Wochenend-Unterricht in NRW Schüler sollen auch samstags pauken

Schule statt Freizeit: Nordrhein-Westfalens Schulministerin Barbara Sommer will die Schüler künftig auch samstags in den Unterricht bitten. Schließlich haben sie für das Abitur nur noch zwölf statt 13 Jahre Zeit. Gewerkschaft und Lehrerverband reagieren empört.


Den Schülern in Nordrhein-Westfalen droht die Sechs-Tage-Woche: Schulministerin Barbara Sommer (CDU) will sie künftig auch samstags zur Schule schicken. Zwar können die Schulen bereits jetzt Unterricht am Wochenende ansetzen - allerdings höchstens zwei Mal im Monat. Diese Einschränkung will Sommer aufheben. Die neue Regelung helfe, den Unterricht in der Woche zu entzerren und die Nachmittagsstunden zu reduzieren, sagte ein Ministeriumssprecher.

Nordrhein-westfälische Schulministerin Barbara Sommer: Schule auch am Wochenende
DPA

Nordrhein-westfälische Schulministerin Barbara Sommer: Schule auch am Wochenende

Die Schulen in Nordrhein-Westfalen haben damit zu kämpfen, dass sie den Stoff von bisher 13 Jahren bis zum Abitur in zwölf Jahren bewältigen müssen. Vor allem zwischen der fünften und der zehnten Klasse müssen die Schüler mehr Stoff in kürzerer Zeit schaffen - einzelne Klassen lernen bis zu 35 Stunden in der Woche. Die Folge: Für das fehlende Jahr muss am Nachmittag extra gepaukt werden - oder am Wochenende, wie die Ministerin nun vorschlägt.

Gewerkschaften und SPD kritisieren diese Idee. Sie fordern stattdessen, mehr Schulen in Ganztagsschulen umzuwandeln: "Samstag statt Ganztag sei der falsche Weg" sagte die stellvertretende Vorsitzende der Landtagsfraktion Ute Schäfer. Sommers Initiative sei "nicht mehr als eine Billiglösung für das Land". Der Landesregierung gehe beim Thema Ganztagsschule die Puste aus.

Die stellvertretende Landesvorsitzende Dorothea Schäfer von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft beschreibt den neuen Erlass als "Rolle rückwärts": Ministerin Sommer habe wohl den "zweiten Schritt vor dem ersten gemacht", indem sie das Abitur nach der zwölften Klasse eingeführt, aber nicht mehr Unterrichtszeit eingeplant habe. Nun versuche sie "auf Kosten der Kommunen, Eltern und Lehrer" aus ihrem Dilemma heraus zu kommen.

"Wer Ganztagsschulen einrichtet, kann auf eine Sechs-Tage-Schule verzichten", sagt auch Udo Beckmann vom Lehrer-Verband Bildung und Erziehung. Diese hielten "Eltern und Kindern das Wochenende für gemeinsame Aktivitäten frei". Auch aus pädagogischer Sicht sei die Ganztagsschule die "beste Lösung", so Beckmann, denn "sie bietet einen Wechsel zwischen Lern- und Erholungsphasen über den Tag."

maf/ dpa



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.