Wunderknabe Zwölfjähriger startet ins Medizinstudium

Er mag kein Fussball. Mit Computerspielen beschäftigt er sich auch nicht. Der zwölfjährige Sho Yano hat ein anderes Hobby: die Universität. Nach dem ersten Schuljahr hat er ein Buch geschrieben, das Biologiestudium bereits absolviert - und beginnt jetzt in Chicago sein Medizinstudium.


Manche sagten Sho Yano, mit neun Jahren sei er zu jung für die Universität. Dann schaffte er seinen Abschluss in Biologie nach nur drei Jahren. Summa cum laude - mit Auszeichnung also. Jetzt nimmt er mit 12 Jahren sein Medizinstudium an der Universität von Chicago in Angriff. Dafür hat der Wunderknabe laut "Chicago Tribune" bereits ein Stipendium in der Tasche.

Sho Yano (im Alter von neun Jahren, mit seiner Mutter): Will Krebsforscher werden
Lloyd DeGrane

Sho Yano (im Alter von neun Jahren, mit seiner Mutter): Will Krebsforscher werden

Anfänglich hatten die Professoren der Universität erhebliche Zweifel. Doch ein Test zeigte seine analytischen Fähigkeiten. Und dann gibt es noch ein anderes Problem. "Die Patienten sind geschockt, wenn sie den Jungen sehen", so die Zweifler. Aber auch die konnte Sho überzeugen. Die Professoren befragten ihn zum alltäglichen Umgang mit Patienten. "Bei jeder Frage bewies der Junge Einfühlungsvermögen gegenüber Patienten und deren Familien", sagt Dr. Lawrence Wood vom Medizinischen Institut der Universität Chicago. Trotzdem werde er nicht vor dem 17. oder 18. Lebensjahr Kontakt mit Patienten haben.

Wie die "Chicago Tribune" berichtet, hatte zuvor noch nie zuvor hat ein Zwölfjähriger in den USA ein Medizinstudium begonnen. Umfragen ergaben zwar, dass immerhin ein Prozent der Medizinstudenten in den Staaten unter 18 Jahren ist. Trotzdem ist Sho Yano in dieser Minderheit ein Ausnahmefall. Der schüchterne Junge zeigte nach Angaben seiner Eltern schon im frühen Alter herausragende Fähigkeiten. Sein Intelligenz-Quotient habe mit 200 Punkten schon früh über dem Niveau der meisten Universalgenies gelegen.

"Meine Schwestern finden, ich sei faul"

Mit vier Jahren spielte Sho auf dem Klavier Mozart-Stücke auswendig und komponierte eigene Musik. In der Kampfsportart Taekwondo schaffte er früh den schwarzen Gürtel. Nach dem ersten Schuljahr veröffentlichte Sho ein Buch. Titel: "Das Tagebuch eines Wunderkindes." Er sieht selten fern und hat sich noch nie mit Computerspielen beschäftigt. In seinem Zimmer hängt kein Poster von Britney Spears - lediglich Zeitungsartikel über die Genforschung.

Der Fall Sho Yano beschäftigt in den USA sogar Erziehungswissenschaftler. Sie können nicht glauben, dass der schüchterne Junge aus eigenem Antrieb solche Leistungen vollbringt. Psychologen zweifeln, ob der Junge genug Schlaf bekommt. Außerdem befürchten sie Langzeitschäden, weil er keine normale Kindheit hat.

Doch diesen Zweifeln begegnet Sho entschieden. "Die Leute meinen, ich arbeite die ganze Zeit", schreibt Sho der "Chicago Tribune" in einer E-Mail. "Aber ich schlafe neun bis zehn Stunden am Tag, und meine Mutter und meine Schwestern finden, ich sei faul." Die Mutter, eine gebürtige Koreanerin, wehrt sich seit Jahren gegen Vorwürfe, sie dränge ihren Sohn zu akademischen Meisterleistungen. Der Junge habe selbst von Anfang an größere Herausforderungen als die normale Schularbeit verlangt. Und schließlich sei auch sein Vater ein Musterschüler gewesen.

Unter seinen Kommilitonen im Biologiestudium war Sho akzeptiert. "Wir sahen in ihm einen kleinen Bruder", sagt der Student Erich Gerhardt. "Aber intellektuell war er stets über uns." So kam es schon mal vor, dass Sho ein 800-seitiges Buch über Genetik gelesen hat - bevor das Seminar überhaupt begonnen hatte. Mit ähnlicher Disziplin wird er im Juni sein Medizinstudium beginnen. Schließlich steht sein Berufsziel schon lange fest: Er will Krebsforscher werden.



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