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Nach dem Tod der Frau: Ein Leben ohne sie

Foto: Ilvy Njiokiktjien / VII / Redux / laif

Witwer mit drei Kindern "Wir kommen klar, meistens"

Wie ist es, drei Kinder großzuziehen - ohne Mutter? Ein Vater erzählt von den Herausforderungen, denen er sich stellen muss, seitdem seine Frau gestorben ist.

Gemeinsam mit seinen Kindern Lucas, 15, Max, 14, und Catho, 9, sitzt Wouter de Kleyn am Tisch. Sie essen, reden und lachen, ein scheinbar gewöhnlicher Abend. Doch eine fehlt: Claar, Mutter und Ehefrau - sie ist vor fast zwei Jahren gestorben.

Es gibt eine Zeit davor und danach. Wouter erinnert sich so:

Im Jahr 2000 lernten er und Claar sich kennen, er 32, sie 30 Jahre alt. Sie gingen gemeinsam auf Konzerte, hatten viel Spaß, machten gern Urlaub in Südfrankreich - und hatten irgendwann drei Kinder. Claar war eine fürsorgliche und starke Frau, hatte ihre eigene Meinung, gab jedem Ratschläge. Sie liebte es, zu kochen und Hockey zu spielen.

13 Jahre später sei bei Claar ein seltener Nasentumor diagnostiziert worden, sagt Wouter dem SPIEGEL. Es folgte eine Operation in Italien, Chemotherapie, Bestrahlung. Kurze Zeit sei der Krebs verschwunden, dann ein Rückfall und schließlich stand fest: Sie würde nicht mehr gesund werden. Das Ehepaar wollte dennoch versuchen, alles gemeinsam so gut wie möglich zu meistern, positiv zu bleiben. Wouter und Claar stellten einen Blog mit ihren Erfahrungen online.

Im Juli 2017 sei Claar ins Koma gefallen und er habe entscheiden müssen, sie gehen zu lassen, erzählt Wouter. "Ich habe überlegt, was sie machen würde. Sie war damals schon nicht mehr die Frau, die sie einmal gewesen ist. Ich denke, sie hätte auch so gehandelt." Zu dieser Zeit waren die Kinder zwischen 7 und 13 Jahre alt.

Wouter hatte sich zwar ein Jahr lang auf den Tod seiner Partnerin vorbereitet, bereits Psychologen kontaktiert. "Aber in dem Moment trifft einen das trotzdem wie ein Schlag, wir waren alle so verzweifelt und verwirrt." Auch wenn er selbst trauerte, habe er immer versucht, für seine Kinder da zu sein, ein offenes Ohr für sie zu haben, mit ihnen über alles zu sprechen, sie in den Arm zu nehmen.

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Nach dem Tod der Frau: Ein Leben ohne sie

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"Kinder gehen ganz anders mit Kummer um. In einem Moment weinen sie, im nächsten wollen sie spielen", sagt der 51-jährige Vater. "Das hat mich anfangs verunsichert, aber mit der Zeit habe ich gemerkt, dass ihnen das gut tut - und mir auch."

Wouters Leben ist seitdem streng getaktet: Er arbeite den ganzen Tag, komme gegen 17 Uhr zurück nach Hause. Dann bereite er das Abendessen zu, kümmere sich um seine Tochter und seine beiden Söhne. Manchmal muss er abends weiterarbeiten. "Es ist manchmal schwer, alles zu kombinieren." Viel Zeit für ihn selbst bleibt nicht.

Die Kinder gehen auf drei unterschiedliche Schulen, ihr Alltag muss geplant und organisiert werden. Früher habe das seine Frau gemacht, sagt Wouter. "Sie hat an die Arzttermine und die Friseurbesuche gedacht, sich um den Haushalt gekümmert. Ich war für die Finanzen zuständig. Jetzt musste ich das alles übernehmen - was dazu führte, dass wir viele Verabredungen verpassten."

Anfangs habe er versucht, immer alles richtig machen: "Ich wollte der beste Vater sein, mein Bestes geben." Das hatte er seiner Frau versprochen. Ungefähr ein Jahr dauerte es, bis er merkte, dass er das nicht leisten konnte, dass er mehr auf sich achten musste. "Ich habe jetzt mehr Frieden gefunden und bin entspannter. Denn wenn es mir besser geht, geht es den Kindern auch besser", sagt Wouter.

Die Familie ist näher aneinandergerückt

Was er am meisten vermisst? Die Gespräche und gegenseitige Unterstützung. "Bei wichtigen Entscheidungen überlege ich immer: Was würde Claar jetzt machen? Und dann führe ich unsere Unterhaltung im Kopf." Er koche nun nicht mehr gern, weil er das früher oft gemeinsam mit Claar gemacht habe. "Und es ist schwer, abends immer allein ins Bett zu gehen."

Auf dem Wohnzimmertisch liegt Papier, hier notiert die Familie die schönsten und witzigsten Erinnerungen mit der Mutter, wie Wouter berichtet. Ab und zu würden sie sich die Anekdoten gegenseitig vorlesen. Eine große Zeichnung von Claar hänge im Flur, in der Küche ihr Porträt. Die Familie sei näher aneinandergerückt, seit sie nicht mehr da ist, die Beziehung zwischen Vater und Kindern stärker geworden. "Wir kommen klar, meistens", sagt Wouter.

Die Kinder führen dem Vater zufolge einen normalen Alltag, doch immer wieder gebe es Momente, in denen den Kindern und ihm der Verlust bewusst werde. "Es tut mir sehr weh, wenn sie ihren Geburtstag ohne ihre Mutter feiern müssen oder wenn sie bei einem wichtigen Fußballspiel nicht dabei sein kann", sagt der Vater. Er habe gelernt, seine Gefühle zu zeigen, sie zuzulassen.

Geholfen haben Wouter vor allem Gespräche mit Männern, die auch ihre Frauen verloren haben. Deshalb will er nun auch anderen Betroffenen seine Hilfe anbieten - und seine Erfahrungen mit ihnen teilen.

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