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Lehrer unter Dauerbeobachtung Wie gut sind unsere Pädagogen?

Was machen Pädagogen richtig, was läuft schief? Für eine Dokumentation filmte Gesine Müller zwei Schulklassen über sechs Monate mit fest installierten Kameras. Im Interview erzählt sie, was dran ist an Lehrer-Vorurteilen.
Zur Person

Gesine Müller, 43, arbeitet seit 16 Jahren als Autorin bei SPIEGEL TV. Für das Format ZDFzeit begleitete sie ein halbes Jahr zwei Lehrer im Klassenzimmer und realisierte gemeinsam mit Co-Autorin Nicola Burfeindt die Dokumentation "Wie gut sind unsere Lehrer?". Der Dokumentarfilm läuft am Dienstag, 23. September, um 20.15 Uhr im ZDF.

SPIEGEL ONLINE: Ein halbes Jahr lang haben Sie beide für Ihre Doku den Alltag einer Hamburger Schule mit der Kamera begleitet. Sie haben mit Experten gesprochen und im Ausland recherchiert. Worum ging es Ihnen im "Lehrer-Check"?

Gesine Müller: Es ist eine Bestandsaufnahme: Wie gut erledigen unsere Lehrer ihren Job, und was verdienen Sie? Warum sind wir bei Pisa Mittelmaß? Jeder fünfte verbeamtete Pädagoge geht wegen Dienstunfähigkeit vorzeitig in den Ruhestand - werden Lehrer überhaupt richtig vorbereitet auf ihren Beruf? Wir wollten kritisch sein, dabei aber fair bleiben.

SPIEGEL ONLINE: Wie haben Sie Lehrer dafür gewonnen?

Müller: Für den Blick hinter die sonst immer verschlossenen Türen brauchten wir extrem viel Vorlauf, es gab kaum Schulen und Lehrer, die dazu bereit waren. Nur am Gymnasium in Hamburg-Altona empfing man uns ganz offen.

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Ein halbes Jahr gefilmt: Wie gut sind unsere Lehrer?

Foto: SPIEGEL TV

SPIEGEL ONLINE: Wie reagierten die Schüler darauf, dass Fernsehkameras ihren Unterricht begleiteten?

Müller: Wir haben mit drei Kameras im Klassenzimmer gefilmt, die wir von außerhalb per Joystick steuern konnten. Mikrofone waren in Federtaschen versteckt. Alle wussten darüber Bescheid, doch es war ein großer Vorteil, bei den Dreharbeiten nicht in der Klasse zu sein. Nach einer Weile hatte die Klasse die Kameras vergessen. Die Bilder sind deshalb einmalig.

SPIEGEL ONLINE: Was bekamen Sie zu sehen?

Müller: Jugendliche mitten in der Pubertät. Die Schüler feilten sich die Nägel, kämmten ihre Haare oder drückten Pickel aus. Sie tauschten Panini-Bilder und tippten auf ihren Handys. Es passierte viel, was nicht zum Unterricht gehört. Die Bilder zeigen, mit wie viel mehr als Vermittlung von Lernstoff die Lehrer befasst sind, und sie zeigen, wie sich Lehrer dieser Aufgabe stellen.

SPIEGEL ONLINE: Wie haben diese zwei Lehrer ihren Job gemeistert?

Müller: Natürlich stehen unsere zwei Lehrer nicht für die Gesamtheit, in jedem Beruf gibt es auch schwarze Schafe. Aber diese hier machten einen wirklich guten Job. Ich habe am eigenen Leib gespürt, wie anstrengend es ist, den ganzen Tag in der Schule zu sein: Nach sechs bis acht Stunden war das ganze Team gerädert.

SPIEGEL ONLINE: Kann das der Grund sein, weshalb sich Lehrer oft beklagen?

Müller: Wir haben auch in einer Klinik gedreht, die sich auf Burn-outs bei Lehrern spezialisiert hat. Dort habe ich festgestellt: Ausgebrannt waren vor allem Lehrer, die sich nicht abgrenzen können. Abgrenzung klingt vielleicht negativ. Doch tatsächlich brannten viele aus, die sich über Gebühr für ihre Schüler einsetzten und dabei in den Job eines Sozialarbeiters rutschten.


Der Dokumentarfilm "Wie gut sind unsere Lehrer?" läuft am Dienstag, 23. September, um 20.15 Uhr im ZDF.

cpa
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