Bildungspolitik Söder lästert über Zentralabitur als "Mittelmaß aus Berlin"

Der Unionsnachwuchs ist für ein Zentralabitur, jedenfalls in einigen Fächern. CSU-Ministerpräsident Markus Söder hält dagegen: Er fürchtet Gleichmacherei und Mittelmaß.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder beim Deutschlandtag der Jungen Union
Harald Tittel/dpa

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder beim Deutschlandtag der Jungen Union


Die Forderung der Jungen Union (JU) nach einem Zentralabitur in den Fächern Deutsch, Mathematik und Englisch stößt auch in der eigenen Partei auf heftige Ablehnung. Abitur und Bildungskonzepte sollten "vor Ort entschieden werden und nicht mit Berliner Mittelmaß", polterte Söder am Samstag auf dem JU-Deutschlandtag in Saarbrücken. Man werde nicht besser durch zentrale Vorgaben aus Berlin.

Die Delegierten des Unionsnachwuchses hatten zuvor einen Antrag verabschiedet, in dem sie für drei Kernfächer einheitliche Abituraufgaben fordern. "Dafür soll ein bundesweiter Aufgabenpool erstellt werden, der einerseits inhaltlich die Lehrpläne aller Bundesländer berücksichtigt und andererseits das Leistungsniveau der Aufgaben im oberen Bereich ansiedelt."

Einen solchen Aufgabenpool gibt es zwar schon, doch den Ländern ist es bisher freigestellt, ob sie eigene Aufgaben für ihre Prüfungen nutzen oder Pool-Aufgaben - und ob sie diese Aufgaben gegebenenfalls noch einmal anpassen und verändern.

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Nach den Vorstellungen der Jungen Union sollen die Aufgaben für Deutsch, Mathe und Englisch zukünftig nicht mehr ausschließlich von den Bundesländern gestellt werden. Stattdessen solle das Niveau der Prüfungen durch eine externe Expertenkommission sichergestellt werden, heißt es in dem Beschluss. Den Bundesländern solle eine mindestens dreijährige Übergangszeit eingeräumt werden.

Die Debatte ums Zentralabitur sorgt in der Bildungspolitik regelmäßig für aufgeregte Wortmeldungen. Denn sie berührt die föderalistische Aufgabenteilung, nach der allein die Bundesländer für schulpolitische Themen zuständig sind. Entsprechend skeptisch sehen viele Länder jede Tendenz zur Zentralisierung.

Andererseits aber werden die Forderungen nach zentralen und damit für alle Abiturienten vergleichbaren Aufgaben immer dann besonders laut, wenn es um die vermeintlich nachlassenden Fähigkeiten der Abiturienten geht - so wie im Frühjahr 2019, als es zahlreiche Beschwerden über Schwierigkeiten im Mathe-Abitur gegeben hatte.

Diesen Spagat versucht jetzt auch die Junge Union mit ihrer Forderung zu bewältigen: Einerseits bekennt sie sich zum Bildungsföderalismus und zum Wettbewerb unter den Ländern um das beste Bildungskonzept. Gleichzeitig stellt der Unionsnachwuchs in seinem Beschluss aber auch fest: "Wettbewerb erfordert jedoch auch einheitliche Zielkriterien. Nur bei Vergleichbarkeit der Ergebnisse ist ein Vergleich von Bildungskonzepten möglich."

him/dpa



insgesamt 48 Beiträge
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gluonball 12.10.2019
1. Super
Denn wie es jetzt ist ist es nicht gerecht. Weder für die Kinder die ein schlechteres Abitur bekommen weil die Standards im Bundesland höher sind noch für die anderen. Denn auch wenn man ein besseres Zeugnis hat, hat man dann möglicherweise weniger gelernt. Und dazu fällt es Deutschland dann schwer herauszufinden wie besser gelehrt werden könnte. Denn man kann das ja nicht an den Noten messen. Das ist ein wirklich wichtiger Schritt. Und alle werden profitieren.
escherischiacoli 12.10.2019
2. Warum nur
3 Fächer? Und als landesübergreifender Qualitätstest wird es schon beim erstenmal die Problemzonen zeigen. Allerdings muss der Stoff gut ausgewählt und die Prüfungen ohne länderspezifische Bevorzugungen ablaufen.
m82arcel 12.10.2019
3.
Vielleicht sollte man sich eher von dem extremen Fokus auf die Noten verabschieden. Ob jemand einen Abi-Schnitt von 1,7 oder 2,3 hat, ist für das Studium ziemlich irrelevant und die Leistung in einzelnen Prüfungen sagt noch viel weniger aus. Wenn ein guter Schüler am Tag der Prüfung einen schlechten Tag und ein schlechter Schüler einen guten Tag hat und beide dadurch ein ähnliches Ergebnis erzielen, was sagt diese eine Prüfung dann aus? Nun kann man natürlich sagen, dass sei halt Pech für den guten Schüler, aber es zeigt, dass solche Noten für eine Vergleichbarkeit nicht wirklich geeignet sind. Man kann vielleicht gerade noch einen langfristigen Notenschnitt als Indiz für die Leistung heranziehen, aber für diesen ist es irrelevant, ob eine einzelne Klausur zentral gestellt wird. Und auch Nachkommastellen sind hier nicht relevant.
Urzweck 12.10.2019
4. Also nicht CDU wählen
Die Bildung in unserer Republik finde ich jetzt schon schlecht. Wenn sie einheitlicher wird, z.B. durch solche Prüfungen, werden sich die Lehrpläne der Bundesländer noch weniger weiterentwickeln. Zudem werden die Inhalte vermutlich noch stärker unter politischen Symbolen leiden. Lieber sind mir mehrere unabhängige Lehrpläne in den Ländern, sagen wir mindestens 8. Dann können sich die Bürger die jeweils anderen Ideen anschauen und dann z.B. bewusst bei ihrem eigenen Lehrplan bleiben. Konkret: Ich möchte in Sachsen nicht die Lernziele aus Bremen übernehmen.
WoRiDD 12.10.2019
5. Der Gedanke ist richtig
Was aber soll schon wieder die angekündigte Flickschusterei? Zentralabi ja, aber.... In ALLEN Fächern sollte es ein Zentralabi geben, was allerdings voraussetzt, dass es auch einen bundeseinheitlichen Lehrplan ohne Wenn und Aber ohne individuelle Gestaltungsmöglichkeiten durch die Lehrer gibt.
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