Wir Außenseiter "Viele halten mich für ausgeflippt"

Er nennt sich einen "lustigen Typ", seine Mitschüler finden ihn eher zum Gruseln. Herbert, 23, zerhackt in seiner Freizeit Stoffpuppen. In der SchulSPIEGEL-Woche der Außenseiter: das zweite von sechs Gesprächen über Mobbing, Alleinsein, Anderssein.


Viele halten mich für... total gruselig und ausgeflippt.

In Wirklichkeit bin ich... das auch.

Wenn ich an Schule denke..., denke ich daran, wie ich mit einem Kumpel immer Grimassen im Unterricht schneide.

In der Klasse bin ich... einfach Herbie, der krasse Sachen macht oder sagt. Am ersten Schultag wurden wir darüber aufgeklärt, dass Waffen in der Schule verboten seien. Da habe ich gerufen: "Regenschirme sind doch auch Waffen!" Ich bin ein ziemlich lustiger Typ. Mein Humor ergibt sich aber eher aus bestimmten Situationen.

Das Schlimmste, was mir in der Schule je passierte, ist..., dass ich in der Mittelschule von Älteren verkloppt werden sollte. Ich weiß auch nicht warum.

Das Beste, was mir in der Schule je passierte..., war, als ich eine zermatschte Mandarine während des Unterrichts an die Tafel geklatscht habe. Das war lustig.

Die meisten meiner Mitschüler finde ich... ganz okay. Aber es gibt auch ein paar Kinder, die sich mit Edding Bärte ins Gesicht malen und ihre Hosen in die Socken stecken.

Wenn ich nach der Schule nach Hause komme..., ziehe ich mir einen meiner 30 japanischen Monsterfilme rein. Manchmal drehe ich mit einem Freund kleine Filme. Einmal haben wir einen Horrorfilm gedreht, da habe ich mit einer Axt auf eine Puppe eingehackt, mein Freund hat dann mit einem Luftgewehr geschossen, und wir haben die Puppe abgefackelt.

Ich wäre gerne wie... ich.

Meine Eltern wollen, dass ich... meinen Weg gehe. Meine Mutter ist ein übelster Esoterikfan, ist also auch ein bisschen freakig.

Am meisten hasse ich... Bürokratie, Zwang, Globalisierung, den schlechten Einfluss der Medien und Kapitalismus. Das alles macht die Leute mit der Zeit depressiv und wahnsinnig!

Wenn ich könnte, würde ich am liebsten... die ganze Welt auf Null zurücksetzen! Denn so wie es jetzt da draußen läuft, kann es schlecht weiter gehen – wir rennen blind auf einen Abgrund zu, nur wollen es die meisten nicht wahrhaben oder sind einfach schon zu verblödet durch den Einfluss der Massenmedien. Könnte mir ja jetzt egal sein, aber das muss doch nicht so enden, oder? Man sollte viel mehr die Möglichkeit bekommen, sich und seine eigene Persönlichkeit besser entwickeln zu können. Machen können, was man will, solange man niemanden damit schadet.

Aufgezeichnet von Antonie Rietzschel

Außerdem in der SchulSPIEGEL-Woche der Freaks:

Spiesser
Montag: Sarah, 17, will sich nicht verstellen, um keinen Preis. Lieber wechselt sie die Schule und lässt sich als Psycho beschimpfen.

Spiesser
Mittwoch:

Ihre Freundinnen wissen es, ihre Eltern noch nicht. Carina, 18, ist lesbisch und wünscht sich nichts sehnlicher als ein normales Leben.


Spiesser
Donnerstag:

Sie rufen ihn Nigger und verprügeln ihn auf dem Pausenhof. Jeden Tag muss Salames einen dummen Spruch ertragen - weil er nicht aus Deutschland ist, sondern aus dem Irak.


Spiesser
Freitag:

Marco, 18, ist der Klassenbeste, von dem alle die Hausaufgaben abschreiben. Leiden kann ihn trotzdem niemand.


Spiesser
Samstag:

Seine Mitschüler haben Ronny, 18, als Loser abgestempelt. Keiner spricht mit ihm, nur über ihn.



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