, sage aber nicht wirklich viel.

Das Schlimmste, was mir in der Schule je passierte, war..., als ich noch aufs Gymnasium ging und sich herausstellte, dass meine damaligen Freunde gar nicht meine Freunde waren. Hinter meinem Rücken lästerten sie über mich. Deswegen bin ich dann auch auf die Realschule gewechselt - wenn du nur runtergemacht wirst, hast du keinen Bock mehr.

Das Beste, was mir in der Schule je passierte, war..., dass ich meine "Frau" und meinen "Bruder" kennen gelernt habe, so nenne ich meine besten Freunde.

Die meisten meiner Mitschüler finde ich... nervig. Ich kann es nicht ausstehen, wenn diese kindischen Weiber im Unterricht die ganze Zeit rumkichern, während ich versuche, etwas zu verstehen. So was hat man vielleicht in der fünften Klasse gemacht!

Und die Lehrer... wenn nur diese Ethiklehrerin nicht wäre!

Wenn ich nach der Schule nach Hause komme..., lege ich mich in mein Bett und versuche mich erst mal abzuregen - von meinem Tag und den Leuten um mich herum. Und dann muss ich mich auch schon wieder fertig machen, um zu meinen Freunden zu gehen.

Ich wäre gerne wie... niemand anderes. Jeder hat sein eigenes einzigartiges und unverfälschtes Wesen. Ich möchte niemanden kopieren. Ich finde mich so in Ordnung, wie ich bin.

Meine Eltern wollen, dass ich... so bin wie sie. Mich anpasse und am besten das tue, was sie sagen und wollen.

Am meisten hasse ich... Leute, die mich Zecke oder Satanist nennen, denn die haben überhaupt keine Ahnung.

Wenn ich könnte, würde ich... wieder aufs Gymnasium gehen, denn ich würde gerne studieren.

Aufgezeichnet von Antonie Rietzschel


Außerdem in der SchulSPIEGEL-Woche der Außenseiter:

Dienstag:

Herbert, 23, zerhackt Stoffpuppen und sammelt japanische Horrorfilme. Er ist gruselig, sagen seine Mitschüler. Ich bin lustig, sagt er selbst.


Mittwoch:

Ihre Freundinnen wissen es, ihre Eltern noch nicht. Carina, 18, ist lesbisch und wünscht sich nichts sehnlicher als ein normales Leben.


Donnerstag:

Sie rufen ihn Nigger und verprügeln ihn auf dem Pausenhof. Jeden Tag muss Salames,15, einen dummen Spruch ertragen - weil er nicht aus Deutschland ist, sondern aus dem Irak.


Freitag:

Marco, 18, ist der Klassenbeste, von dem alle die Hausaufgaben abschreiben. Leiden kann ihn trotzdem niemand.


Samstag:

Seine Mitschüler haben Ronny, 18, als Loser abgestempelt. Keiner spricht mit ihm, nur über ihn.

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